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Financial Fairplay : Kreativität oder Konsequenz

  • -Aktualisiert am

Millionäre von der Seine: Ibrahimovic (zweiter von rechts) und die Spieler von Paris St. Germain Bild: REUTERS

Die Uefa ist dabei, das „Financial Fairplay“ einzuführen. In der vergangenen Woche sanktionierte die Uefa bereits 23 Klubs - aber wie ernst ist es ihr wirklich?

          Am ersten Spieltag der Champions League treffen an diesem Dienstag in der Gruppe C der FC Málaga und Zenit St. Petersburg (20.45 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker) aufeinander. Es ist die Begegnung zweier Klubs, die die Europäische Fußball-Union (Uefa) dazu bewogen haben, das Financial Fairplay (FFP) auszurufen. „So kann es nicht weiter gehen“, sagte vor über zwei Jahren Uefa-Präsident Michel Platini zur gängigen Praxis im internationalen Fußball, Erfolge auf Pump zu finanzieren. Oder sich die Defizite durch Mäzene ausgleichen zu lasen. Denn was ist, wenn einer der Gönner das Interesse an seinem Spielzeug verliert? Es geht kaputt!

          Beim FC Malaga scheint der Fall eingetreten zu sein. Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Qatar zahlt nach Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro die Rechnungen gar nicht mehr oder nur schleppend. Deshalb gehört der Klub zu den 23, die die Uefa in der vergangenen Woche sanktioniert hat. Die Finanzkontrollkommission kündigte an, die Spielprämien nicht auszuzahlen, falls die Klubs ihre Außenstände nicht bezahlen.

          Dieses Vorgehen - den Vereinen wurde noch eine Frist gesetzt - wurde allgemein als Warnschuss an Zenit St. Petersburg, Paris St.-Germain und Manchester City angesehen, die Klubs, die immer noch ungehemmt investieren. Noch läuft die Schonfrist, bevor das Disziplinierungsreglement des Financial Fairplay vollständig greift. Die 23 betroffenen Vereine, von Rubin Kasan bis Málaga, müssen sich wegen ausstehender Verbindlichkeiten rechtfertigen, nicht wegen zu großer Verluste.

          Valencia hat mehr Schulden als die gesamte Bundesliga

          Weshalb auch Teams wie der FC Valencia in der Gruppenphase der Champions League beruhigt aufspielen können. Der erste Gegner des FC Bayern hat zwar mehr Schulden als sämtliche Bundesligavereine zusammen, aber immerhin seine Rechnungen bezahlt. Der Fußballdachverband ahndet vorerst noch vorbeugend, erst von der Spielzeit 2014/2015 an wird richtig kontrolliert. Dann soll die sogenannte Break-even-Regel - das Herzstück des Financial Fairplay - für mehr internationale Waffengleichheit sorgen.

          Kein Verein, der fortan an europäischen Wettbewerben teilnehmen will, darf dann mehr Geld ausgeben, als er einnehmen kann. Die Obergrenze für Jahresfehlbeträge liegt vorläufig bei 45 Millionen Euro, ein Ausgleich des Defizits durch Investoren soll nur noch begrenzt möglich sein. So weit die Theorie.

          Russen und Franzosen rückten in neue Sphären vor

          In der Praxis hinkt die Uefa ihren Ambitionen hinterher. Zwar hatte Generalsekretär Gianni Infantino zum Abschluss der Transferperiode stolz erklären können, dass es europaweit einen sichtbaren Rückgang bei der Marktaktivität gegeben hat. Aber während sich der Schnitt in Spanien, Deutschland und Italien verbesserte, rückten Russen und Franzosen in neue Sphären vor. Zenit St. Petersburg gönnte sich im Sommerschlussverkauf mit dem 50-Millionen-Euro-Brasilianer Hulk den teuersten Spieler des Jahres und gab insgesamt mehr für Neuzugänge aus als die komplette Bundesliga.

          Europaweit geklagt wurde auch über den „internationalen Verlustrekord“, den Paris Saint-Germain im Sommer aufgestellt hat. Mit einem Defizit von 100 Millionen Euro in der vergangenen und voraussichtlich 70 Millionen Euro am Ende dieser Saison sind schon jetzt die künftigen Höchstgrenzen des FFP weit überschritten worden. Wie geht das? „Wir kennen die Regeln“, versicherte Präsident Nasser Al-Khelaifi gelassen und ließ wissen, mit Uefa-Präsident Michel Platini „schon persönlich über die Angelegenheit gesprochen“ zu haben. „Er hat gesagt, wir müssen kreativ sein. Wir haben bereits Ideen. Wir werden keine Probleme bekommen und unsere Einnahmen steigern“, betonte der Scheich und signalisierte Kreativität statt finanzieller Rigidität.

          Teurer Dribbler: Hulk war St. Petersburg angeblich fünfzig Millionen Euro wert Bilderstrecke

          Sparen ist für Einfallslose. Dass es aber mit Trikotverkäufen und Ticketingerlösen allein nicht getan sein wird, weiß auch er. Da trifft es sich, dass Platini schon einen Lösungsvorschlag für die Pariser hat. Der Franzose regte den Bau eines neuen Stadions an. Weil es - trotz FFP - weiter möglich ist, infrastrukturelle Projekte von Investoren finanzieren zu lassen, ist dies ein probates Mittel, nahezu „verlustfrei“ eine neue Einnahmequelle zu erschließen.

          Der FC Arsenal und die arabische Fluggesellschaft Emirates machten es in England bereits vor. Beteiligungsmodelle an Spielertransfers sind nur eine weitere Möglichkeit, das System auszuhebeln. Wird ein Spieler nur noch zu einem Bruchteil vom Verein bezahlt und der Rest von einem begleitenden Konsortium finanziert, das außerhalb des Vereins liegt, ist der Deal dem Zugriffsbereich der Uefa entzogen. Der HSV tat im Prinzip nichts anderes, als er sich Rafael van der Vaart von einem Gönner finanzieren ließ. In Spanien „mietete“ sich unlängst Real Saragossa einen Torhüter über eine Investmentgesellschaft.

          Rummenigges Erwartung muss nicht eintreten

          Beliebter werden wird auch die Zuwendungstarnung. Manchester City zeigte schon, wie es funktioniert. Der Premier-League-Klub empfing vergangenes Jahr von der Fluggesellschaft Etihad 400 Millionen Pfund für den Stadionnamen und den Schriftzug auf der Trikotbrust. Gegen den Verdacht des Scheinsponsorings ermittelte die Uefa ergebnislos. Denn die angemessene Höhe für einen Sponsorenbeitrag vermag nicht einmal die Europäische Fußball-Union festzulegen. Es scheint, als dürfte sich gerade das Hauptziel des FFP, fremdkapitalgelenkte Transferaktivitäten zu stoppen, nicht realisieren lassen, solange die willigen Sünder unter den Vereinen nicht nur solvente Investoren, sondern auch Einfallsreichtum besitzen.

          Die von Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge geäußerte Erwartung, durch das FFP erhöhe sich die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Klubs, muss jedenfalls nicht eintreten. Sportdirektor Michael Zorc von Borussia Dortmund sagte gerade in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wir werden auf Dauer nur konkurrenzfähig sein, wenn die Uefa das Financial Fairplay konsequent umsetzt.“

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