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Fifa-Präsidentschaft : Platini unter Zugzwang

  • -Aktualisiert am

Für Michel Platini steht derzeit einiges auf dem Spiel Bild: dapd

Fifa-Präsident Blatter nutzt die Schwächen seines Uefa-Kollegen Platini und treibt ihn vor sich her. Für den Franzosen steht ein risikoreiches Match an. Bei einer Niederlage wäre er raus aus dem großen Spiel.

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          Lange Zeit flogen Michel Platini die Erfolge nur so zu. Der ehemalige Fußballstar galt als vielversprechender Praktiker im Businessanzug, als er im Jahr 2007 mit der Wahl zum Präsidenten der Europäischen Fußballunion (Uefa) die Macht im europäischen Fußball an sich zog.

          Der Franzose setzte sich damit vor allem an die Spitze der milliardenschweren Klubbewegung, fütterte die Geldmaschine Champions League, füllte weiter die Konten seiner Organisation und erfand nebenbei noch das populäre Thema Financial Fairplay, das ihm vor allem den Beifall unterentwickelter Fußballregionen Europas einbrachte. Alles schön und gut.

          Aber nun läuft es nicht mehr so rund für den 58 Jahre alten Topfunktionär, der seine Karriere eigentlich mit der Übernahme des höchsten Postens beim Internationalen Fußballverband Fifa krönen wollte. Dieser Montag aber ist für Platini ein schwarzer Tag, weil sich mit Jérôme Champagne ein neuer, gefährlicher Herausforderer für den Fifa-Präsidentschafts-Wahlkampf präsentierte.

          Der einstige Ballkünstler mit dem Blick für den schnellsten Weg zum Tor wirkt derzeit wie ein nervöser Zauderer. Er kämpft mit schweren taktischen Fehlern wie seiner Nähe zum umstrittenen WM-Land Qatar, tritt mit der Uefa in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen auf der Stelle und zeigt sich bei Themen, die ein Zupacken verlangen, als biederer Bremser.

          Blatter nutzt Platinis Schwächen

          Der Menschenrechtsausschuss des Europäischen Parlaments kritisierte am Wochenende das Desinteresse des Uefa-Chefs an Themen, die die Welt heute bei Großveranstaltungen bewegen; zum Beispiel an der Ausbeutung von Arbeitskräften auf Turnierbaustellen. Platinis fast zwanzig Jahre älterer, um keinen noch so gewieften Trick verlegener Hauptgegner Joseph Blatter nutzt diese Schwächen, treibt den Rivalen vor sich her.

          Dies ist umso erstaunlicher, steht Blatter doch für das korrupte Fifa-System der Vergangenheit. Dennoch kokettiert dieser mit einer fünften Präsidentschaft ab 2015. Champagne als Alternative in diesem Spiel um die Macht im Weltfußball schadet zuallererst Platini, der sich nun unter diesem Druck schnellstens bekennen müsste zu seinem Interesse auf den Fifa-Chefposten. Andernfalls geriete er in einen Rückstand gegenüber dem neuen Herausforderer.

          Ein schweres, risikoreiches Match

          Champagne, ein ehemaliger Diplomat, war bis 2010 der politische Berater Blatters, bis dieser ihn auf Druck von Machtkonstellationen im Vorstand fallenließ. Platini muss nun sogar eine geballte Gegnerschaft befürchten: Falls Blatter und dessen ehemalige rechte Hand im Präsidentenbüro paktierten, dann würde der Uefa-Chef in die Zange genommen.

          Der einstige Mittelfeldspieler steht also vor einem schweren, risikoreichen Match. Für die Fifa-Wahl im Mai 2015 müsste Platini - in der Annahme seines Erfolges - zuvor auf seine Uefa-Präsidentschaft verzichten. Bei einer Niederlage wäre er raus aus dem großen Spiel, das Champagne an diesem Montag eröffnet hat.

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