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Garcia-Report : Fifa zeigt brisanten Bericht zu WM-Vergaben

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Die „Bild“ beschränkte sich zunächst auch auf wenige Details: So schrieb Garcia in seinem Untersuchungsbericht unter anderem von aus Qatar bezahlten Lustreisen von Fußball-Funktionären nach Rio de Janeiro, Millionenzahlungen auf ein Konto der damals 10 Jahre alten Tochter eines Fifa-Wahlmannes und einem E-Mailverkehr mit Danksagung für den Erhalt von sechsstelligen Zahlungen aus dem Emirat. Einige dieser Vorwürfe sind nicht neu, waren vielfach auch schon vorher publik geworden und wurden von den WM-Machern am Arabischen Golf immer dementiert. Dass sie auch Garcia in seinem Report festhielt, geben ihnen aber nun einen offiziellen Anstrich.

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Russland wurde in dem „Bild“-Bericht noch nicht erwähnt. Zu Chefermittler Garcia hatte der kommende WM-Gastgeber eine schwierige Beziehung. Dem Juristen wurde die Einreise verweigert, da die Russen ihn für die umstrittene Inhaftierung des Waffenhändlers Viktor Bout in den USA mitverantwortlich machten. Als Garcias Stellvertreter Cornel Borbely nach Moskau reiste, waren die Computer der WM-Bewerber zerstört. Dokumentiert wurden Verstöße gegen Meldepflichten von Kontakten zu Exekutivmitgliedern – für ein offizielles Verfahren reichte das der Fifa nicht. Auch nicht gegen Qatar, trotz der jetzt auch öffentlich dokumentierten Verfehlungen.

Garcia trat im Dezember 2014 von seinem Posten als Chef der ermittelnden Kammer der Fifa-Ethikkommission zurück. Er empfand seine Erkenntnisse im Abschlussbericht von Eckert, dem damaligen Chef der rechtsprechenden Fifa-Ethikkammer, nicht richtig interpretiert. „Kein unabhängiges Governance Komitee, Ermittler oder Schiedsgericht kann die Kultur einer Organisation ändern“, lautete Garcias vernichtende Fifa-Kritik damals. In der Liste der vielen schmutzigen Details fehlten dem deutschen Topjuristen Eckert aber dingfeste, justiziable Beweise für einen konkreten Einfluss auf die WM-Vergabe.

Blatter stößt die Ermittlungen an

Die Veröffentlichung des Berichts wurde später vielfach gefordert, auch von Blatter, aber juristische Bedenken verhinderten dies schließlich – bis heute. Der international geachtete Eckert wurde im Mai auf Initiative von Infantino an der Spitze der Fifa-Ethikkommission abgelöst. Fifa-intern galt er wegen seines rigorosen Vorgehens in Ethikfragen als umstritten.

Angestoßen wurden die Garcia-Ermittlungen ironischerweise noch von Blatter, der letztlich wie viele der 22 Wahlmänner vom 2. Dezember 2010 später über andere Verfehlungen stürzte. Im Fifa-Amt sind von damals nur noch der Spanier Angel Maria Villar Llona und der Ägypter Hany Abo Rida. Infantinos Karriere begann im Windschatten des gemeinsam mit Blatter aus dem Amt gespülten ehemaligen Uefa-Chefs Michel Platini. Für den Schweizer stellt sich nun die Frage, wieso das brisante Garcia-Dokument ausgerechnet jetzt den Weg an die Öffentlichkeit fand und durch wen? Nur wenige Kopien wurden angefertigt, angeblich alle mit einem Namenssiegel versehen. Jetzt ist der ganze Report aber für alle zugänglich.

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