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Footbonaut : Eine Wundermaschine für alle

Das Runde muss ins Zielgitter: der Dortmunder Footbonaut Bild: firo Sportphoto

Ob Feldspieler oder Torhüter: Die Arbeit mit dem Footbonauten fördert Körper und Geist der Dortmunder Fußballprofis.

          Ist das jetzt die Geheimwaffe gegen den FC Bayern? Dass Mario Götze nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel es doch noch schafft fürs Champions-League-Finale in drei Wochen? Die Wundermaschine auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund hat schon so einigen BVB-Stars geholfen, nach einer Verletzung schneller und topfit auf den Platz zurückzukehren. „Wir sehen hier klare Trainingseffekte. Für die Spieler ist die Anlage auch ein riesiger Motivations-Push“, sagt Andreas Schlumberger. Der Sportwissenschaftler leitet bei der Borussia seit dieser Saison den Bereich Rehabilitation, Athletik und Fitness.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es piept und blinkt in dem Käfig. 14 mal 14 Meter groß ist das Feld-Quadrat (Kunstrasen), auf dem der Spieler den Ball aus einer der acht jeweils in der Mitte jeder Seite angebrachten Wurfmaschinen zugespielt bekommt. Der Ball wird dort herausgeschossen, wo es zuvor gepiept hat. Er muss sofort angenommen und weitergespielt werden. Das Feld umgibt ein Gitter mit 72 einzelnen Quadraten (1,40 mal 1,40 Meter) - das jeweilige Ziel. Der Ball muss dort hinein, wo ein Gitterrahmen aufleuchtet. Fliegt er durch die Lichtschranke, werden wiederum das akustische Signal und eine der Wurfmaschinen in Gang gesetzt. So geht es immer weiter.

          Ein Ball mit bis zu 120 Kilometer pro Stunde

          Kein anderer Klub in der Bundesliga verfügt bisher über eine solche Anlage. Der Berliner Erfinder Christian Güttler hat sie „Footbonaut“ genannt. Hightech, mit dem man in neue Fußball-Dimensionen vorstoßen will. „Diese Maschine kreiert den Zufall“, sagt Güttler. Das heißt: Die Übungsprogramme werden nicht monoton heruntergespult, sondern stellen für den Spieler eine Herausforderung für Körper und Geist dar. Es fehlt eigentlich nur eines: der Druck eines Gegners.

          Viele Variationen sind einstellbar: Die Bälle können flach kommen, halbhoch oder hoch (auch mit Effet), damit sie vor dem Weiterspielen mit Brust oder Kopf gestoppt werden müssen. Geschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer pro Stunde sind möglich - und das aus einer Entfernung des Spielers zur Auswurfmaschine von nur sieben Metern. Das Gerät kann über Smartphones oder Tabletcomputer gesteuert werden, die Intervalle sind an die jeweilige Qualität und des Leistungsstand des Spielers anzupassen.

          Gleich piept und blinkt es: der Ballauswurf

          Das Einsatzspektrum reicht beim BVB von den Jugendteams bis zu den Profis. Nach seiner Sprunggelenksverletzung im vergangenen Herbst fand der Mittelfeldspieler Jakub Blaszczykowski in seiner letzten Reha-Phase im Footbonauten zu seiner Sicherheit am Ball zurück und erarbeitete sich die alte Tempohärte. Die gleiche Hoffnung gilt nun für Götze. „Das schnelle Spiel auf dem Platz steht und fällt mit der Qualität von Ballannahme und Ballweitergabe. Es ist das perfekte Trainingsgerät und fördert auch Handlungsschnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit unter körperlicher Belastung“, sagt der Dortmunder Athletik-Chef Schlumberger.

          Die Maschine kann mit 200 Bällen gefüttert werden. So gezielt und effektiv ließe sich in diesem Einzelbereich auf dem normalen Übungsplatz gar kein Spieler trainieren - allein nur zur Verbesserung seiner Schusstechnik. BVB-Trainer Jürgen Klopp ist von den Möglichkeiten überzeugt.

          „Eine Lösung aus dem Hut zaubern“

          Geht es um die Aufgabenstellung, einen schnellen Flachpass aus der Wurfmaschine direkt weiterzugeben, erreichen die besten Dortmunder Profis vom Zeitpunkt des Zuspiels bis zur Durchquerung des Balles an der Lichtschranke am Zielgitter durchschnittliche Zeiten von unter zwei Sekunden. Die Erfolgsquote liegt dann auch bei Drei-Minuten-Intervallen schon mal bei 100 oder annähernd 100 Prozent. Wie im modernen Fußball auf dem Platz geht es um Geschwindigkeit, Präzision und Effektivität im Passspiel.

          Ein Spieler ist bei der Umsetzung umso besser, desto stärker seine Adaptationsfähigkeit auf die zufällig entstehenden Situationen ausgeprägt ist. Die Ballmaschine schult diese Fähigkeit. Schnell wird der Fußball zur hochwissenschaftlichen Lektion. „Wie schnell ist es möglich, auf eine Problematik eine Lösung aus dem Hut zu zaubern und zu exekutieren?“, sagt Erfinder Güttler.

           Weitere Bundesligaklubs zeigen Interesse

          Aus seiner Erfahrung ergibt sich eine hohe Korrelation zwischen den Leistungen in der Anlage und auf dem Platz. „Es ergibt sich eine hohe Aussagekraft über die Spielstärke des Spielers“, sagt Güttler. Keiner glaubt, dass die Ballmaschine nur schöne Spielerei ist. Sie soll wirklich etwas bringen. Die Dortmunder setzen die Anlage inzwischen auch ein, um die sogenannte Interaktionsgeschwindigkeit bei zwei Spielern zu schulen. Also: Der eine Profi nimmt den Ball an, passt zum anderen, der dann ins Ziel vollendet.

          Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, welche Spieler im Zusammenwirken besser harmonieren und welches Duo sich am schnellsten verbessert. Diese Leistungen können den BVB-Trainern zusätzliche Hinweise bei der Zusammenstellung einzelner Mannschaftsblöcke geben. Der Datensatz kann jederzeit zu Vergleichen zwischen Spielern herangezogen werden. Auch die Entwicklung von Jugendspielern lässt sich so in einem Teilbereich des Spiels aufgrund von Fakten gut nachzeichnen.

          Güttler und seine Firma CGoal in Berlin verhandeln gerade mit weiteren Bundesligaklubs über die Installation weiterer Footbonauten-Geräte. Außerdem sollen Modifikationen vorgenommen werden. Auch für Torhüter ist die Ballmaschine eine interessante Trainingsmöglichkeit. In Dortmund wird schon damit gearbeitet. Vielleicht gibt es also eine Erklärung dafür, weshalb BVB-Keeper Roman Weidenfeller mit bald 33 Jahren immer besser und reaktionsschneller wird.

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