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Düsseldorf im DFB-Pokal : Ein Altmeister mit Plan

  • -Aktualisiert am

Wechselt im Erfolg mit Erfolg: Friedhelm Funkel kennt keine Stammkräfte. Bild: dpa

Fortuna Düsseldorf hat einen glänzenden Saisonstart hingelegt. Im DFB-Pokal empfängt die Mannschaft von Trainer Funkel Borussia Mönchengladbach – und plant den nächsten Festtag.

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          Eine Mannschaft, die sich an sich selbst berauscht. Ein Trainer, der ständig mit der eigenen Erfahrung und der daraus gespeisten Unaufgeregtheit kokettiert. Eine Stadt, die ihre in den vergangenen Jahren auf eine harte Probe gestellte Vereinsliebe langsam, aber sicher wiederentdeckt. Der Rheinländer an sich gilt ja als emotional hochtouriger Zeitgenosse, aber selbst in Düsseldorf gab es keine wahrnehmbare Stimme, die der Fortuna einen solch glänzenden Saisonstart prognostiziert hätte. Nach neun Siegen aus den ersten elf Partien, einige davon durch mitreißend temporeichen Fußball erzielt, steht der Klub mit 28 Punkten an der Zweitligaspitze. Und Friedhelm Funkel erlebt mit 63 Jahren gerade seinen x-ten Trainerfrühling.

          Der Spezialist für Bundesliga-Aufstiege – fünf Mal gelang ihm das schon – schickt sich an, seine Rekordmarke weiter auszubauen. Mit einer Mannschaft, die er im Frühjahr 2016, als Retter geholt, zum Klassenverbleib führte, in der vergangenen freudlosen Saison wieder in den Abstiegskampf verwickelte und nun zu neuen Höhen führt. Das neue Hochgefühl nach faden Jahren wird befeuert von der Aussicht auf das Pokal-Derby in der Düsseldorfer Arena gegen den klassenhöheren Nachbarn Borussia Mönchengladbach an diesem Dienstag (18.30 Uhr).

          Robert Schäfer war die treibende Kraft im Verein, die Liaison mit Funkel fortzusetzen. Der Fortuna-Vorstandsvorsitzende musste sich über manche Meinung hinwegsetzen in den Gremien, in denen der Trainer-Oldie als Auslaufmodell betrachtet wurde in einer Branche, in der junge Fußballlehrer mehr denn je en vogue sind. „Funkel ist der Architekt dessen, wo wir gerade stehen“, sagt Schäfer gegenüber dieser Zeitung und beschreibt Funkel als einen Trainer, der „flexibel und anpassungsfähig ist sowie Impulse gibt und aufnimmt“.

          Unter dem Eindruck des schwachen letzten Drittels der Vorsaison sowie mit der Aussicht auf eine neue Zweitligasaison ohne echten Favoriten wurde bei der Fortuna im Sommer ein Aufstiegs-Plan – offiziell als Zielvorgabe Platz eins bis sechs verklausuliert – entworfen. Und der dazu passende Kader geschmiedet: eine Mischung aus verbliebenen Führungsfiguren (Fink, Sobottka, Ayhan, Hennings, Hoffmann) und Transfer-Treffern wie Raman, Zimmer, Wolf oder Neuhaus. Letzter ist eine 20 Jahre alte Gladbacher Leihgabe, die im zentralen defensiven Mittelfeld vollends überzeugt. Als Funkel klarwurde, welche Qualität dort im finanziellen Rahmen unter seiner Leitung versammelt ist, gab er seinen Kickern zu verstehen, dass es fortan keine Stammkräfte mehr geben werde.

          „Ich habe den Spielern gesagt: Ich werde oft wechseln, ihr werdet auch mal draußen bleiben, obwohl ihr fit seid und gut gespielt habt“, sagt Funkel. „Jetzt ziehe ich das auch durch, sonst würde ich ja unglaubwürdig.“ Der Altmeister ist zum erfolgreichen Wechselspieler geworden: zwölf Zweitligamatches, zwölfmal nicht dieselbe Startaufstellung. Und dass, obwohl die Mannschaft von Erfolg zu Erfolg eilt. „Angesichts des Konkurrenzkampfs, den der Trainer erzeugt hat, ziehen die Profis viel Motivation daraus, dass sie überhaupt dabei sind“, sagt Schäfer.

          Das gilt besonders für das Pokalmatch in der Düsseldorfer Arena, die wenige Stunden nach Kartenvorverkaufsstart schon ausverkauft war. Die Fortuna geht nach dem 1:0-Heimerfolg gegen Darmstadt am Freitagabend mit der Empfehlung von fünf Siegen in Serie – der schlagzeilenträchtige Abgang von Assistenztrainer Hermann zu den Bayern konnte ihnen nichts anhaben – in das Pokalmatch.

          Und weil die Gladbacher die 40 Kilometer kurze Anreise mit den frischen Eindrücken der 1:5-Heimniederlage gegen Leverkusen antreten, dreht sich das verbale Vorspiel um die Frage, wer denn nun Favorit ist. Borussia-Trainer Dieter Hecking attestiert der „herausragenden Mannschaft der zweiten Liga“ schon „Bundesliganiveau“. Fortuna-Boss Schäfer entgegnet: „Wir haben einen Festtag, die haben Druck.“

          Seit 26 Jahren haben die Borussen nicht mehr in Düsseldorf gewonnen, die drei Pokal-Vergleiche in der Arena am Rhein gingen allesamt verloren. Und so herrschen beste Voraussetzungen für einen herzhaften Pokal-Fight unter Nachbarn, bei dem auch für die Fortunen einiges auf dem Spiel steht. Sie können die Antwort auf die Frage liefern, ob sich die Mannschaft weiter an sich selbst berauscht und die Stadt sich noch ein Stück mehr an ihrer Fortuna erfreuen kann. Dass der Trainer unabhängig vom Ergebnis unaufgeregt bleibt und auf seine Erfahrung in ähnlicher Situation verweist, ist sicher.

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