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Finale gegen Portugal : „Das Märchen geht weiter“ - jetzt will Griechenland den Titel

  • Aktualisiert am

Es macht Spaß, Grieche zu sein Bild: dpa/dpaweb

Der große Außenseiter ist nicht aufzuhalten: Griechenland erzwingt in der Schlußminute der Verlängerung per „Silver Goal“ den Siegtreffer gegen Tschechien - und trifft jetzt im Finale der EM auf Portugal. Mit Bildergalerie.

          2 Min.

          Der „hellenische Wahnsinn“ bei der -EM geht weiter. Mit dem 1:0-Sieg im Halbfinale gegen Tschechien haben Otto Rehhagel und seine griechischen Fußball-„Götter“ einen weiteren markanten Meilenstein gesetzt und stehen im Finale gegen Gastgeber Portugal dicht vor dem Titelgewinn.

          Sechs Wochen vor den Olympischen Spielen in Athen stürzte das „Silver Goal“ von Traianos Dellas (105.) ganz Griechenland abermals in einen kollektiven Freudentaumel. Mit ihrem unbeschreiblichen Parforceritt durch die portugiesischen Stadien schürten die Griechen auch die Vorfreude auf das olympische Spektakel, dem sie momentan noch die Show stehlen.

          „Die Götter spielen verrückt“

          In der Vollmondnacht von Porto tanzten Tausende von griechischen Fans ebenso ausgelassen auf den Straßen wie in ganz Griechenland, wo die Nacht zum Tage gemacht wurde und Böllerschüsse und bengalische Feuer Athen „brennen“ ließen. Griechenlands Gazetten überschlugen sich in ihren kaum noch zu steigernden Schlagzeilen. „Niemand kann den Otto-Express stoppen“ („Adesmeftos“), „Weckt uns nicht!“ („Espresso“), „Die Götter spielen verrückt“ („Ethnos“) oder „Wir verbeugen uns vor Euch. Wir holen den Pokal und treiben alle zum Wahnsinn“ („Goal“).

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          Finale gegen Portugal : „Das Märchen geht weiter“ - jetzt will Griechenland den Titel

          „In unseren Herzen haben Sie bereits die Europameisterschaft gewonnen“, gratulierte Ministerpräsident Kostas Karamanlis, der am Sonntag zum Finale nach Lissabon einfliegen will, Rehhagel und seinen vergötterten Helden in einem Glückwunsch- Telegramm zu ihrer neuen herkulischen Meisterleistung.

          Auch Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer sparte in seiner Bewunderung des griechischen Wunders nicht mit Lob für seinen ehemaligen Cheftrainer beim FC Bayern München. „Die Griechen sind die Sensation des Turniers. Auch wenn ihr Stil nicht unbedingt attraktiv ist, so haben sie es dennoch verdient, im Finale zu stehen. Die Tschechen haben zwar die größeren Könner, aber die Griechen haben das gespielt, was sie können. Wenn sie es im Finale genau so machen, haben sie sogar eine Titelchance“, meinte Beckenbauer anerkennend.

          „Im Fußball gewinnt nicht immer der Beste“

          Der Vater des griechischen Heldenepos' ließ sich seine überschäumende Freude durch Kritik an der antiquierten, destruktiven Spielweise nicht nehmen. Rehhagel reckte triumphierend den Daumen in den Nachthimmel und meinte kurz und bündig: „Das Märchen geht weiter. Modern ist, wer gewinnt, und im Fußball gewinnt nicht immer der Beste.“ Nach dem Schlußpfiff des italienischen Schiedsrichters Pierluigi Collina, der sein letztes Spiel bei einem großen Turnier leitete, war der 65jährige nicht mehr zu halten, tanzte wie ein Irrwisch auf dem Rasen und küßte jeden seiner siegreichen Spieler ab.

          Diese waren ebenso fassungslos vor Freude. „Ich kann es nicht glauben, wir sind im Finale. Das ist der größte Moment in der Geschichte des griechischen Fußballs“, stammelte der Bremer Stürmer Angelos Charisteas, und sein Mitspieler Stelios Giannakopoulos sagte mit strahlendem Lächeln: „Das ist ein brillanter Tag. Wir leben einen Traum, aus dem wir nicht mehr aufwachen wollen.“

          Sie werden es wohl müssen, denn schon am Sonntag (20.45 Uhr) folgt im Lissaboner „Estadio da Luz“ das Finale. An gleicher Stätte holte Rehhagel am 6. Mai 1992 mit Werder Bremen den Europacup der Pokalsieger. „Wir haben ein bißchen gefeiert und uns ein Glas Wein gegönnt, aber ab sofort beginnt die Vorbereitung auf das Endspiel“, sagte „König“ Otto, dem nur noch maximal 120 Minuten und eventuell ein Elfmeterschießen zur endgültigen Krönung seiner meisterlichen Karriere fehlen. „Jeder meiner Titel war jeweils ein Höhepunkt. Mit Griechenland Europameister zu werden, das wäre aber eine ganz besonders große Sache“, gab Rehhagel zu.

          „Portugal ist stärker geworden. Wir aber auch“

          Die Griechen wollen das letzte Kapitel ihres denkwürdigen Märchens in einem Finale mit zwei Premieren schreiben: Mit Portugal oder Griechenland wird sich in jedem Fall eine neue Nation auf die Titelliste setzen, und erstmals ist das Endspiel identisch mit dem Eröffnungsspiel. Hellas träumt von der Wiederholung des 2:1 gegen den EM-Gastgeber. „Portugal ist zwar totaler Favorit, aber im Fußball ist nichts unmöglich“, meinte Rehhagel. Sein „Koloß von Rhodos“, der Siegtorschütze Dellas, taxiert die Chancen auf „50:50“, denn „Portugal hat sich von dem Schock erholt und ist im Laufe des Turniers stärker geworden. Wir aber auch“.

          Griechenland - Tschechien 1:0 (0:0) n.V.
          Griechenland: Nikopolidis - Dellas - Seitaridis, Kapsis, Fyssas - Katsouranis, Basinas (72. Giannakopoulos), Zagorakis, Karagounis - Charisteas, Vryzas (91. Tsiartas)
          Tschechien: Cech - Grygera, Ujfalusi, Bolf, Jankulovski - Poborsky, Galasek, Rosicky, Nedved (40. Smicer) - Koller, Baros
          Schiedsrichter: Pierluigi Collina (Italien)
          Tor: 1:0 Dellas (105.)
          Zuschauer: 45.000
          Gelbe Karten: Karagounis (2), Charisteas, Seitaridis - Galasek, Smicer, Baros

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