https://www.faz.net/-gtl-8et28

Fußball-Weltverband : Fifa will Schadenersatz von Funktionären

Im Fall des ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) drängt der Weltverband darauf, dass dessen gesamter Besitz zum Nutzen der Opfer geschützt werden müsse. Aber Webb, der bereits 6,7 Millionen Dollar an die Justiz vorausbezahlt hat und sein Urteil für Juni erwartet, ist nur Teil eines großen Ganzen. Er ist zwar einer der Schlimmsten – als Präsident des Karibischen Verbandes soll er Hilfsgelder für die ärmsten Länder in die eigene Tasche gesteckt haben. Sein Vorgänger und offenbar Vorbild im Amt, Jack Warner, bediente sich sogar skrupellos an der Erdbeben-Hilfe für Haiti.

Diebstahl von 10 Millionen Dollar wird genannt

Eine genaue Schadenssumme wird in dem Antrag nicht genannt. Lediglich Bezahlung, Boni, Spesen und andere Wohltaten für die Angeklagten wurden vorbehaltlich neuer Informationen beziffert: In ihren Amtszeiten seit 2008 hätten sie insgesamt 28.224.678 Dollar erhalten. Dafür, so heißt es, hätten sie der Fifa aber „nicht den vollen Wert ihrer ehrlichen Dienste“ gegeben. Der immaterielle Schaden, der durch die Gier der Angeklagten entstanden sei, könne nicht überschätzt werden, schreiben die Anwälte.

Dazu kämen die Summen, die als Bestechungsgelder und Kickbacks für Fernsehrechte umgeleitet worden seien und deren Höhe nur durch den Wert der Marke Fifa ermöglicht worden sei, und, auch das wird nicht näher beziffert, die bedeutenden Rechts- und Anwaltskosten. Als einzige Einzelposition wird der Diebstahl von 10 Millionen Dollar durch die Angeklagten Jack Warner, Chuck Blazer (beide geständig) und ihre Komplizen benannt.

Es sei, erklären die Anwälte, „jetzt offensichtlich, dass mehrere Mitglieder des Exekutivkomitees der Fifa ihre Positionen missbraucht und ihre Stimmen bei mehreren Gelegenheiten verkauft haben“. Als Beispiel wird die Vergabe der Fußball-WM 2010 an Südafrika genannt. „Schließlich“, schildern sie in dem Antrag, „aufgrund der starken unerlaubten Bande zum südafrikanischen Bewerbungskomitee, boten die Südafrikaner ein attraktiveres Bestechungsgeld von 10 Millionen Dollar an für die Stimmen von Warner, Blazer und eines dritten Exekutivkomitee-Mitglieds.

Warner und seine Komplizen logen gegenüber der Fifa über die Natur der Zahlung, indem sie sie als Unterstützung zum Wohl der ,Afrikanischen Diaspora' in der Karibik-Region ausgaben, während es in Wahrheit Bestechungsgeld war.“ Warner war damals Präsident der Konföderation von Nord- und Mittelamerika und der Karibik, Blazer sein Generalsekretär. Über zwei Dinge schwiegen die Anwälte allerdings. Der damals amtierende Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke leitete nach Erkenntnissen der Ermittler die zehn Millionen persönlich an ein von Warner kontrolliertes Konto weiter.

Was geschah bei der WM-2006-Vergabe?

Valcke, mittlerweile wegen anderer Vergehen entlassen, blinde Naivität zu unterstellen, dürfte aber ein grober Fehler sein, wie er der amerikanischen Justiz eigentlich nicht unterläuft. Und die anderen „Gelegenheiten“, bei denen Fifa-Exekutivmitglieder ihre Stimmen verkauften, lassen die Anwälte im Dunkeln. Was aber geschah bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland? Und was beim Zuschlag für die noch nicht vergebenen Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 an Qatar? Sollte sich die Fifa auch in diesen Fällen als Opfer sehen, sollte sie die entsprechenden Umstände ja wohl so rasch wie möglich ans Licht bringen und weitere Entschädigung einfordern.

Unbenanntes Dokument

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.