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Fifa : Zwanzigers Beförderung

  • -Aktualisiert am

Man versteht sich: Blatter (r.) und Zwanziger in Frankfurt Bild: dpa

Die aktuelle Fassung der DFB-Satzung sei „weitgehend aus meiner Hand“, sagt Theo Zwanziger. Für Fifa-Präsident Blatter eine Empfehlung, den Vormann des DFB zum ersten Reform-Helfer im von Korruptionsvorwürfen nachhaltig erschütterten Weltverband zu machen.

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          Hohes Lob für den Gastgeber Deutschland, Aufstockung der Prämien von 7,6 auf 10 Millionen Dollar, nordkoreanischer Doping-Skandal - die Palette der Themen, über die Joseph Blatter zum Abschluss der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in bunter Folge sprach, war breit. Als dann auch noch die letzte Frage beantwortet war, gab der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) am Samstagmittag in einem Frankfurter Hotel von sich aus eine Zugabe, indem er den Blick nach vorn richtete und die Themen streifte, die das Ansehen seiner Organisation zuletzt nachhaltig beschädigt hatten.

          Er kündigte eine Entscheidung der Fifa-Ethikkommission für das kommende Wochenende an, wenn die Fußball-Sittenrichter über Mohamed bin Hammams Verhalten rund um die Wahlen zum Fifa-Präsidenten am 1. Juni in Zürich urteilen werden. Ein Votum, das Blatters ursprünglichen Gegenkandidaten nach all den Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit dessen Wahlkampagne endgültig zu Fall bringen und so die sportpolitische Karriere des qatarischen Fifa-Vizepräsidenten beenden könnte. Danach, so Blatter, würden „die anderen Fälle aufgearbeitet“, also vor allem die umstrittene und ebenfalls unter Korruptionsverdacht stehende Vergabe der Fußball-WM 2022 an den winzigen Wüstenstaat Qatar.

          Hierfür werde er die von ihm beim jüngsten Züricher Fifa-Kongress angekündigte Lösungskommission einsetzen. Und schließlich, so der 75 Jahre alte Schweizer, werde ihm auch noch eine „Arbeitsgruppe“ zur Seite stehen, „die sich mit den Fifa-Statuten beschäftigt“. In ihr soll der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu Blatters erstem Helfer aufsteigen. „Ich werde gern auf die Kompetenzen von Theo Zwanziger zurückgreifen“, hob Blatter in Frankfurt hervor.

          „Zwei sehr gute Gespräche“

          Der 66 Jahre alte Jurist aus Altendiez schien sich geschmeichelt zu fühlen, verwies er doch auf „zwei sehr gute Gespräche“ mit dem Fifa-Chef zu Beginn und zum Ende der Frauen-WM und auch darauf, dass die aktuelle Fassung der DFB-Satzung „weitgehend aus meiner Hand“ sei. Blatter wiederum schien froh, den kritischen Neuankömmling in der Fifa-Exekutive mit seiner persönlichen Beförderung eingebunden zu haben in einen Neuanfang, der aus dem obersten Repräsentanten des Ancien Régime während seiner letzten Amtsperiode (bis 2015) einen Vorkämpfer für Reformen machen soll. In einer Feigenblattrolle jedenfalls sieht sich Zwanziger ganz und gar nicht. „Das kann man mit mir nicht machen“, sagte er am Samstag.

          Mit Blatter sei er sich aber „in der Zielsetzung absolut einig“, die Dinge aufzuklären, die der Aufklärung bedürften. Eine WM-Vergabe müsse auf jeden Fall „makelfrei sein, und es muss auch klar sein, dass diejenigen, die dazu befugt waren, ihre Entscheidung unbeeinflusst getroffen haben“. Um besser beurteilen zu können, was im Dezember 2010 bei Qatars WM-Wahl gelaufen sei, brauche man „zuerst einmal die gesamten Unterlagen“. Ob er und alle, die sich für Reformen in der Fifa starkmachen, am Ende „die Wahrheit herausbekommen“, wisse er nicht.

          Theo Zwanziger ist inzwischen aber davon überzeugt, „dass Blatter reinen Tisch machen will“ in der Fifa. Der Mann sei besser als sein Ruf und habe „viel Gutes für den Fußball getan“. Entwicklungshilfe, Finanzen, darin reüssierte der in seinen dreizehn Jahren an der Fifa-Spitze meist autokratische Präsident. Nun aber will Blatter mit Zwanzigers Hilfe mehr Demokratie im Weltfußballverband wagen - ob diese Hoffnung Realität wird oder doch nur ein frommer Wunsch bleibt, ist die spannende Frage.

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