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Fußball-Weltverband : Blatter will „für Gerechtigkeit kämpfen“

  • Aktualisiert am

Joseph Blatter auf dem Weg zur Pressekonferenz Bild: dpa

Noch-Fifa-Chef Joseph Blatter will gegen seine achtjährige Sperre durch die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes vorgehen. Die Entscheidung sei „eine Schande“. Seine Millionenzahlung an Uefa-Präsident Michel Platini hält er für rechtens.

          Joseph Blatter will gegen seine Sperre durch die Fifa-Ethikkommission vorgehen. Der für acht Jahre aus dem Fußball verbannte Schweizer kündigte am Montag einen Einspruch beim Berufungskomitee des Weltverbands Fifa und beim Internationalen Sportgerichtshof CAS an. Auch ein Einspruch bei zivilen Schweizer Gerichten sei möglich, erklärte Blatter nach Beratungen mit seinen Anwälten. „Ich werde für Gerechtigkeit kämpfen, für mich, für die Fifa“, sagte Blatter. Er halte seine Sperre für äußerst ungerechtfertigt. Das Urteil sei eine „Schande“.

          In seinem einstigen Machtzentrum ließ Blatter verbal noch einmal die Muskeln spielen. Nur eine Stunde nach dem Urteil der Fifa-Ethikkommission stellte er sich im überfüllten Kongressraum der früheren Fifa-Zentrale auf dem Züricher Sonnenberg den Fragen der Journalisten – und gab äußerte eine Einschätzung seiner aktuellen Lage.

          „Ich habe nie mit Geld betrogen“

          Der bisherige Fifa-Präsident war zuvor ebenso wie der europäische Verbandschef Michel Platini wegen Verstößen gegen das Fifa-Ethikreglement für acht Jahre gesperrt worden. Hintergrund ist eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken an Platini aus dem Jahr 2011. Dieser Deal sei nach Schweizer Recht völlig sauber gewesen, erklärte Blatter, der bei seinem knapp einstündigen Auftritt vor der Weltpresse zum Rundumschlag gegen die Ethikkommission ausholte. „Ich bin ein Mann von Prinzipien. Ich habe nie mit Geld betrogen“, sagte Blatter, der Anfang November einen gesundheitlichen Zusammenbruch erlitten hatte.

          Der 79-Jährige betonte, er gehe weiter fest davon aus, am 26. Februar den außerordentlichen Kongress zur Wahl seines Nachfolgers zu leiten. Auch Platini, der für das Amt des Fifa-Präsidenten kandidieren will, werde dann dabei sein. „Ich habe die Verantwortung übernommen und mein Mandat schon Anfang Juni zur Verfügung gestellt. Ich bin der scheidende Präsident, nicht der zu wählende. Man muss mich aber nicht mit solchen Dingen suspendieren. So kann ich meine Arbeit nicht machen“, polterte der Schweizer.

          Joseph Blatter und Michel Platini (r.)

          Die Ethikkommission habe nicht das Recht, den gewählten Fifa-Chef aus dem Fußball zu verbannen, erklärte Blatter. „Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für die FIFA, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch“, sagte Blatter. „Es ist noch längst nicht vorbei.“ An eine Absprache der Ethikkommission mit den ebenfalls ermittelnden amerikanischen Justizbehörden glaubt er indes nicht.

          Wie die Ethik-Kommission am Montag mitteilte, gelte die Sperre gelte ab sofort. Bereits Anfang Oktober hatte die Ethikkommission die beiden Verbandschefs daher bereits vorübergehend von allen ihren Funktionen entbunden. Diese Verbannung von allen Fußball-Aktivitäten, wozu auch Stadionbesuche gehören, geißelte Blatter als unverhältnismäßig. „Wenn Spieler oder Trainer gesperrt sind, können sie mit ihrer Mannschaft trotzdem ins Stadion. Dem Präsidenten dies zu verbieten, ist nicht korrekt.“ Er wolle nun weiter um seine Reputation kämpfen und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich komme wieder.“

          Uefa-Präsident Platini äußerte sich direkt im Anschluss an das Urteil nicht öffentlich. Wegen der Sperre kann Platini nun normalerweise nicht wie geplant im Februar als Fifa-Präsidentschaftskandidat antreten. Er galt lange Zeit als Favorit auf die Nachfolge von Blatter. Dies dürfte nun hinfällig sein, zumal er auch noch den notwendigen Integritätscheck bestehen muss. Fraglich ist auch, ob er überhaupt noch genügend Stimmen auf sich vereinigen könnte. Der englische Verband hatte bereits angekündigt, Platini nicht zu unterstützen. Die Uefa hat bereits Generalsekretär Gianni Infantino als Ersatzkandidaten aufgestellt. Auch der europäische Kontinentalverband muss sich nun einen neuen Chef suchen. Die sportpolitische Laufbahn des 79 Jahre alten Blatter dürfte mit dieser Entscheidung sowieso beendet sein.

          Im Zusammenhang mit der dubiosen Zahlung stellte die rechtsprechende Kammer einen „Interessenskonflikt“ für den europäischen Verbandschef Platini und Weltverbands-Boss Blatter sowie die Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen fest. „Es gab keine rechtliche Basis für die Zahlung“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Zwar wurde der Vorwurf der Bestechung und Korruption fallengelassen, doch hätten sowohl Blatter als auch Platini gegen verschiedene Artikel des Fifa-Ethikreglements, ihre Treuepflicht gegenüber der Fifa und allgemeine Verhaltensregeln verstoßen.

          Beide behaupten, es handele sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis Dienste für die Fifa aus den Jahren 1998 bis 2002. Die ermittelnde Kammer der Ethikkommission sieht dies anders und hatte lebenslange Sperren für Platini und Blatter gefordert.

          Beide wurden zudem zu Geldstrafen verurteilt: Blatter muss demnach 50.000 Schweizer Franken (etwa 46.000 Euro) zahlen, Platini soll eine Geldstrafe in Höhe von 80.000 Schweizer Franken (etwa 74.000 Euro) abdrücken.

          Platini erschien nicht zur Anhörung

          Blatter war am vergangenen Donnerstag noch einmal von den Ethikhütern zur Sache vernommen worden. Dabei habe ihm der Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission des Weltverbands, Hans-Joachim Eckert, erklärt, den Vorwurf der Korruption fallen lassen zu wollen, behauptete der Schweizer kurz vor der Verkündung der Entscheidung.

          Platini war nicht zur letzten Anhörung in seinem Fall am vergangenen Freitag erschienen. Seine Anwälte forderten Freispruch. Der Franzose hoffte auf Entlastung durch ein internes Uefa-Dokument vom 12. November 1998, in dem angeblich über seine Tätigkeiten bei der Fifa berichtet wird. Darin soll von einem Jahresgehalt von einer Million Schweizer Franken die Rede sein. Auch ein möglicher Posten als Fifa-Sportdirektor soll erwähnt sein. Experten bezweifeln diese Darstellung.

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