https://www.faz.net/-gtl-789p8

Frank Rost : Es sind ja nur die Frauen

  • -Aktualisiert am

Wie viel ist dieser Abend wert? Frank Rost trainiert die HSV-Frauen - für den DFB ist das nicht genug Bild: picture alliance / dpa

Der frühere Nationaltorwart Frank Rost trainiert die Drittliga-Frauen des HSV. Doch bei der Bewerbung zum Fußballlehrer-Schein kommt die Überraschung. Rost verzweifelt am DFB - und sucht sich im Sommer einen neuen Posten.

          Den Steinzeit-Fußball hat er ihnen schon abgewöhnt. Mit kurzen Pässen wird der Ball von beiden Trainingsteams abwechselnd vor die Tore getragen, Angriff für Angriff. Dass er oft verspringt und nur selten in die Maschen rauscht, liegt am Platz. „Für die Jahreszeit ist er gut“, sagt Frank Rost, „wir haben ihn selbst geräumt.“ Rost steht am Rande des bräunlichen Rasens und schaut seiner Mannschaft zu.

          Es ist das Abschlusstraining vor der Partie gegen die zweite Vertretung des VfL Wolfsburg, und der strenge Coach ist zufrieden. 16 Spielerinnen sind gekommen, einige von ihnen sind durch die ganze Stadt nach Ochsenzoll ins Nachwuchszentrum des Hamburger SV gefahren, von Harburg oder Wilhelmsburg. Das freut Rost. Und „langen Hafer“ muss er auch nicht mehr ertragen. Das Spielfeld wie früher mit Mondbällen zu überbrücken, das hat Rost als erstes verboten.

          Er lobt seine „Mädels“ nicht nur. Er bezahlt auch mal das Essen auf den langen Rückfahrten von den Punktspielen in ganz Norddeutschland. Er kümmert sich um vernünftige Bälle, ordentliche Schuhe und einen Platzwart. Rost stand 149 Mal im Bundesligator des HSV, er hat natürlich Beziehungen, und seit er dessen Drittliga-Frauen im vergangenen Sommer als verantwortlicher Coach übernommen hat, haben sie sich im Mittelfeld der Regionalliga Nord etabliert.

          Das ist mehr als man erwarten konnte, denn als der HSV seine erste Frauenmannschaft im Mai 2012 aus der Bundesliga abmeldete, weil das Geld fehlte, stand die ganze Abteilung vor dem Aus. Rost wurde gefragt, und er kam und half, weil er nach Ende der aktiven Laufbahn bei RB New York im Januar 2012 und einer halbjährigen Auszeit vom Profifußball Zeit und Lust hatte. Er sagt: „Ich wollte nichts Hauptamtliches machen. Ich will mich im Ehrenamt engagieren.“

          Die dritte Liga der Frauen reicht nicht

          Ohne Hintergedanken stellt sich ein ehemaliger Nationaltorwart aber nicht drei Mal die Woche in den Dienst der Sache und opfert das Wochenende - Rost hatte auch den Fußball-Lehrer-Schein vor Augen, als er begann. Doch als sich Rost schriftlich für die Eignungsprüfung zum nächsten Kurs von Juni an in Hennef bewarb, kam postalisch die böse Überraschung: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) lehnte den 39 Jahre alten Rost ab. Um zugelassen zu werden, hätte er ein Jahr als „verantwortlicher Seniorentrainer“ von der sechsten Männerklasse aufwärts an nachweisen müssen - oder als Erst- oder Zweitligatrainer bei den Frauen.

