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Fifa : Qatar schenkt Blatter den Kopf seines Rivalen

Zu Gast bei Freunden: Fifa-Familienkopf Blatter in Doha Bild: AFP

Der jordanische Prinz Ali wird Vizepräsident der Fifa. Ausgerechnet in Qatar schafft sich deren Präsident Blatter damit seinen gefährlichsten Konkurrenten vom Hals. Doch Blatters Machtspiel bleibt undurchsichtig - und unkalkulierbar.

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          Wenn im Weltfußball derzeit wegweisende Entscheidungen fallen, dann ist das kleine Wüstenemirat Qatar stets auf die eine oder andere Art beteiligt. Vor allem für den Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Joseph Blatter, hat der kleine Golfstaat inzwischen eine ganz besondere Bedeutung. Vor einem Monat bei der von Skandalen belasteten Doppelwahl für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 verteidigte Blatter trotz vieler Einwände den überraschenden Zuschlag für Qatar als WM-Ausrichter in elf Jahren. Am gestrigen Donnerstag konnte der Fifa-Präsident an Ort und Stelle einen wichtigen Sieg zur Absicherung seiner Position erringen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Doha, der Hauptstadt Qatars, wurde dem Fifa-Präsidenten der seit Jahren größte und gefährlichste Rivale aus dem Weg geräumt. In einer Kampfabstimmung der asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) handelte sich der Südkoreaner Chung Mong-joon eine schwere Niederlage ein. Der Milliardär aus der Familiendynastie, die den Hyundai-Konzern kontrolliert, verliert mit dem Posten als einer der Vizepräsidenten Blatters im Exekutivkomitee der Fifa den Zugriff im Weltfußball. Den hochdotierten Sponsorenvertrag mit Hyundai bis 2022 hatte sich die Fifa bereits im November gesichert.

          Statt Chung setzte sich der 35 Jahre alte Prinz Ali Bin Al Hussein durch. Er ist der Bruder des Königs von Jordanien und von Prinzessin Haya, Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, eine der beiden Ehefrauen des Herrschers von Dubai. Nicht nur die Macht im asiatischen Fußball verlagert sich damit noch mehr in die Golfregion – vor allem der 74 Jahre alte Blatter hat sich den Weg zu seiner geplanten Wiederwahl im Juni als Fifa-Präsident geebnet. Der kuweitische Scheich Ahmad Al Fahad Al Sabah, eigentlich Präsident der Nationalen Olympischen Komitees Asiens, aber mit größtem Einfluss in den Fußball-Netzwerken, sagte Blatter zu, dass alle 25 der 45 Fußballnationen, die für Prinz Ali stimmten, ihn auch unterstützen würden.

          Prinz und Strippenzieher: Der Jordanier Ali wird Fifa-Vize, die Pläne des Qatarers bin Hammam bleiben undurchsichtig

          Eine zentrale Rolle im Machtspiel nimmt Mohammed Bin Hammam ein. Der Qatarer sitzt seit Jahren an den wichtigsten Hebeln, ist Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee, Präsident der asiatischen Fußball-Konföderation, langjähriger Wahlhelfer Blatters und ein Freund des Emirs von Qatar. Mit dem Zuschlag für die WM 2022 erreichte Bin Hammam den Höhepunkt seines Wirkens.

          „Kopf, Hände und Beine ab“

          Schon länger wollten der Qatarer und Blatter den missliebigen Chung loswerden. Mit der Wahl vom Donnerstag bot sich eine gute Möglichkeit. Immer wieder arbeitete der Koreaner hinter den Kulissen gegen Blatter, 2002 wollte er den Schweizer Fifa-Präsidenten schon einmal stürzen – vergeblich. Seine Ambitionen schien er nie begraben zu haben.

          Auch der persönliche Eroberungsfeldzug Bin Hammams wurde von Chung bekämpft. Aus ihrer gegenseitigen Antipathie machten sie keinen Hehl. Der Koreaner bezeichnete Hammam als „Kriminellen“, der Qatarer seinerseits sorgte mit einer deftigen Verbalattacke für Aufsehen, als seine Machtposition vor zwei Jahren kurz wankte. „Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf, Hände und Beine ab“, sagte Bin Hammam an die Adresse Chungs. Das ist die nette Fußballfamilie, von der Blatter in seinen Feierreden gerne spricht.

          Der Neuling hat sich einiges vorgenommen

          Die Realität sieht anders aus. Man könnte im aktuellen Fall auch an einen Deal denken. Blatter hat die WM 2022 nach Qatar gebracht, dafür sichert die andere Seite die Wiederwahl des Schweizers im Mai als Fifa-Präsident. Doch das Machtspiel bleibt undurchsichtig – und unkalkulierbar. In den vergangenen beiden Jahren ist Bin Hammam etwas von Blatter abgerückt und hatte sogar eigene Ansprüche auf die höchste Position formuliert, die er aber wieder fallenließ. In einem Interview am Mittwoch schloss der Qatarer plötzlich eine Kandidatur für den Fifa-Chefsessel nicht aus.

          Derweil hat sich der Neuling in der Machtzentrale des Fußballs einiges vorgenommen. Er wolle die Fifa „transparenter“ und „offener“ machen, sagte Prinz Ali. Als Präsident des westasiatischen Fußballverbandes und Muslim fiel er zuletzt mit seiner für die Region revolutionär anmutenden Idee auf, am Golf eine Profiliga für Frauen aufzubauen. Alles gute Absichten. Man wird bald sehen, ob er nicht nur eine Schachfigur ist und ein Erfüllungsgehilfe der wirklich Mächtigen.

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