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Financial Fairplay : Fouls in der Bilanz

43 Millionen für Maradonas Schwiegersohn: Agüero trifft nun für Manchester City, Scheich Mansour bin Zayed Al-Nahyan machts möglich Bild: AFP

Die Uefa will neureichen Klubs wie Manchester City das Schuldenmachen erschweren. Doch die neuen Regeln könnten unterlaufen werden. Der Bundesliga schwant Böses.

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          Die Bayern stehen wieder da, wo sie nach eigenem Selbstverständnis hingehören. Ganz oben, unangefochten an der Spitze der Fußball-Bundesliga. Mit dem mühelosen 2:0-Erfolg auf Schalke vom Sonntagabend hat der FC Bayern München einmal mehr der nationalen Konkurrenz seine sportliche Überlegenheit demonstriert. Wirtschaftlich hat er sie schon vor Jahren abgehängt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Spitzenplätze in der nationalen Liga haben die Münchner im Abonnement. Viel größer ist daher ihre Sehnsucht nach einem Triumph in der Champions League, die sie das letzte Mal vor zehn Jahren gewonnen haben. Noch dazu wird das Finale in dieser Saison in München ausgetragen. In der höchsten europäischen Spielklasse trifft der FC Bayern allerdings auf Vereine, die ihm dank millionenschwerer Sponsorenzuwendungen wirtschaftlich überlegen sind. Kommende Woche ist mit Manchester City ein Gegner zu Gast in der Allianz-Arena, dem Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am liebsten den Zutritt zu den europäischen Klubwettbewerben verwehren würde. „Einem Verein mit dem bisherigen Finanzgebaren zum Beispiel von Manchester City“, schimpfte Rummenigge schon vor Monaten gegenüber dieser Zeitung, „wird es schwerfallen, in Zukunft die Lizenz für Champions League oder Europa League zu bekommen.“

          Manchester City gehört zu den größten Schuldenmachern auf der europäischen Fußballbühne. Kein anderer Klub hat die Spielergehälter zuletzt dermaßen nach oben geschraubt wie der Zweite der britischen Premier League. Vor der Saison wurden mehr als 80 Millionen Euro in neue Spieler investiert, allein 43 Millionen Euro zahlte Manchester City als Ablöse für den argentinischen Nationalstürmer Sergio Agüero, den Schwiegersohn von Diego Maradona, an Atletico Madrid. Möglich macht so etwas Scheich Mansour bin Zayed Al-Nahyan, der vor drei Jahren den Klub gekauft hat und seitdem die Schulden ausgleicht.

          Staatsmann und Fußballinvestor: Al-Nahyan (m.) mit dem ägyptischen Premierminister Sharaf (r.) im Juli

          Damit soll nun Schluss sein. „Financial Fairplay“, das größte Reformprojekt der Europäischen Fußball-Union (Uefa), setzt den Vereinen seit dieser Saison erstmals Schuldengrenzen: In den nächsten drei Jahren dürfen sie nicht mehr als 45 Millionen Euro Verlust machen; in den drei Jahren bis 2017 sind nur noch Fehlbeträge von bis zu 30 Millionen Euro erlaubt. Uefa-Chef Michel Platini droht den Klubs bei Verfehlungen mit dem Ausschluss von den internationalen Wettbewerben.

          Den Bundesligaklubs schwant Böses

          Das Regelwerk der Uefa wird von vielen Seiten begrüßt, nicht zuletzt von den Bundesligavereinen, die vergleichsweise solide wirtschaften. „Wir erhoffen uns für die internationalen Wettbewerbe wenigstens ein Stück weit Waffengleichheit“, erklärte am Wochenende Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Doch den Bundesligaklubs schwant Böses. Fußball-Vereine in anderen europäischen Ländern könnten Seifert zufolge versuchen, die Uefa-Bestimmungen zum Financial Fairplay zu unterlaufen.

          Gerade im Fall von Manchester City ist die Skepsis groß: Der von der Herrscherfamilie aus Abu Dhabi kontrollierte Verein hat in der vergangenen Saison einen Umsatz von 145 Millionen Euro erzielt – und Verluste in fast gleich Höhe: Vor Steuern waren es umgerechnet 141 Millionen Euro. Die Uefa-Grenze von 45 Millionen Euro für die Jahre 2011 bis 2014 wäre damit schon in einer einzigen Spielzeit verfehlt worden. Eklatant sind auch die Verwerfungen, werden die Erlöse zu den Spielergehältern ins Verhältnis gesetzt: Die Fachleute von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte haben für die Premier-League-Klubs in der Saison 2009/2010 eine durchschnittliche Quote von 68 Prozent ermittelt. Es war im negativen Sinn ein neuer Spitzenwert im englischen Fußball, der von Manchester City mit 106 Prozent auch noch deutlich übertroffen wurde.

          Etihad Airways überweist 400 Millionen Euro

          Inzwischen hat die Uefa eine Untersuchung eingeleitet. Die Verbandsfunktionäre sehen bei Manchester City die Gefahr des „Scheinsponsorings“. Ein Sponsorenvertrag darf im Sinne des Financial Fairplay nur zu marktüblichen Preisen abgeschlossen werden. Die Uefa spricht von einem „fairen Wert“. Das ist zweifelsohne ein dehnbarer Begriff, und selbst im Fall von Manchester City könnte ein Regelverstoß mitunter nur schwer nachzuweisen sein. Hauptsponsor ist die Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi, die von Scheich Ahmed bin Saif Al-Nayhan geführt wird, dem Halbbruder des Vereinseigentümers.

          Nicht so sehr die Familienbande löste den Verdacht aus als vielmehr die schiere Summe. Etihad zahlt Manchester City 400 Millionen Pfund für die Namensrechte am Stadion und den Schriftzug auf dem Mannschaftstrikot. Zum Vergleich: Der FC Bayern nimmt aus den Namensrechten an der Allianz-Arena und dem Trikotsponsoring der Deutschen Telekom knapp 30 Millionen Euro je Saison ein.

          Weil die Uefa wiederum Investitionen in die Infrastruktur, also etwa ein neues Stadion, und in gemeinnützige Projekte wie die Jugendförderung ausdrücklich unterstützt, könnten findige Klubeigentümer die neuen Regeln leicht umdribbeln. Bei Real Madrid war es nicht zuletzt ein umstrittenes Immobiliengeschäft mit der Stadt, das dem zur Jahrtausendwende klammen Klub einen sagenhaften Gewinn beschert hat.

          Damals wurden Trainingsplätze von Spaniens Fußballrekordmeister kurzerhand in Bauland umgewidmet. Real verbuchte einen außerordentlichen Gewinn von 500 Millionen Euro, leistete sich die Top-Spieler Zidane, Figo, Beckham und Ronaldo und erwarb sich den Kosenamen „Galácticos“. Der Triumph in der Champions League im Jahr 2002 war danach fast Formsache. Heute hat Real schon wieder Schulden von 650 Millionen Euro.

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