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Garcia-Report : Fifa zeigt brisanten Bericht zu WM-Vergaben

  • Aktualisiert am

Der Fußball-Weltverband veröffentlicht nun doch den Garcia-Report. Bild: AP

Seit 2014 lagen die Ergebnisse vor. Nach einem Leak veröffentlicht die Fifa aber nun erst den Garcia-Bericht und gibt damit Einblick in ihre Erkenntnisse zu der umstrittenen WM-Vergabe an Russland und Qatar.

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          Nach mehrstündigen Beratungen und Dauertelefonaten zwischen Zürich und St. Petersburg hat die Fifa eine radikale Trendwende vollzogen und den Garcia-Bericht zur WM-Skandalvergabe an Russland und Qatar veröffentlicht. Der Fußball-Weltverband reagierte mit diesem überraschenden Manöver auf das erstmalige Durchsickern von Details des Reports in der „Bild“-Zeitung am Montagabend. „Im Sinne der Transparenz begrüßt die Fifa die Neuigkeit, dass dieser Bericht nun endlich veröffentlicht wurde“, hieß es einer Pressemitteilung. Damit solle „die Verbreitung irreführender Informationen“ verhindert werden.

          Aufgeteilt ist er in drei Bereiche:

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          Mitten in der heißen Phase der russischen WM-Generalprobe hatten die Fifa die Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt – und wieder geriet besonders Qatar durch massive Anschuldigungen ins Zwielicht. Mit der erstmaligen Veröffentlichung von Details aus dem bislang seit 2014 streng vertraulichen Garcia-Report durch die „Bild“-Zeitung wurden Ermittlungen um die Skandal-Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 publik.

          Die Fifa trat der Darstellung entgegen, sie hätte die Dokumente gerne geheimgehalten. Im Gegenteil: Fifa-Präsident Gianni Infantino habe die Veröffentlichung „bereits in der Vergangenheit verschiedentlich verlangt und wurde seit seiner Sitzung im Mai 2016 in Mexiko-Stadt auch vom Fifa-Rat unterstützt“, hieß es in der Mitteilung. Zu Sündenböcken für das lange Schweigen wurden die ehemaligen Spitzen der Fifa-Ethikkommission Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely erklärt. Eckert hatte immer persönlichkeitsrechtliche Bedenken geäußert.

          Infantino musste vor seiner Rückkehr nach Russland zu den Halbfinal-Spielen des Confed Cups zwischen Deutschland und Mexiko sowie Portugal und Chile registrieren, dass die Altlasten der Blatter-Ära auch seiner Präsidentschaft einen Makel verpassen könnten. Vielleicht ging er auch deshalb nun in die Offensive. Für seinen mehrfach postulierten moralischen Neuanfang im Weltfußball komme die Debatte um Russland und Qatar jedenfalls ungelegen.

          Lustreisen nach Rio de Janeiro

          Eines schien allerdings schon vor der Publikation durch die Fifa klar: Russland und Qatar müssen als international dauerhaft umstrittene WM-Gastgeber wohl erst einmal keine Angst vor brandneuen Erkenntnissen oder gar erdrückenden Beweisen für Korruption und Bestechung haben. Forderungen nach einer WM-Neuvergabe haben vorerst wenig Aussicht auf Erfolg. Hier ruhen die Hoffnungen der Kritiker weiter auf den laufenden Ermittlungen der Schweizer Justiz, die unter anderem mehrere Dutzend Verdachtsfälle auf Geldwäsche untersucht. Allerdings: Mit einem Abschluss der Ermittlungen in Bern ist wohl erst zu rechnen, wenn zumindest die WM in Russland längst gespielt ist. Schwarz auf weiß lesen sich die Erkenntnisse des amerikanischen Top-Juristen Michael Garcia aus den Jahren 2012 bis 2014 wie ein erschreckendes Sittengemälde und gewähren Einblick in die Abgründe der Fußball-Welt in der Ära vom früheren Fifa-Chef Joseph Blatter, in die auch das mittlerweile vom eigenen Vergabe-Skandal betroffene deutsche WM-Sommermärchen fiel.

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