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Fifa-Boss Blatter : Mein Gott, Sepp!

  • -Aktualisiert am

Hat Joseph Blatter womöglich auch übernatürliche Kräfte? Bild: AP

Dass Joseph Blatter an Gott und vor allem sich selbst glaubt, ist weithin bekannt. Mit seinem Vergleich, der Fußball sei bedeutender als die Weltreligionen, dringt der Fifa-Boss jedoch in neue Sphären vor. Ist Sankt Sepp nun endgültig abgehoben? Halleluja!

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          Bevor wir jetzt wieder routinemäßig loslegen mit dem allfälligen Blatter-Bashing und uns vollkommen sinnlos aufregen über das, was der Fußball-Weltpräsident jetzt schon wieder Absurdes von sich gegeben hat, sollten wir vielleicht noch einmal nachdenken. Es hat nämlich alles seine Logik, was er jüngst der Schweizer „Sonntagszeitung“ in einem Interview auseinandergesetzt hat, und man versteht ihn auch, wenn man die nötigen Hintergrundinformationen hat.

          Für sich gesehen, denkt man natürlich, Halleluja, jetzt ist Sankt Sepp endgültig abgehoben. Er behauptet, der Fußball sei nicht nur einflussreicher als jedes Land der Erde, sondern auch als jede Weltreligion. Aber wenn man voraussetzt, dass er sich selbst für den Weltpräsidenten und für Gott hält, wird ein Fußballschuh daraus. Er bringt uns ja selbst auf die Spur: Er sagt, er glaubt an Gott. Und an sich selbst.

          Funktionärstaschen werden zu Klingelbeuteln

          Liebe Fußballgemeinde, wer wird da noch zweifeln? Ein bisschen ungünstig nimmt sich in diesem Zusammenhang zwar die Tatsache aus, dass er vergangenes Jahr lieber nicht auf die Kanzel des Fußballdoms zu São Paulo stieg, um zu Brasiliens Gemeinde zu sprechen, weil er Buhrufe und Pfiffe fürchten musste. Aber Sankt Sepp hat natürlich ein großzügiges und verzeihendes Herz, denn die Schlechtigkeit der Menschen ist ihm, dem Herrscher über den Spieltrieb und Maestro der Geldgier, nicht fremd.

          Im Gegenteil, er hat gelernt, das Beste draus zu machen. Die Umwandlung von Funktionärstaschen in Klingelbeutel jedenfalls hat erhebliche Wirkung gezeigt. So konnte er hienieden echte Wunder wirken. Zum Beispiel den Winter in Sommer wandeln. Und Sand in Geld. Und Geld wiederum in Wählerstimmen. Da können die Europäer noch so dazu kläffen, das interessiert den Allmachts-Schweizer einen krummen Hund.

          Unleugbar auch, dass Staatschefs und Industriekapitäne angesichts des Fußballs werden wie die Kinder. Da müssen die Weltreligionen erst einmal Paroli bieten. Nur eines sollte uns Sankt Sepp noch näher erläutern. Es ist zwar klar, dass er sich mit seinen 79 Jahren noch ziemlich frisch fühlt im Vergleich zu den jahrtausendealten Göttern der anderen Weltreligionen. Aber für unsterblich scheint er sich trotzdem nicht zu halten, ja, er hofft nicht einmal auf eine weitere Inkarnation auf dem grünen Rasen. Blatter plant anders: Erst noch eine ganze Weile weiterherrschen und sich dann irgendwann flach legen.

          Sein Vater habe ihm schon immer gesagt, ausruhen könne er sich dann auf dem Friedhof, erzählte Sankt Sepp der Heimatzeitung. Und das hat er offenbar auch vor. Nur der Ball wird weiterrollen. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Abpfiff.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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