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Fifa-Präsident Joseph Blatter : Immer weiter aus Liebe zur Macht

  • -Aktualisiert am

„Das Spiel entwickeln, die Welt berühren und eine bessere Zukunft gestalten”: Joseph Blatter Bild: dpa

An diesem Donnerstag wird Joseph Blatter 75 Jahre alt - und sieht für sich keine Grenze. Im Juni wird er wohl für vier weitere Jahre zum Fifa-Präsidenten gewählt. Die Liebe zur Macht ist beim großen Taktiker und Strippenzieher unerschütterlich.

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          Nur die Liebe zählt. So dezidiert würde sich Joseph Blatter, der an diesem Donnerstag 75 Jahre alt wird, nicht äußern. Immerhin aber hat der Mann, für den angeblich nur der Fußball zählt, dieser Tage nach drei gescheiterten Ehen seine Sehnsucht nach einer neuen, ganz persönlichen Liaison preisgegeben: „Wer weiß, vielleicht trifft mich die Liebe noch einmal.“

          Wo? Vermutlich in den exquisiten Räumlichkeiten des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) in Zürich, wo Blatter als Chef des Ganzen in bester Wohnlage daheim und ganz bei sich ist, morgens meist als Erster kommt und abends oft als Letzter geht. Der privat charmante, umgängliche Fifa-Präsident ist indes allzu oft als rastloser Fußballpolitiker und Krisenmanager seines Weltverbandes gefragt, um sein Privatvergnügen am Leben auskosten zu können.

          Auch mit 75 sieht dieser gedrungene, dynamische Walliser mit der hohen Stirn und den intensiv und dunkel leuchtenden Augen nicht wie ein Pensionär aus. Er zumindest hält sich für stark genug, die Fifa weitere vier Jahre anführen zu können. Wird Blatter am 1. Juni in Zürich zum vierten Mal zum Vormann des Weltfußballverbandes gewählt – und daran zweifeln nur die wenigsten –, will er bis 2015 durchhalten. Fußball hält jung – davon ist zumindest einer in der Fifa überzeugt: Präsident Blatter selbst, der den Fußball seit 1998 regiert.

          Blatter selbst stimmte gar nicht für Qatar

          Er hat in dieser Zeit eine Reihe von Skandalen und Affären überstanden, die nicht selten das hässliche Etikett „Korruption“ trugen, und ist dabei manche Weggefährten losgeworden, die er gebraucht hat, um seine Macht abzusichern. Joseph Blatter gehört zu jenen schillernden Sportfunktionären, denen alles zugetraut wird, die keinen übermäßig hohen Vertrauensschutz genießen und doch immun scheinen gegen heftigste Anwürfe und intensiven Verfolgerehrgeiz.

          Dass um ihn herum im Fifa-Regierungsorgan Exekutivkomitee nicht nur blütenreine Saubermänner saßen und sitzen, ist längst aktenkundig, ohne dass Blatter deswegen den Anschein erweckte, wie ein brutalstmöglicher Aufklärer dagegen vorzugehen. Dafür hat er ja eine Fifa-Ethikkommission eingesetzt mit Damen und Herren seines Vertrauens.

          Der Fifa-Präsident selbst hat eine Fülle unangenehmer Augenblicke und schwieriger Monate überstanden, wenn auch nicht immer makellos. Die merkwürdige Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Qatar durch das Fifa-Exekutivkomitee hallt noch immer nach. Dabei hat der aus kleinen Verhältnissen nach ganz oben durchgestartete Schweizer selbst nicht einmal für den Ministaat am Golf gestimmt – Blatter hätte die Vereinigten Staaten als Gastgeber der Titelkämpfe in elf Jahren vorgezogen.

          Er will als Herr der schwarzen Zahlen glänzen

          Im Dezember des Vorjahrs aber wurde der große Taktiker und Strippenzieher von seinem Gegenspieler Mohamed Bin Hammam ausgetrickst. Der Qatarer aus der Fifa-Exekutive lässt seitdem gern durchblicken, eventuell am 1. Juni gegen Blatter zu kandidieren. Der Geschäftsmann, der Blatters frühere Wahlkämpfe zu finanzieren half, hat noch bis zum 1. April Zeit, sich zu entscheiden. Seine Chance, gewählt zu werden, beziffern Fifa-Insider jedoch als minimal.

          Also wird der Altmeister, dessen Verband bei Blatters Lieblings-WM, den vorjährigen Titelkämpfen in Südafrika, auch noch reichlich Geld einsammelte, weiterhin auch als Herr der schwarzen Zahlen zu glänzen versuchen. Inzwischen ist die vor Blatters Regierungsübernahme reichlich marode Fifa ein Milliardenkonzern mit Rücklagen von 1,3 Milliarden US-Dollar (knapp eine Milliarde Euro).

          Nichts ist unmöglich - schon gar nicht bei diesem Präsidenten

          Mit dieser Bilanz des krisenfesten Reichtums wird Blatter Anfang Juni vor die Delegierten des Fifa-Kongresses treten – und damit das Versprechen verbinden, die 208 Mitgliedsverbände wie üblich mit üppigen Ausschüttungen zum Wohle des Fußballs zu bescheren. So hat der nimmermüde Alte noch jede Wahl gewonnen.

          Wer wie Blatter seine Fifa-Mission mit dem Vorsatz, „Das Spiel entwickeln, die Welt berühren und eine bessere Zukunft gestalten“ definiert und zur pathetischen Rede neigt, mag auch schon mal daran denken, ob er sich nicht mit 79 noch einmal zur Wahl stellen sollte. Nichts ist unmöglich – schon gar nicht bei diesem Präsidenten. Seine Liebe zur Macht ist unerschütterlich – so lange, bis ihn seine Untertanen eines Tages abwählen oder absetzen. Beispiele hierfür liefert die Politik derzeit frei Haus.

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