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Fifa-Präsidentenwahl : Wenn der Bock zum Gärtner wird

Alte Freunde: DFB-Chef Niersbach und Uefa-Präsident Platini (r.) Bild: Picture-Alliance

Mit deutscher Hilfe soll Michel Platini als neuer Fifa-Chef installiert werden – unterstützt von einer alten Adidas-Connection. Ein Neuanfang sieht anders aus.

          Deutschland gehört zu den führenden Fußballnationen und hat die Geschichte dieses Sports auch als Ausrichter erfolgreicher WM-Turniere maßgeblich mitgeprägt. Dass sich die Verantwortlichen aus dem Land der Weltmeister in der tiefsten Krise des Weltverbandes (Fifa) mutig an die Spitze einer Erneuerungsbewegung setzen - davon ist bisher aber nichts zu sehen. Dafür wird taktiert, im Hintergrund geschachert und in den üblichen Funktionärszirkeln geklüngelt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So stören sich einige Politiker in Berlin schon an der mangelnden Führungsverantwortung in Sachen Fifa, auch deshalb, weil ausgerechnet der europäische Fußballpräsident Michel Platini offenbar mit Hilfe der Deutschen als neuer Fifa-Chef installiert werden soll - unterstützt von einer alten Adidas-Connection.

          Blatters erster Gratulant

          Dabei steht Platini doch für die Garde zweifelhafter Funktionäre und vor allem für das vielkritisierte System Blatter. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), hat größte Vorbehalte gegen diesen Plan. „Die Rolle von Michel Platini ist aus meiner Sicht durchaus kritisch zu sehen“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er sei bei der Wahl im Mai ja der Erste gewesen, der Blatter freudestrahlend zum Sieg gratuliert habe, nachdem er ihn vorher vehement zum Verzicht aufgefordert hätte. „Das lässt mich an der erforderlichen Distanz zweifeln. Für einen wirklichen Neuanfang ist Platini sicher nicht der Richtige“, sagt die Bundestagsabgeordnete.

          Vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, kommen vor der Sondersitzung des Fifa-Vorstands an diesem Montag in Zürich keine überraschenden Vorstöße. Niersbach verweist im Gegenteil darauf, dass weitere Reformpakete doch erst nach der Wahl des neuen Fifa-Präsidenten angegangen werden können.

          Währenddessen befindet sich die Fifa in einer gefährlichen Hängepartie. Bei einem Hearing im amerikanischen Senat in dieser Woche wurde wieder angeführt, dass die Fußballorganisation zumindest in Teilen als eine Art kriminelle Vereinigung gesehen werden könne. Zugleich willigte einer der in der Schweiz inhaftierten Funktionäre, der ehemalige Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb aus der Karibik, in die Auslieferung an die Vereinigten Staaten ein. Als einer der Hauptbeschuldigten im Korruptionsverfahren will er offenbar mit den Behörden kooperieren, was den Druck wiederum auf Blatter und die Fifa stark erhöhen könnte. Am Samstag wurde zudem bekannt, dass der Präsident des bolivianischen Fußballverbandes, Carlos Chávez, wegen Korruptionsverdachts in seiner Heimat festgenommen wurde.

          Die Schweizer Staatsanwaltschaft ließ dieser Tage wissen, dass ihre Untersuchungen gegen Fußballfunktionäre zu weiteren Geldwäschevorwürfen geführt haben. Der sonst so reiselustige Blatter hält sich derzeit in der sicheren Schweizer Heimat auf, um nicht doch aufgrund neuer Untersuchungserkenntnisse eine Auslieferung an die Vereinigten Staaten zu riskieren. Die Ermittlungstaktik der Amerikaner ist nicht durchschaubar, was die Sache für die Fifa noch gefährlicher macht. Bekommt die Justiz aus den Vereinigten Staaten mit den aktuellen Bestechungsfällen auf dem amerikanischen Fußball-Kontinent eine Verknüpfung mit der Fifa hin, dann könnte sogar das Fortbestehen des Weltverbandes bedroht sein, glauben Insider. Die Schweizer Großbanken mussten im Zuge des Steuerhinterziehungsskandals Milliardenstrafen an den amerikanischen Staat zahlen.

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