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Früherer DFB-Präsident : Aufnahmen und Protokolle belasten Niersbach

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Dies alles wirft kein gutes Licht auf die Top-Funktionäre. Anders als sie vorgeben, sträuben sich viele weiterhin nach Kräften gegen eine Reform des maroden Systems. Dafür steht ebenfalls das zweifelhafte Verhalten des nun selbst ins Visier der Ethikermittler geratenen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Möglicherweise wird der Blatter-Nachfolger gleich wieder gesperrt wegen verschiedener Verstöße. Derweil wird in den Hinterzimmern des Weltverbandes weiter intrigiert und geschachert. Währenddessen lassen DFB und Liga Niersbach auf internationalem Terrain gewähren.

Die Veröffentlichung des Garcia-Reports liegt unterdessen gar nicht in den Händen der sich als allmächtige Instanz aufspielenden Fifa-Funktionäre. Darüber kann, wenn es die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zulassen, nur Hans-Joachim Eckert, Vorsitzender des rechtsprechenden Organs der Fifa-Ethikkommission, befinden. Die Kammer des pensionierten deutschen Richters entscheidet auch über das Strafmaß gegen Niersbach. Eckert ist hier jedoch außen vor, weil er sich aufgrund derselben Staatsbürgerschaft nicht den Vorwurf der Befangenheit machen lassen will. Den Niersbach-Fall leitet sein Stellvertreter Alan Sullivan aus Australien.

„WNI kannte nach Einschätzung von HRS das Problem“

Monatelang informierte Niersbach im vergangenen Jahr die Kollegen im DFB-Präsidium nicht über die dubiosen Vorgänge bezüglich des deutschen WM-Turniers 2006. Nur ein kleiner Kreis war eingeweiht. Unterlagen wurden zurückgehalten, Aktenordner in der DFB-Zentrale verschwanden. Von den Freshfields-Anwälten gab es in der Schlussbetrachtung erhebliche Bedenken, ob Niersbach nicht schon Jahre früher über die kaschierte Zahlung der 6,7 Millionen Euro von 2005 im Bilde war. Zwischen 2001 und 2006 war er geschäftsführender Präsident des WM-Organisationskomitees.

Inzwischen ermittelt auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ihn - wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung. Der F.A.Z. liegt eine Kopie des Protokolls aus einem Gespräch am 15. Oktober vergangenen Jahres vor, an dem neben Horst R. Schmidt noch der Justitiar und der Mediendirektor des DFB sowie der damalige stellvertretende DFB-Generalsekretär Stefan Hans teilnahmen.

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Hintergrund der Zusammenkunft war der Eingang eines Fragenkatalogs von Journalisten des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zu einer dann am 17. Oktober veröffentlichten Geschichte rund um den WM-Skandal. In dem Gesprächsprotokoll steht: „WNI kannte nach Einschätzung von HRS das Problem (…).“ WNI ist das DFB-Kürzel für Wolfgang Niersbach, HRS für Horst R. Schmidt. Der zeitliche Bezug der Aussage richtete sich auf das Jahr 2005.

Zugleich lehnte sich Niersbach bei Integritätsfragen stets weit aus dem Fenster. In einem offenen Brief am 10. Juni vergangenen Jahres an die sechs Millionen DFB-Mitglieder in den Vereinen, als er schon das Hochkommen des deutschen WM-Skandals befürchten musste, geißelte er hinsichtlich der Blatter-Fifa „fehlende Moral“. Selbst vier Monate später, bei seiner peinlichen Pressekonferenz am 22. Oktober, gab Niersbach den Ahnungslosen. „Was habe ich mir persönlich vorzuwerfen? Ich habe von dem Vorgang erfahren im Juni etwa, den Tag genau kann ich nicht sagen, über Umwege.“ Glaubwürdig ist das längst nicht mehr.

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