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Kampf um Blatter-Nachfolge : Afrikanische Abtrünnige bei Fifa-Wahl

Hand drauf? Die Kandidaten Infantino (links) und Al Khalifa in Kigali. Bild: dpa

Eigentlich sollten alle afrikanischen Länder den umstrittenen Scheich Salman bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten unterstützen. Nun aber schwindet die Zustimmung. Neues gibt es auch von Joseph Blatter.

          Mehrere afrikanische Fußballverbände zeigen wenig Interesse, der Wahlvorgabe ihres Kontinentalverbandes Caf unter der Führung von Issa Hayatou zu folgen und bei der bevorstehenden Wahl des neuen Fifa-Präsidenten am 26. Februar in Zürich den bahreinischen Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa zu wählen. Die Exekutive der Caf unter der Führung Hayatous, der zur Zeit amtsführender Präsident des Internationalen Fußballverbandes ist, hatte nach einer Sitzung in der ruandischen Hauptstadt Kigali am Freitag verkündet, die 54 afrikanischen Verbände würden Al Khalifa unterstützen.

          Die Ansage war von äußerst begrenzter Halbwertzeit, denn schon am Samstag erklärte der Präsident des südsudanischen Fußballverbands, Tschabur Goc Alei, in einem Gespräch mit den Nachrichtenagentur Associated Press, den Schweizer Gianni Infantino unterstützen zu wollen. „Jeder Wähler darf seine eigene Entscheidung treffen. Die Maßgabe der Caf, Scheich Salman zu wählen, ist nicht verpflichtend“, zitiert AP den Südsudanesen.

          Zugleich sagte der Präsident des liberianischen Verbandes, Musa Bility, der BBC, er habe von gleich 26 Verbandsvorsitzenden in Afrika gehört, sie würden nicht für das Mitglied des bahreinischen Herrscherhauses stimmen. Liberia werde den jordanischen Prinzen Ali unterstützen, sagte Bility. In einem Brief an die afrikanischen Verbandsvorsitzenden schreibt Bility, es gehe bei der Wahl darum, die Integrität der Fifa wiederherzustellen.

          Al Khalifa steht seit Monaten in der Kritik, zum einen wegen der horrenden Menschenrechtslage in Bahrein und seiner ungeklärten Rolle bei der Verfolgung regimekritischer Fußballspieler im Rahmen der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 2011. In der vergangenen Woche hatten die Fifa-Sponsoren Visa, Coca-Cola und Adidas auf einen Brief bahreinischer Menschenrechtler reagiert und erklärt, dass sie den Umgang mit den Menschenrechten für einen essentiellen Bestandteil der Glaubwürdigkeit von Reformen bei der Fifa halten.

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          Zum anderen hat Scheich Salman weiterhin nicht auf Fragen zur Finanzierung seiner gescheiterten Kampagne zum Einzug in die Fifa-Exekutive im Jahr 2009 reagiert. Sie soll mehr als zwei Millionen Dollar gekostet haben, bahreinische Medien hatten damals berichtet, es sei auch Geld aus dem „Goal“-Programm der Fifa verwendet worden. Al Khalifas Anwälte behaupten, dies sei „belegbar falsch“.

          Unterdessen lässt der wegen einer Zahlung von zwei Millionen Franken an den ebenfalls gesperrten Präsidenten der Europäischen Fußball-Union, Michel Platini, durch die Ethikkommission der Fifa für acht Jahre gesperrte bisherige Präsident des Weltverbandes, Joseph Blatter, offenbar nichts unversucht, um eine Gelegenheit zum Auftritt beim Wahlkongress in Zürich Ende Februar zu erreichen.

          Die Zeitung „Schweiz am Sonntag“ berichtet unter der Überschrift „Fifa in der Blatter-Falle: Wahl des Nachfolgers gefährdet“, die in einem Brief an die Mitgliedsverbände vom 5. Juni 2015 festgehaltene Rücktrittserklärung Blatters sei juristisch nicht wirksam, der Schweizer müsse entweder seinen Rücktritt juristisch einwandfrei erklären, oder Blatter könnte die Wahl seines Nachfolgers nutzen, so lange als eine Art Gegenpräsident zu agieren, so lange seine Rechtsstreitigkeiten mit der Fifa laufen.

          Einem Auftritt des Wallisers beim Fifa-Kongress steht allerdings die durch die Fifa-Ethikkommission ausgesprochene Sperre entgegen. Ein Sprecher Blatters kündigte gegenüber Agence France-Presse an, der 79 Jahre alte Blatter werde an der Anhörung vor der Berufungskommission der Fifa zu seiner am 21. Dezember verkündeten Sperre teilnehmen. Sie ist für den 16. Februar in Zürich angesetzt.

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