https://www.faz.net/-gtl-8et28

Fußball-Weltverband : Fifa will Schadenersatz von Funktionären

„Wir wollen das Geld zurück, egal wie lange dies dauern wird“: Fifa-Präsident Gianni Infantino. Bild: AP

Der Fußball-Weltverband stellt bei der amerikanischen Justiz einen Antrag. Es geht um „zig Millionen“. Betroffen sind bekannte Namen. Und es könnte erst der Beginn sein für weitere Schritte der Fifa.

          Der von Korruption unterwanderte und von Skandalen erschütterte Fußball-Weltverband (Fifa) ist mit seinen Anwälten in die juristische Offensive gegangen. Die Organisation will mit Hilfe der amerikanischen Behörden von 41 angeklagten Funktionären und Managern, denen die Staatsanwaltschaft in den Vereinigten Staaten Geldwäsche, Betrug und Bandenkriminalität vorwirft, Schadenersatz für alle materiellen und immateriellen Verluste verlangen, die nach ihren Berechnungen der Fifa durch deren „unrechtmäßige Taten“ entstanden sind. Insgesamt gehe es um „zig Millionen“.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Betroffen sind ehemalige führende Mitglieder der Fifa-Exekutive wie Chuck Blazer, Jack Warner oder Jeffrey Webb. Die Beschuldigten hätten das Vertrauen der Fifa, seiner Mitgliedsverbände und des gesamten Fußballs missbraucht und ihnen schwere Schäden zugefügt, sagte der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino. „Das Geld, das sie eingesteckt haben, gehört dem ganzen Fußball. Es war für die Entwicklung und Förderung des Spiels vorgesehen. Wir wollen das Geld zurück, egal wie lange dies dauern wird.“

          In einem 22 Seiten umfassenden Antrag an die amerikanischen Justizbehörden, der FAZ.NET vorliegt, versuchen die Fifa-Anwälte zugleich, den aktuellen Opfer-Status des Weltverbandes in dem Korruptionsverfahren zu untermauern. Der Versuch, durch den Schadensersatz-Anspruch eine Trennungslinie zu ziehen zwischen der angeblich rein philanthropischen Organisation Fifa und den Heerscharen ihrer Spitzenfunktionäre vornehmlich aus Süd- und Mittelamerika, die sie wie eine Krankheit befallen haben, wird darin überdeutlich.

          Die Frage, ob der Schaden durch die Fifa selbst oder durch eine fremde, nicht ausreichend zu kontrollierende Macht aus den Kontinentalverbänden verursacht wurde, spitzt sich nun zu. Sollten die amerikanischen Behörden dem Antrag auf Entschädigung stattgeben, dürfte der Fortbestand der Fifa unter dem neuen Präsidenten Gianni Infantino gesichert sein. „Wenn die Fifa das Geld zurückbekommt, werden wir es direkt der ursprünglichen Bestimmung zufließen lassen – zu Gunsten der Entwicklung des internationalen Fußballs“, sagte der Fifa-Präsident.

          Mindestens 190 Millionen Dollar Schmiergelder

          Die amerikanische Justiz geht bisher davon aus, dass in den unterschiedlichen Fällen mindestens 190 Millionen Dollar an Schmiergeldern geflossen sein sollen. Rund 100 Millionen Dollar aus diesen mutmaßlichen Straftaten sind in den Vereinigten Staaten von den Behörden schon eingefroren worden. Auf diese Mittel will auch die Fifa jetzt ihren Zugriff reklamieren, wenn es zu Verurteilungen kommt.

          In ihrem „Antrag auf Entschädigung“ berufen sich die Anwälte der New Yorker Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan auf ein Gesetz von 1996, das die Rechte und Verfahren für Opfer von Straftaten regelt: „Jedes festgestellte Opfer, eine Organisation eingeschlossen, hat den Anspruch auf Entschädigung als Teil der Strafe, die gegen einen Angeklagten verhängt wird, für Verluste, die als Ergebnis des Fehlverhaltens des Angeklagten erlitten wurden.“

          Aus Kreisen der Fifa-Anwälte ist zu erfahren, dass dieser Vorstoß wohl erst der Beginn sein soll für weitere juristische Schritte gegen Beschuldigte. Nebenher sei zusätzlich in verschiedenen Ländern ein zivilrechtliches Vorgehen möglich. Hier könnte es theoretisch in der Schweiz sogar zu Regressforderungen gegen den ehemaligen Präsidenten Joseph Blatter oder den gesperrten europäischen Fußballchef Michel Platini kommen.

          Weitere Themen

          Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Supreme Court den Fall an sich ziehen.

          Topmeldungen

          Torwartwechsel: Manuel Neuer (l.) verteidigt seine Position gegenüber Marc-Andre ter Stegen

          Ter Stegen gegen Neuer : Zeit für einen Torwartwechsel?

          Keine Position im Fußball wird so gerne diskutiert wie die zwischen den Pfosten. Nur wenige Torhüter haben den Nummer-1-Status in der Nationalmannschaft konservieren können – und es ins kollektive Gedächtnis geschafft.
          Michael Jürgs starb im Juli mit 74 Jahren

          Michael Jürgs’ letztes Buch : Wer tot ist, muss sehen, wo er bleibt

          Eine Seele wirft keinen Schatten: Der Journalist Michael Jürgs hat zwei Wochen vor seinem Ableben sein letztes Buch beendet. In „Post mortem“ surft er durchs Jenseits und trifft dort höchst lebendige Tote.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.