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Fifa : Vertrauen aufgebraucht

  • -Aktualisiert am

Ein paar klare Worte zum Abschied: Beckenbauer (r.) mit Fifa-Präsidente Blatter Bild: dapd

Nachwehen der umstrittenen WM-Vergabe. Franz Beckenbauer zeigt sich enttäuscht von der Fifa und ihrer Informationspolitik.

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          Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr macht sich gut kurz vor Weihnachten. Und so hat auch Joseph Blatter der Welt etwas Feines versprochen: „Wir müssen unser Image verbessern“, forderte der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) nach der heftig kritisierten Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Qatar. Vor allem muss der schweizerische Oberhirte der von ihm stets in Anspruch genommenen globalen Fußballfamilie an seinem eigenen Image arbeiten.

          Es hat am 2. Dezember bei der Abstimmung des Fifa-Exekutivkomitees in Zürich derart viele Kratzer abbekommen, dass nun auch der bayerische Gentleman Franz Beckenbauer gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärt hat, dass sein „Vertrauen zur Fifa eingeschränkt“ sei. Nicht nur, dass der demnächst aus der Fifa-Exekutive gern zurücktretende „Kaiser“ das Votum pro Qatar für fatal gehalten hat, trägt zur Enttäuschung des Münchners bei; auch, wie mit den Verlierern der Zürcher Abstimmung, aber auch mit den Fifa-Regierungsmitgliedern umgesprungen worden sei, hat Beckenbauer erzürnt.

          Da sei vor der WM-Vergabe versichert worden, dass weder die Exekutive noch gar die Öffentlichkeit erfahre, wer wie viele Stimmen bei den Wahlgängen bekommen habe und wer mit wie wenig Stimmen ausgeschieden sei – und dann habe er „ein paar Stunden später aus dem Radio“ das genaue Wahlresultat erfahren. „Man hat sieben unterlegene Länder der Blamage ausgesetzt“ – vor allem die in der jeweils ersten Wahlrunde krachend gescheiterten Engländer (zwei Stimmen) und Australien (eine Stimme).

          Blatter braucht Stimmen

          Nicht einmal intern also hat demnach bei der mit dem Hautgout von seltsamen Absprachen behafteten WM-Kür ein Versprechen von Blatter gehalten. Das ist eine neue Peinlichkeit für dessen Art, mit seinen Kollegen nach Gutdünken umzugehen. Da kann der 74 Jahre alte Walliser noch so rasch seinen Predigergestus wiedergefunden haben und psalmodierend kund tun, dass er sich vom Turnier in Qatar eine „Öffnung“ der islamischen Kultur für den „grenzenlosen“ Fußball erhoffe.

          Blatter, der sich am liebsten in der Rolle des Pioniers seiner Sportart sieht und deshalb auf der Suche nach neuen WM-Gastgebern vor keinem Abenteuer zurückschreckt, ist kurzfristig vor allem an Handfestem interessiert: 2011 wiedergewählt zu werden. Da braucht er nun keine Sorgen mehr zu haben – mit den ihm sicheren Stimmen der immer noch dankbaren vergangenen WM-Ausrichter aus Südafrika und deren panafrikanischen Freunden sowie den in Zürich en passant dazugewonnenen Voten aus Russland und Osteuropa sowie aus dem Mittleren Osten. Blatter wird, bis er 79 ist, die Fifa weiter nach seinem Gusto beherrschen – Weltmänner des Fußballs wie Beckenbauer haben derweil besseres zu tun, als sich in Zürich veralbern zu lassen.

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