          Die dritte Liga der Frauen reicht nicht, um aufgenommen zu werden. Nach der schriftlichen Absage suchte Rost das Gespräch mit dem DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth. Rost sagt: „Er hat mir geraten, einen Hamburger Sechstliga-Klub zu trainieren und mich für den Lehrgang 2014 zu bewerben. Das will ich aber nicht. Ich verstehe nicht, warum die Arbeit mit einem Frauenteam der dritten Liga weniger wert ist als mit einem Männerteam der sechsten.“

          149 Mal stand Rost im Tor des Hamburger SV

          Wormuth versteht Rosts Ärger, aber er sagt: „Wir haben Richtlinien, an die wir uns halten müssen. Frank Rost besitzt die A-Lizenz, aber er hatte zum Zeitpunkt seiner Bewerbung noch nicht ein Jahr als Trainer gearbeitet. Deswegen konnten wir ihn nicht zulassen.“

          Die Statuten hat sich Wormuth nicht ausgedacht, sie werden vom DFB-Lehrstab beschlossen, einem Gremium mit Vertretern des DFB, des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Dort wurde eben festgelegt, dass die dritte Liga der Frauen nicht akzeptiert wird. „Das ist kein Leistungsfußball“, sagt Wormuth. Er lässt aber durchblicken, dass man darüber streiten könne, ob denn die 5. oder 6. Männerliga immer dem Begriff „Leistungsfußball“ zuzuordnen sei.

          „Ich habe mich auf diese Absprache verlassen“

          Nun hätte Rost die Zulassungsbedingungen des DFB im Internet einfach nachlesen können. Doch er sagt, er habe vor längerer Zeit mit dem 2012 ausgeschiedenen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer gesprochen. Der habe ihm signalisiert, als verdienter Spieler zum Eignungstest zugelassen zu werden. „Ich habe mich auf diese Absprache verlassen“, sagt Rost.

          Doch mit dem Wechsel von Sammer zu Robin Dutt sei sie wohl hinfällig gewesen. Rost rief in seiner Not sogar DFB-Präsident Wolfgang Niersbach an und Oliver Bierhoff, den Nationalmannschafts-Manager. Doch beide konnten oder wollten ihm nicht helfen. Rost sagt: „Ich will keinen Stunk machen, aber von Niersbach, der immer erzählt, Breitensport und Leistungssport müssten zusammenhalten, finde ich das schwach. Ich engagiere mich im Breitensport und werde dafür bestraft.“

          Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach konnte - oder wollte - Rost nicht helfen

          Wormuth erkennt an, dass Rost ein erfahrener Profi ist. Aber nicht jeder erfahrene Profi werde ein guter Trainer. Er sagt: „Bewerber wie Frank Rost müssen verstehen, dass es einen roten Teppich für sie gibt. Aber es stehen ein paar Hürden drauf. Wir würden unser System konterkarieren, wenn wir Spieler mit 400 Bundesligaspielen ohne die erforderlichen Eignungen zulassen.“ Dass es vor seiner Zeit Fälle gegeben haben mag, in denen manche Bewerber „durchgewinkt“ wurden, verhehlt Wormuth nicht.

          Frank Rost wird nun Konsequenzen ziehen und „seine Frauen“ im Sommer verlassen. Wie es dort ohne ihn weitergeht, ist schwer zu sagen. Ob er als Männer-Trainer sechste Liga aufwärts arbeiten will, weiß er noch nicht. Rost sagt: „Ich bin mir nicht zu schade für Männerfußball, aber ich muss meine Karriereplanung überdenken, denn sie wurde komplett über den Haufen geworfen.“ Wormuth rät: „Er sollte sich nicht dagegen wehren, Erfahrungen im Leistungsfußball zu sammeln, wenn er Fußball-Lehrer werden will. Dazu gehören auch negative.“

          Weitere Themen

          „Ich träumte von der NBA“

          FAZ Plus Artikel: Denk ich an Sport (5) : „Ich träumte von der NBA“

          Volker Bouffier ist seit 2010 Hessens Ministerpräsident. Hier schreibt der Politiker über seine Zeit als Boxer und Basketballer in der Bundesliga, den Wert von Idolen und den Kampf für das Gute im Sport – gegen Diktatoren und Doper.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.