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Bei Confed Cup in Russland : Die Fifa schränkt kritische Berichterstattung stark ein

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Wiel viel Pressefreiheit erlaubt die Fifa und ihr Präsident Gianni Infantino beim Confed Cup in Russland? Bild: dpa

Laut Anordnung der Fifa sollen Journalisten beim Confed Cup in Russland nur über Fußball berichten dürfen. Der DFB zeigt sich beunruhigt, der Weltverband wiegelt ab – und eine deutsche Zeitung kündigt eine drastische Maßnahme an.

          Russland und die Fifa sind wegen drohender Einschränkungen bei der Berichterstattung über den Fußball-Confederations Cup im Sommer in die Kritik geraten. Vor Ort befindliche Journalisten mit einer offiziellen Akkreditierung des Fußballweltverbandes dürften nur über das Turnier und „damit verbundene Ereignisse berichten“ und nur „auf dem Gebiet der Spielorte und nahegelegener Sehenswürdigkeit tätig sein“, zitierte die „Bild“-Zeitung aus einem Schreiben, das mit der Akkreditierungsbestätigung verschickt wurde. Auf ihrer Online-Seite kündigte die „Bild“ an, keine eigenen Reporter zum Confed Cup zu schicken, solange der Verband eine solche „Zensur“ aufrecht erhalte.

          Die Fifa sichert ihrer Ansicht nach mit ihren Bedingungen den Journalisten freie Arbeitsmöglichkeiten an den Spielorten zu. „Journalisten, die eine Fifa-Akkreditierung für den Fifa Konföderationen-Pokal erhalten, können an den Spielorten und in den umliegenden Gebieten ohne jede Einschränkung frei arbeiten“, teilte der Verband in einem gemeinsamen Statement mit dem Organisationskomitee auf Anfrage mit. Auch die russische Regierung bestreitet mögliche Einschränkungen für Journalisten. „Journalisten wird beim Confederations Cup nicht verboten, über irgendetwas zu schreiben. Sie können schreiben, worüber sie wollen“, sagte Vizeregierungschef und Fußballverbandschef Witali Mutko am Dienstag in St. Petersburg der Agentur Tass zufolge.

          „Ein wichtiges Signal für die WM 2018“

          DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigte zudem in der „Bild“ an, dass er sich bei der Fifa-Councilsitzung am 9. Mai in Bahrein dafür einsetze, dass die Journalisten beim Confed Cup frei berichten können. „Es wäre ein wichtiges Signal für die WM 2018, wenn schon beim Vorbereitungsturnier das russische Organisationskomitee deutlich macht, dass es keine Einschränkungen der Pressefreiheit gibt“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

          Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert den Weltverband indes zu einer umfassenden Überarbeitung der Akkreditierungsrichtlinien auf. Die zurzeit geltenden Bestimmungen seien „Bedingungen einer Diktatur, die Angst davor hat, dass in den Medien kritische Berichte über das politische, wirtschaftliche und soziale Umfeld der Spiele erscheinen könnten“, schrieb DJV-Chef Frank Überall nach eigenen Angaben am Dienstag in einem Brief an Fifa-Chef Gianni Infantino. „Es darf keine Reglementierungen für die Berichterstatter geben, die ihre verbrieften Grundrechte einschränken. Und es darf keine Versuche des Veranstalters und des Gastgebers geben, direkt oder indirekt Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen“, urteilte Überall.

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          Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kritisierte die möglichen Einschränkungen für Medien scharf. „Es muss klipp und klar sein: Sportberichterstattung und Geld verdienen kann nicht auf dem Rücken der Pressefreiheit erkauft werden“, sagte Kauder vor einer Sitzung der CDU/CSU-Abgeordneten im Bundestag. Er sei enttäuscht darüber, dass die Pressefreiheit in einigen Ländern zunehmend immer weiter eingeschränkt werde.

          SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann nahm via „Bild“-Zeitung Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Pflicht: „Presse- und Meinungsfreiheit muss über Grenzen und Themen hinweg gelten - auch bei der Sportberichterstattung. Das sollte Frau Merkel dem russischen Präsidenten klar machen.“ Ähnlich äußerte sich Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Deutschland kann es nicht einfach hinnehmen, wenn Putin die Pressefreiheit mit Füßen tritt.“

          Eine solche Passage, die Art und Ort der journalistischen Berichterstattung bei einer sportlichen Großveranstaltung genau vorgibt, hat es bislang noch nicht gegeben. Nicht einmal bei den Olympischen Sommerspielen vor neun Jahren in Peking, die in Bezug auf die Pressefreiheit ebenfalls sehr umstritten waren, gab es solche Vorschriften.

          Möglich ist, dass Russland und die Fifa mit diesen Einschränkungen auf die Berichterstattung während der Winterspiele 2014 in Sotschi reagiert. Damals hatte es zahlreiche kritische Berichte über den eskalierenden Krieg in der Ukraine und die Menschenrechtslage in Russland gegeben.

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          In der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ nimmt Russland Platz 148 ein. Für die Arbeit außerhalb der für den Confed Cup vorgesehenen Orte können ausländische Journalisten nach Angaben des russischen Außenministeriums allerdings eine spezielle Akkreditierung beantragen. Die Fifa beruft sich hierbei auf russisches Recht. Ob und in welchem Umfang diese weiterführenden Arbeitserlaubnisse dann ausgegeben werden, ist noch unklar.

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