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Fifa-Kommentar : Da hilft nur noch eine Frau

  • -Aktualisiert am

Welche Taktik wählt Fifa-Präsident Joseph Blatter nun? Bild: AFP

Der Ruf des Fußball-Weltverbandes und seines Präsidenten Joseph Blatter ist ruiniert. Es gäbe aber eine Lösung, wie man die Fifa in null Komma nichts aus den Gruselspalten der Medien hinauskatapultieren könnte.

          Mal ehrlich: Wenn jetzt jemand käme, eine tadellose Person mit viel Kampfgeist und Idealismus, und wenn das nahezu unvorstellbare Wunder geschähe, und diese integre Person würde am Freitag in Zürich vom Kongress des Fußball-Weltverbandes an die Spitze gewählt – das brächte auch nichts. Sie passte nicht zum Rest. An die Spitze des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) passen nur Leute wie Blatter und Seinesgleichen, die wissen, wie man auf der Klaviatur der internationalen Geld- und Machtgier spielt. Und weil das so ist, kann man doch gleich wieder Blatter nehmen, da weiß man doch wenigstens, was man hat.

          Obwohl: Es gäbe schon eine Lösung, wie man die Fifa in null Komma nichts aus den Gruselspalten der Medien hinauskatapultieren könnte. Mit der Strategie des gezielten Schauplatzwechsels, die schon lange zu Blatters Repertoire gehört, nach dem Motto: Wenn du Ärger hast, erst einmal woanders ein Feuerchen legen. Werfen sie dir Korruption oder Spielmanipulation vor, lenke schnell mit der Behauptung ab, der Herrgott habe zu dir gesprochen. Oder fordere forsch, zur Erhöhung der Trefferzahl die Tore zu vergrößern. Oder die Torhüter zu verkleinern. Oder Hot-Pants-Pflicht im Frauenfußball.

          Diesmal müsste es im Dienste der Krisenkommunikation aber schon etwas Plakativeres sein. Unser Vorschlag: Die Fifa sollte am Freitag doch nicht wieder den ewigen Blatter wählen, sondern eine Frau. Der schmutzige Thron schreit nach einer weiblichen Hand, und das nicht zum Putzen, sondern zum richtigen Regieren. Natürlich wäre es eine Herausforderung, überhaupt eine Frau zu finden. In der Fifa-Exekutive sitzen überhaupt nur zwei Exemplare von Blatters Gnaden, die auf normalem Weg niemals auf diese lukrativen Posten gelassen worden wären. Die Fifa müsste also noch rasch eine Quereinsteigerin finden, die müsste klug und stark sein und keine Angst haben vor dem Gebrüll ertappter Diebe und festgenagelter Bestecher.

          Fifa-Chef Sepp Blatter Bilderstrecke

          Blatter wiederholt schließlich seit Jahren die Floskel: „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich.“ Jetzt kann die Fifa beweisen, dass ihr Präsident auch in diesem Fall recht hat. Wenn eine Kandidatin gefunden ist, braucht es nicht mehr viel. Die zahlungskräftige Nomenklatura der Fußballpolitik müsste sich lediglich an diesem Donnerstagabend in der Bar des Hotel Baur au Lac - wo zwar seit den Verhaftungen ein paar Gesichter fehlen, man aber immer noch beschlussfähig ist - auf eine Rockträgerin einigen, die möglichst ein paar intellektuellere Argumente mitbrächte als die sonstigen Damen, die man als Fußballfunktionär normalerweise für sein Geld antanzen lässt.

          Und? Zu feministisch? Undenkbar? Frauen sind auch nicht imprägniert gegen Korruption und würden das System nur verfeinern? Mag alles sein. Aber schlechter als die Männer, die sich momentan in Amt und Würden befinden, könnten Frauen es auch nicht machen. Und der Rest der Welt brächte vor lauter Staunen erst einmal das Tor nicht mehr zu.

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