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Fifa-Korruptionsskandal : Ermittlungen gegen Beckenbauer

  • Aktualisiert am

Schulterschluss mit Folgen? Franz Beckenbauer (l., mit Fifa-Präsident Blatter) steht im Fokus von Ermittlungen Bild: dpa

Die Fifa-Ethikkommission weitet nach FAZ.NET-Informationen ihre Ermittlungen im Skandal um die WM-Vergaben an Russland und Qatar aus. Neben Franz Beckenbauer stehen drei Fifa-Exekutivmitglieder im Fokus.

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          Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes Fifa hat verschiedenen Medienberichten zufolge, die sich mit Informationen von FAZ.NET decken, ihre Ermittlungen gegen hochrangige Funktionäre, darunter Franz Beckenbauer, ausgeweitet. So soll das Gremium wegen der Korruptionsvorwürfe bei der WM-Vergabe an Russland und Qatar nun auch gegen Spaniens Verbandspräsidenten Ángel María Villar Llona und den belgischen Fifa-Chefmediziner Michel D’Hooghe vorgehen. Auch gegen den Thailänder Worawi Makudi wird ermittelt. Alle drei sind Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees. Beckenbauer war von Januar 2007 bis Juni 2011 in diesem Gremium.

          „Wir können das weder bestätigen noch dementieren. Das ist Sache der unabhängigen Ethikkommission“, sagte eine Fifa-Sprecherin am Donnerstag. In der vergangenen Woche hatten die beiden Ethikhüter Michael Garcia und Hans-Joachim Eckert bestätigt, dass die Untersuchungskammer „eine Reihe formeller Verfahren gegen Einzelpersonen eröffnet“ habe - ohne Nennung von Namen.

          Beckenbauer war schon im Sommer in den Fokus des Fifa-Skandals geraten und sorgte einst mit der Aussage für Wirbel, er habe „noch nicht einen einzigen Sklaven in Qatar gesehen, weder in Ketten gefesselt oder auch mit irgendwelcher Büßerkappe am Kopf“. Durch seine anfängliche Weigerung, die Garcia-Fragen zu beantworten, wurde er mit einer provisorischen 90-Tage-Sperre belegt.

          Spaniens Verbandspräsidenten Ángel María Villar Llona verweigerte die Zusammenarbeit
          Spaniens Verbandspräsidenten Ángel María Villar Llona verweigerte die Zusammenarbeit : Bild: Picture-Alliance

          Im Eckert-Bericht wird der „Kaiser“ namentlich nicht erwähnt, aber unter Punkt 5.2. heißt es: „Letztlich kooperierte ein Funktionär mit der Untersuchungskammer nur, nachdem Ermittlungen zu ethischen Verfehlungen für die Kooperationsverweigerung eingeleitet wurden.“ Beckenbauer hat Reisen nach Katar nie bestritten, sämtliche Vorwürfe von Korruption aber immer heftig zurückgewiesen.

          Llona soll geweigert haben, bei der Untersuchung zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 (Russland) und 2022 (Qatar) mit dem amerikanischen Chefermittler Garcia zu kooperieren. Der 64 Jahre alte Spanier soll sich geweigert haben, Fragen zu Vorgängen vor und nach der entscheidenden Abstimmung am 2. Dezember 2010 in Zürich zu beantworten - womit er gegen den Fifa-Ethikkodex verstoßen hätte. „Wir wissen hier nichts davon. Es wird von unserer Seite sicher keine Erklärung dazu geben. So etwas müsste zunächst die Fifa bekanntgeben“, sagte ein Sprecher des spanischen Verbandes RFEF.

          Der Sohn von Fifa-Mediziner Michel D’Hooghe bekam einen Job in Qatar
          Der Sohn von Fifa-Mediziner Michel D’Hooghe bekam einen Job in Qatar : Bild: Picture-Alliance

          D’Hooghe soll im Fokus stehen, weil sein Sohn nach der WM-Vergabe eine Stelle als Arzt in Qatar erhielt. Der 68-Jährige wies in der „Welt“ einen Zusammenhang mit seinem Stimmverhalten schon im Sommer zurück. Er habe jetzt bei der Ethikkommission „ein paar Dinge zu bereits bekannten Fällen klarstellen“ müssen, sagte er der Zeitung.

          Der ehemalige Generalsekretär des indischen Verbandes, Alberto Colaco, ist derweil von der Fifa für drei Jahre gesperrt worden. Das teilte der Weltverband am Donnerstag nach einer Entscheidung der rechtsprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission unter dem Vorsitz des deutschen Richters Eckert mit. „Im Zusammenhang mit den Wahlen für das Fifa-Exekutivkomitee beim AFC-Kongress im Mai 2009, die Mohamed bin Hammam knapp gewann, hatte Alberto Colaco, als er Generalsekretär und stimmberechtigter Delegierter des indischen Fußballverbands war, eine Zahlung angenommen“, hieß es in der Mitteilung der Fifa.

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