https://www.faz.net/-gtl-xpxw

Fifa-Präsidium : Brüder im Kampfe

Doch Bin Hammam will sich offenbar nicht auf den Job als Helfer reduzieren lassen. Er treibt eigene Ziele voran, legt viel Kraft und Geld in die Entwicklung des asiatischen Fußballs. „Vision Asia“ heißt sein Programm. Kräftig befördert werden die Aktivitäten vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer. Ein ganzer Kontinent entwickelt im Schlepptau von China und Indien ein neues Selbstbewusstsein, zugleich drängt die Golfregion mit ihren Öl- und Gas-Reichtümern als wichtiger Mitspieler auf die Weltkarte.

Schließlich fühlt sich Bin Hammam vom flatterhaften Blatter hintergangen. Der Schweizer mischt sich plötzlich in asiatische Angelegenheiten ein und unterstützt seinen einstigen Gefährten nicht mehr bedingungslos. Im eigenen Hause hat Blatter schon mehrere Generalsekretäre und PR-Manager verschlissen. Vor einem Jahr sagt Blatter, dass die Beziehung „ganz plötzlich zerbrochen“ sei.

„Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf und Hände ab“

Seither verstärkte der Mann vom Golf seine eigene Machtbasis. Dabei scheut der sanft wirkende Strippenzieher auch nicht vor rabiaten Mitteln zurück. Als es 2009 um seinen Sitz im Exekutivkomitee der Fifa geht, schlägt er mit Hilfe von Tricksereien eine Revolte in Asien nieder und sorgt mit einem Satz für viel Aufsehen. „Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf und Hände ab“, raunzte Bin Hammam. Die asiatische Sportwelt schrie auf. Gemeint war der mächtige Südkoreaner Chung Mong-joon, der selbst schon mal gegen Blatter aufbegehrte und nun den aufstrebenden Qatarer abservieren wollte. Das misslang.

Gerade hat der Hyundai-Milliardenerbe auch noch seine Position als Fifa-Vizepräsident verloren. Dafür wurde auf der Versammlung der Asiaten vor drei Wochen in Doha der junge, in höheren Fußball-Fragen bisher völlig unerfahrene Bruder des Königs von Jordanien nominiert. Somit hat keine der wichtigen Fußballnationen Asiens - Japan, Südkorea, China, Iran und Saudi-Arabien - mehr eine Repräsentanz in der Fifa-Regierung. Dafür sitzen nun vom Mai an Vertreter aus Jordanien, Sri Lanka, Thailand und natürlich Qatar in diesem Gremium.

Der Dilettantismus von Blatters Organisation

Die sensationelle Wahl Qatars zum WM-Ausrichter hat gezeigt, welche Einflussmöglichkeiten mittlerweile vorhanden sind. Die alte Fußballwelt schaut verunsichert zu und steht wie angewurzelt in der Defensive. Der sonst so mitteilsame Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, will sich derzeit mit Kommentaren zurückhalten. Er will Mitte des Jahres als Nachfolger von Franz Beckenbauer ins Fifa-Exekutivkomitee. Der europäische Fußball-Präsident Michel Platini, selbst Mitglied im höchsten Fifa-Gremium, fällt derweil damit auf, dass er eine Verlegung der Hitze-WM in den Winter und eine Turnierteilhabe weiterer Golf-Länder fordert. Bin Hammam ließ ihn gestern wieder abblitzen. An den offiziellen Planungen soll festgehalten werden. Die Vorschläge Platinis zeigen den Dilettantismus von Blatters Organisation, lagen die Fakten zu den verschiedenen WM-Bewerbern doch vor dem Wahlprozedere schwarz auf weiß vor. Beckenbauer konnte sich jedoch nicht daran erinnern, dass über das Hitzeproblem geredet wurde. Die Mitglieder des Komitees erhalten sechsstellige Jahresbezüge und fette Spesen.

Bin Hammam hat die merkwürdige Gemengelage geholfen. Doch das Spiel um den finalen Schritt an die Spitze bleibt undurchsichtig. Dass er zuletzt mehr Transparenz forderte, ist löblich, aber erscheint in seinem Fall eher skurril. Es bleibt abzuwarten, ob Blatter nun wirklich herausgedrängt wird. Vielleicht nützt dem Qatarer ein schwacher Fifa-Präsident mehr, und er plant die Übernahme zu einem späteren Zeitpunkt. Denn ein bisschen Ungewissheit bleibt immer. Und schließlich ist der Hausherr in Zürich ein Überlebenskünstler. „Niemand kann gegen ihn gewinnen“, sagte Bin Hammam einmal über Blatter. Seinen freiwilligen Rückzug plant der Schweizer für 2015. Aber auch da sollte man nicht zu sicher sein.

Mitarbeit von Arunava Chaudhuri

Weitere Themen

Radsport-Kampfansage aus Raubling

Team Bora-hansgrohe : Radsport-Kampfansage aus Raubling

Das Team Bora-hansgrohe will die Nummer eins im Radsport werden. An Frontmann Sagan kam lange niemand vorbei. Doch jetzt kommen junge Rennfahrer mit ganz besonderen Ambitionen.

Topmeldungen

Individuelle Mobilität : Ein Lob auf das Auto

Einst galt das Auto als des Deutschen liebstes Kind, jetzt tut mancher so, als trage es die alleinige Schuld am Weltuntergang. Die überwältigende Mehrheit der Bürger aber will und kann nicht auf das Auto verzichten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.