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Ärger im Frankfurt Stadion : „Wir wurden konfrontiert mit sehr aggressiven Fans“

  • -Aktualisiert am

Fans räumen die mühsam vorbereitete Choreografie vor dem Spiel wieder ab. Bild: EPA

Das Fußballfest in Frankfurt wird überschattet von Ärger zwischen Fans und Polizei. Polizeisprecher Andrew McCormack verweist aufs Amtsgericht. Auch der Verein hat eine klare Meinung. Die Ultras sprechen von einem „persönlichem Kleinkrieg“.

          Die Social-Media-Abteilung von Eintracht Frankfurt hatte wohl schon eine Ahnung und hob gleich schriftlich den Zeigefinger. Vereinspräsident Peter Fischer hatte vor dem Europa-League-Spiel gegen Schachtar Donezk im Interview mit der Streamingplattform DAZN am Mittwoch gesagt: „Das Stadion muss brennen. Und wenn ich sage, dass das Stadion brennt, dann brennt das morgen. Und zwar so, dass ihr kaputtgeht, weil ihr so viel Licht habt. Und deswegen wird das Spiel vielleicht ein bisschen neblig für euch.“ Die Mitarbeiter des Vereins reagierten prompt und schrieben unter das kurze Video bei Twitter: „Aber nicht zu ernst nehmen: Mit ‚brennen‘ ist keine Pyro gemeint, Freunde. Sondern die geniale Stimmung auf den Rängen.“

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die Polizei jedenfalls war dennoch alarmiert. Sie teilte mit: „Unabhängig davon wie es gemeint war, musste in Verbindung mit dem zum Teil massiven Abbrennen von Pyrotechnik an vorangegangenen Spielen davon ausgegangen werden, dass Besucher des Spiels sich insbesondere für diese Begegnung dazu aufgerufen fühlen könnten, Pyrotechnik mitzubringen und abzubrennen.“ Vor der Partie gab es daher eine Durchsuchung im Stadion. Im Zuge dessen wurde auch ein Banner beschlagnahmt. Es kam zu Auseinandersetzungen und zur Absage der geplanten Choreografie. Der Pressesprecher der Frankfurter Polizei, Andrew McCormack, schilderte nach der Partie in den Katakomben seine Sicht der Dinge.

          Heute sollte eine riesige Choreografie stattfinden. Warum ist es dazu aus Ihrer Sicht nicht gekommen?

          Ich muss klarstellen: Die Choreografie haben wir nicht abgesagt, im Gegenteil. Wir finden es sogar schade, dass sie nicht stattgefunden hat. Aber es ist letztlich nicht unsere Entscheidung gewesen.

          Was ist genau passiert?

          Gegen 17.10 Uhr haben Problemfans ein großflächiges Banner ausgelegt. Dieses Banner hatte einen verschmähenden Inhalt zulasten unseres Staatsministers, Herrn Beuth. In diesem Zusammenhang ist es beschlagnahmt worden, weil es ein strafrechtlich relevantes Banner war. Da müssen wir aktiv werden. Das haben wir getan. In diesem Zusammenhang wurden wir konfrontiert von sehr aggressiven Fans. Es kam auch zu Schubsereien. Letztlich wurde aber niemand verletzt.

          Die Fanklub-Vorsitzende Ina Kobuschinski meinte gegenüber dem Hessischen Rundfunk, die Fans wurden ein Stück weit provoziert. Wie war es aus Ihrer Sicht?

          Das würde ich nicht behaupten. Letztlich mussten wir einen strafrechtlich relevanten Sachverhalt aufnehmen. Und das als Provokation auszulegen ist tatsächlich falsch, denn wir haben ein Prinzip der Strafverfolgung. Dem müssen wir nachgehen.

          Wie ist es nach der Konfrontation weitergegangen? Haben die Fans dann mitgeteilt, was passieren wird? Inwieweit gab es körperliche und verbale Auseinandersetzungen?

          Nachdem das Banner beschlagnahmt worden war, waren wir selbst davon überrascht, dass Heimfans Gegenstände der Choreografie abgebaut haben. Wir konnten es bisweilen nicht ganz nachvollziehen, denn eine Entscheidung von uns ist dazu nicht gefallen.

          Sie haben den Bereich vorher durchsucht. Inwieweit hat das Interview von Vereinspräsident Peter Fischer dazu beigetragen, dass überhaupt durchsucht wurde?

          Da gab es Schlüsselwörter wie „Stadion brennt“ oder „Nebel“ oder „sehr viel Licht“. Unabhängig davon, wie das gemeint war, kann es dazu führen, dass sich verschiedene Problemfans dazu veranlasst oder angesprochen fühlen, pyrotechnische Gegenstände ins Stadion mitzuführen. Das konnten wir nicht ausschließen. Wenn wir uns zurückliegende Spiele anschauen, dann stellen Sie fest, dass teilweise massiv pyrotechnische Gegenstände eingesetzt wurden. Die Gefahren muss ich nicht erläutern. Aus diesem Grund hat das Amtsgericht Frankfurt entschieden, die Räumlichkeiten, also die Nordwestkurve, die Toiletten dahinter und einen Raum, wo die Gegenstände für die Choreografie gelagert werden, zu durchsuchen. Wir haben aber letztlich nichts gefunden.

          Inwieweit befürchten Sie, dass es jetzt zu einem schlechteren Verhältnis zu den Fans führen könnte?

          Das müssen wir abwarten. Es würde uns nicht freuen, wenn es tatsächlich so ist, aber wir müssen bei strafrechtlich relevanten Inhalten einfach tätig werden, das ist unsere Pflicht. Und wir wünschen uns natürlich auch, dass so ein Fußballfest wie am heutigen Abend friedlich verläuft und es zu keinen Straftaten kommt.

          Eintracht kritisiert scharf

          Die Vereinsführung von Eintracht Frankfurt kritisierte die Polizeikontrollen und Durchsuchungen im Stadion scharf. Die Maßnahmen der Beamten seien ausschließlich auf Grundlage des Videos von Fischer veranlasst worden, erklärte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann. „Auch die Personenkontrollen haben nichts ergeben“, sagte Hellmann. Zu Fischers Aussage, das Stadion müsse brennen, sagte Hellmann: „Das bezog sich auf das Sportliche und die Stimmung und war keinesfalls ein Aufruf zu Gewalt. Die Kernfrage lautet: Ist ein Video eines emotionalen Präsidenten ein ausreichender Anlass, um eine Gefahrenabwehr heraufzubeschwören?“

          Durch den nach Ansicht des Vereins überzogenen Einsatz der Sicherheitskräfte sei es den Fans nicht möglich gewesen, die 72 Stunden lang vorbereitete Choreographie fertigzustellen. Deshalb hätten sich die Anhänger dazu entschieden, die ausgelegten Flaggen vor dem Spiel wieder komplett einzusammeln. Hellmann sagte auch, er habe im Laufe des Donnerstags dreimal mit dem Frankfurter Polizeichef Gerhard Bereswill telefoniert und ihn darauf hingewiesen, „dass ich diese drastische Maßnahme nicht nachvollziehen kann“.

          Ultras sprechen von „persönlichem Kleinkrieg“ Beuths

          Auch die Frankfurter Ultras übten Kritik. Sie warfen Innenminister Beuth in einer Mitteilung auf ihrer Internetseite vor, „einen persönlichen Kleinkrieg“ zu führen. Ziel sei es offenbar, „eine Eskalation herbeizuführen“. Sie sprachen zudem von „mehreren verletzten Fans“ am Donnerstag.

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