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Inter Mailand : Forza Podolski

In Schwarz und Blau: Lukas Podolski wird bei seiner Ankunft am Mailänder Flughafen am Freitag von Fans gefeiert Bild: dpa

Der bei Arsenal ausrangierte Lukas Podolski wechselt zu Inter Mailand, begrüßt 200 Tifosi stilsicher und liefert sich einen amüsanten Schlagabtausch mit Lothar Matthäus.

          Das Schöne an Lukas Podolski ist, dass er wirklich Lukas Podolski ist. Authentisch, so darf man das ruhig nennen. Und dazu gehört es, dass er, auch wenn er selbstverständlich einen Berater hat, sich nicht zwingend so verhält, als hätte er einen. So etwas ist selten (geworden) in der Branche. Was aus professioneller Perspektive nachvollziehbar, aus Sicht des Publikums aber auch ein bisschen bedauerlich ist. Insofern war es ein kleines Geschenk, dass am Wochenende in Lothar Matthäus und eben Podolski nicht nur zwei Fußball-Weltmeister sondern auch ausgewiesene Freunde des freien Wortes in Korrespondenz traten.

          Anlässlich des bevorstehenden Wechsels von Podolski zu Inter Mailand hatte sich Matthäus als Fernsehexperte kritisch mit dessen jüngsten Leistungen auseinandergesetzt. Lukas, sagte Lothar, müsse sich wieder „mehr auf Fußball konzentrieren“. Man habe gehört, er twittere mehr, als dass er spiele. Was Podolski nicht auf sich sitzen lassen wollte und, trefflicherweise bei Twitter, konterte. „Ich finde es schon amüsant, dass ausgerechnet Matthäus mir Tipps gibt, wie ich mich verhalten soll“, schrieb er. Und garnierte das Ganze mit den spöttischen Hashtags #Erfolgscoach und #Greenkeeper (in Anlehnung an einen Spruch von Uli Hoeneß zu Matthäus’ Job-Perspektiven beim FC Bayern).

          Nimmt man die bildliche Anspielung auf die fünf Ehen des Matthäus hinzu, ist davon auszugehen, dass das Verhältnis der beiden Fußball-Evangelisten auf Sicht nicht von Nächstenliebe oder gar Brüderlichkeit geprägt sein wird. Zumal Matthäus, offenbar einem ungeschriebenen Gesetz folgend, noch einmal per Zeitungsinterview auf Lukas antwortete.

          Podolski genügt nicht mehr höchsten Ansprüchen

          Wenn man das Ganze auf einen sachlichen Kern reduziert, ist natürlich etwas dran an der sportlichen Einschätzung des früheren Mailänders über den künftigen. Im Trikot des FC Arsenal hat Podolski zuletzt tatsächlich kaum noch gezeigt, was einmal in ihm steckte. In dieser Saison der Premier League kommt er bislang auf bescheidene sieben Einsätze, keinen von Beginn an und allesamt torlos. Podolskis Wahrnehmung mag Ursache und Wirkung genau andersherum verknüpfen. „Wenn man im Spiel immer nur acht bis zehn Minuten bekommt, ist es schwierig. Da wird man gerade warm“, hatte er im November gesagt und deshalb immer wieder auch Wechselgedanken geäußert.

          Aus neutraler Sicht aber drängt sich der Eindruck auf, dass der 29 Jahre alte Podolski zwar formal hochdekoriert aus diesem WM-Sommer hervorgegangen ist, höchsten Ansprüchen aber nicht mehr genügt. Inter Mailand, so deutete es nicht nur Matthäus an, sei da vielleicht ein ganz passender Klub. Auch der 18-malige italienische Meister strahlt mehr den Glanz vergangener Tage aus, als dass er eine Aussicht auf frischen Lorbeer eröffnen würde: Platz elf in der Serie A, zwischen Palermo und Sassuolo – das ist die triste Gegenwart.

          Hohe Erwartungen an Ausleihe

          Was beide Seiten freilich nicht daran hinderte, hohe Erwartungen an das zunächst auf ein halbes Jahr ausgelegte Leihgeschäft zu knüpfen. Podolskis Ankunft am Flughafen Linate mobilisierte rund 200 Tifosi, die den Campione aus Germania herzlich begrüßten und sich um ein Selfie mit ihm rissen. Der Angreifer gab sich volksnah und gut vorbereitet. „Forza Inter“ – das war eine stilsichere Begrüßungsformel, der schwarz-blaue Schal das passende Accessoire. Sofern der Deal nach dem dokumentierten Handschlag mit Trainer Mancini offiziell beglaubigt wird, könnte Podolski schon am Dienstag im Spiel bei Juventus Turin eingreifen. „Ich habe lange auf dieses Abenteuer gewartet“, sagte Podolski.

          Was dessen Verlauf betrifft, könnte es gut sein, dass sich alsbald Besuch aus Deutschland ankündigt, um sich ein Bild aus nächster Nähe zu machen. Denn auch bei Bundestrainer Joachim Löw steht Podolski, mit 121 Länderspielen der bei weitem Erfahrenste im Nationalteam, mittlerweile auf der roten Liste der bedrohten Arten. Zwar schien Podolski lange Zeit einen besonderen Schutz des Bundestrainers zu genießen – nicht zuletzt, weil er als Frohnatur eine wichtige Integrationsfigur im Teamgefüge darstellt. Im Zuge der November-Länderspiele gegen Gibraltar und in Spanien machte aber auch Löw deutlich, dass von Podolski wieder mehr kommen müsse. Zu eindimensional und oft zu defensivschwach wirkte das Spiel des gebürtigen Kölners in Löws Elitekader zuletzt, auch bei der WM.

          „Neues Jahr, neue Anfänge“, schrieb er nun auf Twitter. Es ist ein Satz, der nur scheinbar immer gilt. Die Zeit als Fußballprofi ist endlich, und Podolski werden nach der Flucht nach Mailand nicht mehr viele Möglichkeiten zu einer (gewinnbringenden) Veränderung bleiben. Im schlechteren Fall bringt schon dieses neue Jahr ein Ende. Auch wenn es für Podolskis Energie und Ehrgeiz spricht, dass er es den abgetretenen Kollegen Lahm, Klose und Mertesacker nicht gleichgetan hat.

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