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Fifa-Wahlkampf : Zwei Alphatiere in der heilen Welt der Uefa

  • -Aktualisiert am

Zähne zeigen: Michel Platini hat nach seiner Wiederwahl gut lachen Bild: dapd

Sepp Blatter, Fifa-Präsident, und Mohamed Bin Hammam, Herausforderer, nutzen den Uefa-Kongress zum Wahlkampf. Zu sagen haben sie sich nichts. Die demonstrative Wiederwahl Michel Platinis zum Uefa-Präsidenten wird fast zur Nebensache.

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          Auch die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat ihre Baustellen. Die größten liegen in der Ukraine, wo die Stadien für die Europameisterschaft 2012 in Kiew und Lemberg (Lwiw) frühestens im Oktober und nicht wie geplant im Juni fertig gestellt werden.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Aber im Gegensatz zum Weltverband (Fifa) haben die Schwierigkeiten mit der Ausrichtung eines Fußball-Großereignisses nicht zu einem großen Ansehensverlust in der Öffentlichkeit geführt. Das liegt vor allem am ersten Mann der Organisation. Dass Michel Platini am Dienstag in Paris als Uefa-Präsident bestätigt wurde, stand außerhalb jeder Diskussion. Es gab keinen Gegenkandidaten.

          Seit vier Jahren leistet das französische Fußball-Idol erfolgreich Überzeugungsarbeit mit seiner ganz persönlichen Mischung aus Engagement und Charme. Der Wahlvorgang wurde zu einer einzigen Demonstration dafür, welch großes Ansehen und Vertrauen Platini genießt. Die Delegierten der 53 Mitgliedsländer hielten sich gar nicht erst damit auf, ihre grünen Karten hervorzukramen. Sie erhoben sich von ihren Plätzen und spendeten ihrem alten und neuen Präsidenten stehend Ovationen – damit hatte sich dieser spezielle Fall von einstimmiger Wahl.

          Abschied aus der ersten Reihe: Franz Beckenbauer  zieht sich von allen internationalen Ämtern zurück

          Platini ist es gelungen, die hauptamtlichen Mitarbeiter und die Nationalverbände davon zu überzeugen, dass er es gut mit ihnen und dem Fußball meint. Dass er zum Beispiel den Sport schützen und nicht die Großen deckeln will, wenn er die Champions League stärker für die kleinen Meister öffnet, wenn er das Financial Fair play einführt, das die weitere Verschuldung der Klubs stoppen soll, wenn er die Qualifikationsspiele für die EM 2016 und WM 2018 zentral vermarkten lässt.

          Mit viel Pathos

          Eine solch integre Persönlichkeit würde auch der Fifa gut tun. Seit Monaten zerrt und zieht es am Weltverband, weil sich hohe Funktionäre als bestechlich und die Vergabe von Weltmeisterschaften als undurchsichtig erwiesen haben. Aber Präsident Joseph Blatter scheint es nicht gegeben, durch seine Persönlichkeit der Fifa wieder Würde und Ansehen zu verleihen. Nachdem Mohamed Bin Hammam, der Präsident der asiatischen Verbände, in der vergangenen Woche seine Kandidatur für die Präsidentschaft angekündigt hat, steht die Fifa vor einer weiteren Zerreißprobe.

          Die beiden Alphatiere trugen ihren Wahlkampf in die heile Pariser Welt der Uefa. Als Fifa-Präsident hatte es Blatter leichter, sich an die Delegierten zu wenden, über das Privileg einer Grußbotschaft. „Ich möchte die Delegierten zum Fifa-Kongress nach Zürich am 31. Mai und 1. Juni einladen. Denn ich möchte als Fifa-Präsident weiter vertrauensvoll mit der Uefa zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen wir der Jugend eine Zukunft geben“, sagte Blatter mit viel Pathos. Wen er mit Jugend meinte, blieb im Dunkeln. Eindeutig wurde er erstmals über den Zeitraum seiner Ambitionen. „Ich brauche diese vier Jahre noch, um das Abenteuer zu Ende zu bringen. Es werden meine letzten vier Jahre sein, wenn ich erneut gewählt werde.“

          Schweigsames Dinner der Rivalen

          Mohamed Bin Hammam war als Beobachter des Kongresses gezwungen, viele Einzelgespräche zu führen, um für sich Stimmung zu machen – mit Platini, Beckenbauer und anderen. Auch gegenüber dieser Zeitung formulierte er seine Vorstellungen: „Es geht mir weniger um das Spiel, es geht mir um eine bessere Regierung und Verwaltung des Verbandes. Ich bin der bessere Kandidat, weil ich das bessere Programm habe.“ Blatter sei ein guter Präsident gewesen, habe im Laufe der Zeit aber an Energie verloren. „Es ist Zeit für Veränderung“, sagte der 61-jährige Qatarer. Er wolle mehr Transparenz und Demokratie. Ganz konkret verspricht er, die Anzahl der Funktionäre, die die Weltmeisterschaften vergeben, von 24 auf 41 zu erhöhen, und die Veröffentlichung, wem sie ihre Stimme gegeben haben.

          Auch will er den Sockelbetrag für alle Mitgliedsverbände von 250.000 Dollar verdoppeln und weniger Zentralismus, sondern mehr Eigenständigkeit der Erdteil-Föderationen. Ob sich sein Verhältnis seit seiner Kandidatur zu Blatter verändert habe? „Ich hoffe, wir bleiben Freunde und Kollegen.“ Bei einem Uefa-Essen am Montagabend saßen sie an einem Tisch, zu einem Gespräch führte die Nähe nicht. Nach Aussagen eines Funktionärs machte Blatter den Eindruck, persönlich beleidigt zu sein, dass es jemand wage, sich gegen ihn zu stellen. Bin Hammam behauptet, das Rennen sportlich zu sehen. „Ich bete darum, dass der Wahlkampf sauber bleibt.“

          Franz Beckenbauer jedenfalls wird das alles nicht mehr aus erster Reihe mitbekommen. Der Münchner zieht seine junge Familie mit zwei kleinen Kindern als Gesellschaft vor und wurde am Dienstag von allen internationalen Ämtern verabschiedet – als Leiter der Uefa-Kommission für die Fußballentwicklung und als Uefa-Vertreter im Fifa-Exekutivkomitee. Diesen Platz übernahm DFB-Präsident Theo Zwanziger. Auch er wurde per Akklamation gewählt.

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