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Fifa-Präsidentschaftskandidat Champagne : „Ich bin nicht Blatters Torpedo“

Jerome Champagne will 2015 Fifa-Präsident werden Bild: AFP

Jérôme Champagne will 2015 Blatter als Fifa-Präsident ablösen. Im F.A.Z.-Interview spricht der Franzose über seine Kandidatur, Probleme mit Geldwäsche, Langeweile in den europäischen Ligen und die WM in Qatar.

          Wie erwartet, hat der 55 Jahre alte Jérôme Champagne sich als erster Kandidat für die Präsidentenwahl im Jahr 2015 beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) in Position gebracht. Bei einer Pressekonferenz in London am Montag stellte der frühere französische Diplomat und stellvertretende Fifa-Generalsekretär seine ersten Pläne vor.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einem vorab geführten Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung begründete er seinen Schritt, den langjährigen Fifa-Chef Joseph Blatter bei der Wahl im Mai nächsten Jahres ablösen zu wollen. „Wir brauchen eine starke Fifa. Die nahe an den Menschen ist, Glaubwürdigkeit und Transparenz vermittelt und vor allem den Nationalverbänden in aller Welt dient. Die Präsidentenwahl wird darüber entscheiden, welchen Fußball wir in den nächsten zehn oder fünfzehn Jahren haben werden“, sagte Champagne der F.A.Z.

          Zugleich widersprach er Spekulationen, dass seine Kandidatur nur die Vorhut für den aktuellen Fifa-Chef Blatter sein könnte, um dessen größten Widersacher Platini im Hinblick auf eine Wiederwahl zu schaden. „Absoluter Nonsens. Ich bin nicht Blatters Torpedo. Ich helfe niemandem und will Michel Platini auch nicht schaden. Ich verteidige meine Ideen und fordere eine Debatte.“

          Mit der korrupten Vergangenheit der Fifa, für die er zehn Jahre arbeitete, will er nichts zu tun haben. Auch von Stimmenkauf unter Blatter will er nichts mitbekommen haben. „Ich bin sauber. Bei mir finden Sie nichts.“ Die Diskussion um die umstrittene WM in Qatar 2022 sieht er noch lange nicht am Ende. „Einfach zu sagen, man wechselt in den Winter, ist sehr naiv.“

          „Der europäische Fußball war vor zwanzig Jahren homogener“

          Champagne kritisiert vor allem die finanziellen Ungerechtigkeiten in der Fußballwelt. „Es ist heute zwar mehr Geld im asiatischen oder afrikanischen Fußball als vor zwanzig Jahren. Doch der Unterschied zu Europa ist trotzdem größer geworden. Auch der europäische Fußball war vor zwanzig Jahren homogener. Es war möglich für Klubs aus kleineren Ländern, ins Viertelfinale des Landesmeisterpokals vorzudringen. In dieser Champions-League-Saison kommen 13 der 16 Teams im Achtelfinale aus den fünf größten Ligen. Alles konzentriert sich nur noch auf eine kleine Elite. Sie bestimmt über die besten Spieler, die Geldflüsse und ihr eigenes Erscheinungsbild. Wir müssen uns entscheiden, ob der Fußball für alle offen sein soll oder bald nur noch wie eine NBA im Basketball funktioniert – zwar hoch interessant, gespickt mit Stars, aber isoliert vom großen Rest. Die überwiegende Zahl der Fifa-Mitgliedsverbände wären dann abgehängt“, sagte der ehemalige Fifa-Mann.

          Er räumte auch die Probleme des Fußballs mit Geldwäsche und organisierter Kriminalität ein. Bisher haben sich weder Blatter noch sein ständiger Widersacher Platini als Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) geäußert, ob auch sie zur Wahl antreten wollen.

          „Manche freuen sich, wenn der Präsident keinen Erfolg hat“

          Champagne wurde im Jahr 2010 aufgrund von neuen Machtkonstellationen vom Fifa-Präsidenten Blatter fallengelassen. Er war damals politischer Berater des Schweizers bei der Fifa. Er kündigte einige Veränderungen an, falls er im nächsten Jahr vom Fifa-Kongress gewählt würde. So wolle er sich dafür einsetzen, dass die einzelnen Nationalverbände wieder mehr Macht erhielten. „Es gibt bei der Fifa ein Demokratieproblem. Herr Obama bestimmt seine Minister, wenn er gewählt wird. Auch Frau Kanzlerin Merkel stellt ihr Kabinett zusammen. Bei der Fifa wählen zwar die 209 Nationalverbände den Präsidenten, der kann seinen Vorstand aber dann nicht berufen. Dessen Mitglieder werden von den einzelnen Erdteil-Konföderationen wie der Uefa bestimmt, die dann meist ihren eigenen Interessen nachgehen. Der Präsident steht da ziemlich alleine“, sagte Champagne.

          „Es gibt da Leute (im Vorstand), die nicht wollen, dass sich die Fifa ändert. Die wollen keine starke Fifa. Manche freuen sich, wenn der Präsident keinen Erfolg hat. Deshalb fordere ich, dass die Vorstandsmitglieder von den Nationalverbänden gewählt werden, damit der Fifa-Präsident auch die Möglichkeit bekommt, sein Programm mit seiner Mannschaft umzusetzen.“

          „Die Fifa repräsentiert nicht mehr die Welt von heute“

          Zudem will er sich dafür einsetzen, dass der Vorstand als höchstes Fifa-Gremium die Kräfteverhältnisse verändert. „Die Fifa repräsentiert nicht mehr die Welt von heute. Es kann doch nicht sein, dass Europa mit 54 Nationalverbänden über acht Sitze im Fifa-Vorstand verfügt und Afrika mit ebenso vielen Ländern nur auf vier Vertreter kommt. Asien hat mit zwei Dritteln der Weltbevölkerung auch nur vier Sitze. Das muss angepasst werden. Wenn wir die Fifa stärker, demokratischer und respektierter haben wollen, dann muss die Besetzung des Vorstandes verändern werden. Wir müssen auch die wichtigsten Interessengruppen wie die Spieler, Vereine und Ligen in die Entscheidungen einbinden.“

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