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Fifa-Skandal : Rieten Blatters Anwälte zum Rücktritt?

  • -Aktualisiert am

Nur noch Fifa-Präsident auf Abruf: Sepp Blatter Bild: dpa

Falls Joseph Blatter sich mit seinem angekündigten Rückzug von der Fifa-Spitze Luft verschaffen wollte, wird es dennoch eng. Die amerikanischen Fahnder ziehen die Schlinge enger, Sponsoren rücken ab. Die größte Gefahr könnte von einem engen Vertrauten drohen.

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          Der Rat seiner Anwälte soll der Grund für den überraschenden Rücktritt von Joseph Blatter als Fifa-Präsident gewesen sein. Auf dem Funktionärsposten könne er sich nicht so gut gegen etwaige Anschuldigungen zur Wehr setzen wie als Privatmann, heißt es in einem Bericht der „New York Times“ am späten Dienstag unter Berufung auf anonyme Quellen. Denn alle weiteren Ermittlungen der Bundesstaatsanwaltschaft in Brooklyn gegen Repräsentanten des internationalen Fußballs werden sich auch gegen Joseph Blatter richten.

          Dass er womöglich sogar angeklagt wird, könnte Teil der Taktik der amerikanischen Ermittlungsbehörden sein, die darauf setzen, mit der Androhung hoher Gefängnisstrafen die 14 am Mittwoch angeklagten Funktionäre und Fifa-Geschäftspartner dazu zu bringen, ihr gesamtes Wissen über das Netzwerk aus Bestechung und Schmiergeldern preis zu geben.

          Folgenschwere Millionenzahlung

          Seit Freitag hatten hinter verschlossenen Türen dem Vernehmen nach auch die großen Werbepartner erstmals Druck gemacht. Denn da zeichnete sich ab, dass zumindest Generalsekretär Jerôme Valcke mit der Abwicklung einer unter Korruptionsverdacht stehenden 10-Millionen-Dollar-Zahlung zu tun gehabt hat. Das Geld wurde dem südafrikanischen WM-Organisationskomitee abgezogen und an Jack Warner weitergereicht, den ehemalige Fifa-Vizepräsidenten und langjährigen Chef der nord- und mittelamerikanischen Föderation Concacaf. Wie diese Transaktion angelegt war, hatte der geständige ehemalige Fifa-Funktionär Chuck Blazer beschrieben, der selbst rund 750.000 Dollar von der Summe einstreichen konnte.

          Was Blazer wusste und den Behörden verriet, steht zu einem erheblichen Teil bereits in einem Papier, das die Bundesstaatsanwalt in der vergangenen Woche zusammen mit der 161-seitigen Anklageschrift gegen die 14 veröffentlichte. Weitere pikante Details werden ans Tageslicht kommen, wenn auf Anordnung eines New Yorker Richters an diesem Mittwoch die Mitschrift seines detaillierten Schuldgeständnisses publiziert wird. Die Ermittler dürfen allerdings, so das Gericht, gewisse Passagen auslassen, schwärzen oder anonymisieren.

          Schlüsselrolle des Generalsekretärs

          Der amerikanische Wirtschaftsprofessor Andrew Zimbalist, ein Spezialist für Sportökonomie, Autor des jüngst erschienenen Buches „Circus Maxismus” und ein fundierter Kritiker der internationalen Sportverbände, war wie so viele von der Rücktrittsnachricht überrascht.

          In seinen Mutmaßungen spielt der Generalsekretär der Fifa die wichtigste Rolle: „Es ist möglich, dass Valcke in den nächsten Tagen eine Art von Schuld einräumen wird. Falls das passiert, gibt es für Blatter keinen Schutz mehr. Ich glaube, Blatter wollte sich nicht in der Position befinden, wo er seinen Rücktritt nicht mehr vor einer Verhaftung ankündigen kann.”

          Amerikas Regierung weist Vermutungen zurück

          Der 79 Jahre alte Blatter hatte noch am Sonntag die amerikanischen Behörden kritisiert, die seit mehr als vier Jahren Indizien und Beweismittel zusammentragen, um die illegalen Machenschaften von Fifa-Funktionären in Nord- und Südamerika aufzudecken. Blatter ging so weit und konstruierte einen Zusammenhang zwischen diesen Aktivitäten und der Kandidatur der jordanischen Prinzen Ali: „Man darf nicht vergessen”, sagte er dem Schweizer Sender RTS, dass die Vereinigten Staaten „der Hauptsponsor des haschemitischen Königreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut“.

          In Washington erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums am Dienstag kurz und knapp, dass die Vereinigten Staaten nichts mit den inneren Abläufen des Weltfußballverbandes zu tun hätten. „Die amerikanische Regierung hat keine Meinung zu der Frage, wer als Präsident der Fifa vorstehen soll”, sagte Marie Harf gegenüber Journalisten.

          Sponsoren distanzieren sich

          Die großen amerikanischen Sponsorenfirmen empfinden Blatters Entscheidung als „einen positiven Schritt für das Gute im Sport, im Fußball und für seine Fans”, wie der Getränkehersteller Coca-Cola erklärte, der neben amerikanischen Konzernen wie McDonald’s, Visa und Budweiser jedes Jahr hunderte von Millionen Dollar an die Fifa zahlen. „Wir erwarten, dass die Fifa mit Dringlichkeit konkrete Maßnahmen ergreifen wird, um alle aufgetauchten Fragen zu klären und das Vertrauen von allen zurückzugewinnen, die Fußball lieben.” Eine Stellungnahme, die ein so profilierter Unternehmer wie der Brite Richard Branson für nicht ausreichend hält. Das Geld der Sponsoren habe „ein wichtige Rolle dabei gespielt, dieses korrupte System zu ermöglichen und zu betreiben”, sagte er. Die Marken gingen das Risiko ein, als Komplizen von etwas eingestuft zu werden, „das wie organisiertes Verbrechen aussieht”.

          Diese Botschaft scheint das Medienunternehmen Fox Sports nicht gehört zu haben. Es besitzt die amerikanischen Übertragungsrechte für die am Samstag beginnende Frauen-WM und die Männer-Turniere 2018 und 2022 und bezahlt dafür insgesamt 425 Millionen Dollar. Anstatt einer offiziellen Stellungnahme überließ man es den Reportern in den Livesendungen vom Dienstag, das Echo auf die überraschende Nachricht zu formulieren. Einer von ihnen, der ehemalige Nationalspieler Alexi Lalas, klang begeistert angesichts von Blatters Rückzug: „Das ist wunderbar. Das ist ein großartiger Schritt.”

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