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Vorstellung des Finanzberichts : WM-Affäre schmälert Gewinn des DFB

Zahlenwerk: DFB-Präsident Grindel (rechts) und Schatzmeister Osnabrügge. Bild: dpa

Dem DFB drohen wegen der Affäre um die Vergabe der WM 2006 hohe Nachzahlungen. Bei der Bekanntgabe des Finanzberichts wird deutlich, dass der Verband diese nicht aus seinen Rücklagen bestreiten könnte.

          Der WM-Skandal um das Turnier 2006 hat für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) weiterhin finanziell unabsehbare Folgen. Immer noch droht die Gefahr, dass der Organisation von den Finanzbehörden nachträglich fürs Jahr 2006 wegen verkehrter Angaben zur ominösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Dies könnte zu Nachzahlungen und Strafgebühren an den Fiskus von 20 bis 25 Millionen Euro führen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei der Bekanntgabe des Finanzberichts fürs Jahr 2015 am Donnerstag in Frankfurt wurde zudem deutlich, dass der DFB eine solche Summe nicht aus seinen derzeit bestehenden Gesamtrücklagen von fast 168 Millionen Euro bestreiten könnte, weil diese Mittel vor allem nur Zwecken im ideellen Bereich und nicht dem Geschäftsbetrieb dienen können. Der Verband müsste dann wohl einen Kredit aufnehmen. „Wir warten auf die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft mit ihren deutlich besseren Ermittlungsmöglichkeiten“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.

          Eine Rücklage gebildet hat der DFB bisher noch nicht für dieses Risiko. Es gebe hierfür strenge rechtliche Voraussetzungen, sagte der neue DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge. „Bisher haben wir keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass ein solches Szenario mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit wirklich eintreten könnte. Wir müssen abwarten.“

          Es geht um die Frage, ob die 6,7 Millionen als „Provision“ damals abzugsfähig waren oder nicht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt derzeit gegen verschiedene ehemalige DFB-Funktionäre, darunter Grindels Vorgänger Wolfgang Niersbach, wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. 1,02 Millionen Euro hat der DFB allerdings als Rückstellung eingebucht, weil es danach aussieht, dass beim dubiosen Zahlungsverkehr zur WM in Deutschland eine Verbuchung im Jahr 2005 und nicht 2006 hätte stattfinden müssen. Hier droht in der Verrechnung deshalb nachträglich eine Steuerlast mit Strafgebühren und Zinsen in Höhe von rund einer Million. Die Rechtsberatungskosten im Zuge des WM-Skandals vor allem für den Freshfields-Bericht, an dem zeitweise 40 Anwälte arbeiteten, betrugen für 2015 2,5 Millionen Euro. Hinzu kommen noch für dieses Jahr 2,9 Millionen.

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          Präsident und Schatzmeister sprachen am Donnerstag von der Verpflichtung des DFB zur Transparenz. Nach vielen Jahren ohne Angaben zu den Geschäftszahlen wurde nun ein umfangreicher Finanzbericht veröffentlicht. Grindel kündigte für dieses Jahr ein Compliance-System und eine Ethikkommission beim DFB an.

          Das Geschäftsjahr 2015 wurde mit einem Ertrag von 228,1 Millionen Euro und einem Aufwand von 224,6 Millionen abgeschlossen. Der Gewinn lag damit bei 3,5 Millionen. Der Ertrag ging im Vergleich zu 2014 um mehr als 20 Millionen herunter, weil 2015 kein Turnierjahr war und die Nationalmannschaft als Cash-Cow des Verbandes in diesem Zeitraum weniger Heimspiele in Deutschland absolvierte, die üblicherweise gewinnbringend sind. Die Bilanzsumme beträgt 281 Millionen Euro, das Eigenkapital mit 192,2 Millionen Euro bei einer Quote von 70 Prozent. „Der DFB ist wirtschaftlich gesund“, sagte Osnabrügge. Der frühere Zweitliga-Linienrichter ist im Hauptberuf Teilhaber einer Rechtsanwaltskanzlei aus Bonn. Er wie auch Grindel betonten, dass der Verband keine staatlichen Subventionen erhalte.

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          Jedoch verfügt der DFB durch die Gemeinnützigkeit über Steuervorteile – nach früheren Berechnungen sind das jedes Jahr angeblich um die 15 bis 20 Millionen Euro. Die Rücklagen in Höhe von fast 168 Millionen Euro können fast ausschließlich nur für Maßnahmen im ideellen Bereich verwendet werden. Das hat auch Konsequenzen für den Bau der neuen Akademie in Frankfurt, dem zukünftigen Domizil des DFB. Hier müsste bei der Investition peinlich genau darauf zu achten sein, aus welchen Quellen (ideeller Bereich oder wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb) die Mittel bei der Akademie eingesetzt würden, betonte Grindel. Fertiggestellt sein soll das Akademie-Areal auf der Frankfurter Rennbahn Anfang 2019.

          Die Nationalmannschaft erwirtschaftete 2015 über TV-Vermarktung, Bandenwerbung und Ticketverkauf einen Ertrag von knapp 58 Millionen Euro – bei einem Aufwand von fast 19 Millionen. Die gesamten Sponsoringeinnahmen beim DFB, die sich vor allem auf die Wirkung der Nationalmannschaft beziehen, liegen nochmals bei knapp 105 Millionen Euro. 40 Millionen Euro im Jahr verteilt der DFB an Regional- und Landesverbände, für den Breitensport und auch gesellschaftliche Projekte.

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