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Korruption beim Weltverband : Jagdszenen mit dicken Fifa-Fischen

„Nichts darf am Telefon besprochen werden. Nichts! Nichts! Nichts!“ Bild: AP

Als Héctor Trujillo an Bord eines Disney-Schiffs ging, freute er sich auf eine karibische Kurzreise mit den Enkeln. Der Trip entwickelte sich für den Generalsekretär des Fußballverbandes aus Guatemala aber etwas anders als gedacht.

          Cape Canaveral, Florida: einer der schönsten Orte der Welt als Ausgangspunkt für aufregende Entdeckungen. Vom Kennedy Space Center hat die Nasa Astronauten auf die spannendsten Reisen in der Historie des Homo sapiens geschickt. Aber die Lagune am Atlantik hat auch ihre Reize für Touristen, die es etwas irdischer angehen lassen auf ihren Reisen.

          5 Meilen südlich vom Kennedy Space Center liegt der zweitgrößte Hafen der Welt für Kreuzfahrtschiffe. Im Port Canaveral ging einer anderen Bundesagentur der Vereinigten Staaten zuletzt ein dicker Fisch ins Netz. Die „Disney Dream“ hatte, von Castaway Cay, Bahamas, kommend, festgemacht, prompt schlug das Department of Homeland Security zu.

          Héctor Trujillo, Richter am Corte Constitucionalidad de la República de Guatemala, war von einer karibischen Kurzreise mit seinen Enkeln ausgegangen, als er an Bord des Disney-Schiffs ging. Als ihn die amerikanischen Zöllner dem Federal Bureau of Investigation überstellten, dürfte dem 62 Jahre alten Verfassungsrichter der Republik in Zentralamerika klargeworden sein, dass die Reise länger und unkomfortabler werden dürfte als gedacht.

          Señor Trujillo ist zugleich Generalsekretär des guatemaltekischen Fußballverbandes und als solcher angeklagt der Beteiligung an einem Komplott der organisierten Kriminalität und der Korruption - kurz: der Beteiligung an der Korruption im Internationalen Fußballverband (Fifa).

          Héctor Trujillo ist Generalsekretär des Fußballverbandes in Guatemala.

          Loretta Lynch, die amerikanische Justizministerin, hatte am Donnerstag ihre Anklage gegen Trujillo und 15 weitere süd- und mittelamerikanische Fußballfunktionäre öffentlich gemacht, und so war der lange Arm der amerikanischen Justiz im Verlaufe des Wochenendes an den unterschiedlichsten Orten des einstigen spanischen Weltreichs zu spüren - von der Küste Floridas bis in die Hochlagen der Anden.

          Aufgrund der Ermittlungen der Gringos in Washington D.C. schlugen Ermittler in Quito, Ecuador, zu, eine Richterin verhängte Hausarrest gegen Verbandschef Luis Chiriboga und Generalsekretär Francisco Acosta. In Lima, Peru, wurde der ehemalige Verbandschef Manuel Burga verhaftet. Auf der Flucht ist offenbar weiterhin Brayan Jiménez, Präsident des guatemaltekischen Fußballverbands. Bei Hausdurchsuchungen sei er nicht angetroffen worden, hieß es in Guatemala-Stadt.

          Er hatte, so ist in der Anklageschrift zu lesen, noch im Juli, als Lynchs Ermittlungen in Sachen Fifa längst öffentlich waren, bei einem Treffen unter vermeintlich Gleichgesinnten in Chicago gesagt: „Nichts darf am Telefon besprochen werden. Nichts! Nichts! Nichts!“ Einer derer, die ihm zuhörten, war der Brasilianer Fabio Tordin, Sportrechtehändler, ebenfalls Angeklagter - und inzwischen offenbar undercover für die Ankläger im Einsatz.

          Rafael Salguero, den früheren Chef des guatemaltekischen Verbandes, hat Tordin ebenfalls auf Band: „Wir sitzen alle in der gleichen Scheiße“, so ist in der Anklage zu lesen, sagte Salquero am 2. September bei einem Treffen in Miami. 92 Anklagepunkte nennt die Anklageschrift vom Donnerstag, 41 Angeklagte - und 24 nicht namentlich genannte Mitverschwörer, die längst nicht alle aus Lateinamerika stammen. Denn ähnlich wie das spanische Weltreich einst beschränkt sich jenes der Fifa heute nicht auf die westliche Hemisphäre.

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