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Fifa-Reformen : Schönredner Blatter

„Das ist ein historischer Tag für den Reformprozess bei der Fifa“, Joseph Blatter ist angetan von den Neuerungen beim Weltverband Bild: AFP

Die Fifa lässt die Öffentlichkeit glauben, dass sich im skandalumwitterten Weltverband doch etwas zum Guten wendet. Doch die Reformen sind nur minimal. Dabei hatte Fifa-Präsident Blatter anderes versprochen.

          Als Verkäufer seiner selbst übernahm der unverwüstliche Joseph Blatter am Freitag mal wieder die Rolle des Schönredners. „Das ist ein historischer Tag für den Reformprozess bei der Fifa“, berichtete der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) überschwänglich aus der Sitzung.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zuvor hatte sein Vorstand bei der Zusammenkunft am Hauptsitz in Zürich das eine oder andere Zugeständnis gemacht, damit die Öffentlichkeit weiterhin daran glauben mag, dass sich in dem skandalumwitterten Weltverband doch etwas zum Guten wendet. Was von den 24 Mitgliedern der Fifa-Regierung wirklich an Reformen auf den Weg gebracht wurde, ist nach den großen Ankündigungen vorerst ein Minimalergebnis - alles altbekannte Forderungen. Blatter sprach noch von nötigem „Feintuning“.

          Am meisten fallen die angestrebten Veränderungen in der Ethikkommission auf. Sie soll nun zwei schlagkräftige Kammern erhalten, von denen die eine als Verbandsjustiz selbstständig Ermittlungen aufnehmen kann - unabhängig von Weisungen des Präsidenten.

          Nachforschungen wären dann möglich gegen Funktionäre zum Beispiel aufgrund von Bestechungsvorwürfen. Genug zu tun hätten die Ermittler schon heute. Aber wird das so kommen? Neben dieser Anpassung an längst überfällige Standards sollte eigentlich eine eigene Prüfstelle eingerichtet werden, die Finanzströme, Gehälter und Zuwendungen an Fifa-Mitarbeiter und Funktionäre auf unabhängige überblicken soll.

          „Da müssen wir noch weiter diskutieren“

          Der Europarat in Straßburg hatte unlängst die mangelnde Transparenz der Fifa-Finanzen gerügt und sich über die hohen Lohnkosten bei dem Verband erstaunt gezeigt. Aber wie das umgesetzt werden soll, darüber gibt es offenbar noch Klärungsbedarf. „Da müssen wir noch weiter diskutieren“, sagte Blatter.

          Viel weiter noch wäre der renommierte Basler Strafrechtler Mark Pieth wohl am liebsten gegangen. Als Vorsitzender der im Zentrum des Veränderungsprozesses stehenden Governance-Kommission, zu der ausgewiesene Anti-Korruptions-Kämpfer gehören, hatte er in den vergangenen Monaten aus den Erkenntnissen der Gespräche seiner Kommission sowie verschiedener Arbeitsgruppen bei der Fifa konkrete Kernforderungen erstellt, die er dem Fifa-Vorstand vortrug.

          Die Vorstandsrunde bleibt Antworten schuldig

          Pieth soll dabei sehr vom ehemaligen deutschen Fußballpräsidenten Theo Zwanziger unterstützt worden sein, der selbst im Exekutivkomitee sitzt und derzeit sehr engagiert an Satzungsänderungen bei der Fifa arbeitet. Öffentlich zeigte sich Pieth „sehr zufrieden“ mit dem Erreichten.

          Doch bei weiteren Forderungen der Pieth-Gruppe hielt sich der Fifa-Vorstand dezent zurück. Keine Entscheidung gab es in Sachen Nominierungskommission. Diese soll Funktionäre zukünftig auf ihre Integrität hin überprüfen. Diese Aufgabe soll wohl nun der Ethikkommission zugeteilt werden. Antworten blieb die Vorstandsrunde auch bei Fragen einer Amtszeitbegrenzung und Altersbegrenzung für Funktionäre schuldig.

          Sowieso muss erst einmal der große Fifa-Kongress Ende Mai in Budapest über die ersten Reformvorhaben befinden. Dabei hatte Blatter Reformen im Rennwagen-Tempo versprochen. Doch hat die Fifa-Regierung dafür wirklich genügend Antriebskraft?

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