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Fifa und Korruption : Exorzismus auf die Schnelle

Blatter und seine Fußballfreunde: Alles Engel oder Teufel? Bild: AFP

Joseph Blatter will die Bestechungsvorwürfe gegen sechs seiner Exekutivmitglieder noch vor der Präsidentenwahl genau prüfen. „Ich kann nicht sagen, dass sie alle Engel oder alle Teufel sind“. Der Reformdruck auf die Fifa wächst.

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          Wer die Guten sucht in diesem wüsten Drama, kann lange suchen. In der Welt der hohen Fußballfunktionäre scheint diese Rolle nicht vorgesehen, wie aus den jüngsten Nachrichten um Korruptionsvorwürfe und ihre automatischen Dementis wieder einmal folgt. Sechs Exekutivmitglieder des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) sind am Dienstag bei einer Anhörung vor dem Sportausschuss des britischen Unterhauses beschuldigt worden, für ihre Stimmen bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 Gegenleistungen gefordert oder erhalten zu haben, wobei die Bandbreite vom Ehren-Ritterschlag bis zu 1,5 Millionen Dollar geht. Das ist ein Viertel der Regierung des Fußball-Weltverbandes.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Zählt man zwei weitere hinzu, die während des Bewerbungsprozesses von der Ethikkommission wegen Korruption suspendiert wurden, war sogar ein Drittel der damaligen Exekutive in Bestechungsvorwürfe verwickelt. Selbst Präsident Joseph Blatter, der sich in drei Wochen für eine weitere Amtszeit zur Wahl stellt, geht angesichts dieses desaströsen Bildes auf Distanz. „Ich kann nicht sagen, dass sie alle Engel oder alle Teufel sind“, sagte er in Zürich über seine Exekutivmitglieder, die im Dezember 2010 über die doppelte WM-Vergabe an Russland und Qatar entschieden haben. „Sie sind meine Regierung, aber die Regierung wird nicht vom Präsidenten eingesetzt.“

          Nach den Statuten werden sie von den sechs Konföderationen in den Fifa-Vorstand gewählt. In 13 Jahren Amtszeit ist es dem Schweizer Blatter, der persönlich nicht von Korruptionsvorwürfen betroffen ist, offenbar nicht gelungen, für Integrität in diesem Gremium zu sorgen. Blatter sagte gegenüber dem arabischen Fernsehsender Al Dschazira, er werde noch vor der Wahl handeln. „Wir haben genau drei Wochen Zeit.“ Die Eile könnte auch einen taktischen Grund haben: Als eine Führungsfigur der WM-Bewerbung Qatars, die den Zuschlag für 2022 bekam, könnte auch sein Herausforderer Mohamed bin Hammam, Präsident des asiatischen Konföderation, vom aktuellen Korruptionsstrudel erfasst werden. Fifa-Generalsekretär Jerôme Valcke hat beim englischen Verband (FA) Beweise für die Vorwürfe, die vom ehemaligen FA-Präsidenten, Lord David Triesman, und vom Parlamentsmitglied Damian Collins erhoben wurden, angefordert.

          Fifa-Präsident Blatter unter Druck: „Wir haben genau drei Wochen Zeit”

          Das britische Parlament ging der Frage nach, warum die englische Bewerbung um die WM 2018 neben der eigenen nur eine Stimme erhielt. Sollte es diese Beweise wider Erwarten geben, stünde die Milliarden-Entscheidung der Fifa in Frage. Allerdings hat Australien - auch einer der Verlierer - erklärt, man werde die Entscheidung nicht anfechten. Sowohl Blatter als auch der Qatarer bin Hammam haben das Thema Transparenz ins Zentrum ihrer Wahlversprechen gerückt. Blatter kündigte in einem Interview mit dieser Zeitung unter anderem an, er wolle dem Kongress vorschlagen, Weltmeisterschaften künftig nach IOC-Vorbild von der Vollversammlung vergeben zu lassen.

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