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Kommentar : Trump ohne Haare

  • -Aktualisiert am

Die Botschaft des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ist unmissverständlich. Bild: EPA

Ein Präsident geht hin und feuert seinen obersten Ermittler. Nein, es geht nicht um Donald Trump sondern um Fifa-Chef Infantino. Der hat im amerikanischen Präsidenten seinen Vordenker gefunden.

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          Kennen Sie den? Ein Präsident geht hin und feuert seinen obersten Ermittler, weil der es gewagt hat, ein Verfahren gegen ihn einzuleiten. Donald Trump vielleicht? Nein, nicht Trump diesmal. Der hat Haare und verirrt sich nur selten in den Sportteil. Hier geht es um Gianni Infantino, einen der Möchtegern-Trumps, die sich jetzt aus den Vereinigten Staaten die testosterongeladenen Vorlagen geben lassen für ungeniertes Machtdenken, gepaart mit einer dramatischen Immunität gegen Argumente von Leuten, die meinen, man müsste sich um Fairness, demokratische Kontrollmechanismen und insgesamt um einen guten Ruf bemühen.

          Infantino ist ebenfalls Präsident, wie Trump, wenn auch vergleichsweise im Kleinformat. Sein Tätigkeitsbereich beschränkt sich auf Kicken und Pfeifen, das Fußballspiel also. Aber klar: Das kann im Vergleich mit Trump sogar als sicherer Punkt für den Schweizer gewertet werden, denn der Fußball hat die Trumphaftigkeit ja eigentlich schon vor Trump erfunden. Der verurteilte Steuerbetrüger Uli Hoeneß vom FC Bayern München gilt da als Paradebeispiel. Der Präsidentenkollege vom Freistaat-Klub FC Bayern brachte es gerade wieder fertig, sich im Steuerparadies Liechtenstein als Märtyrer des Gutmenschentums hinzustellen. Vielleicht war die Uli-Show den Zuhörern ja das hohe Eintrittsgeld wert. Verkehrte Welt, denn wenn das so weitergeht mit der neuen Dreistigkeit, muss man sogar langsam sagen: präsidiables Auftreten.

          Fifa-Präsident : Infantino geht in die Offensive

          Alle drei haben natürlich etwas gegen Nichtjubler, und da fallen ihnen die Sauertöpfe von den Medien besonders negativ auf. Bei Uli Hoeneß hört sich das manchmal so an, als hätten die Journalisten seine Steuern hinterzogen und nicht er. Und bei Fifa-Chef Infantino klingt es, als täten die Medien nur so, als betonierte er gerade Mauern, um seine Macht zu festigen, statt den Reformprozess der Fifa auf transparente und demokratische Weise voranzutreiben. Das seien alles „Fake news“ und „alternative Fakten“, sagte er am Donnerstag beim Fifa-Kongress in Bahrein, weil ihm natürlich kein Schlagwort aus der Trump-Welt zu blöd ist, um es nicht zu übernehmen.

          Tatsache ist, dass er sich unter Umgehung demokratischer Auseinandersetzungen diese Woche des eigenen Chefanklägers und Chefrichters entledigt hat, weil sie ihm zu stark waren. (Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Er hat sie nicht gefeuert, sondern verhindert, dass sie noch einmal gewählt werden konnten.) Auch den Chef der Governance-Kommission hat er abserviert, weil der ihm zu eigenmächtig wurde.

          Die Botschaft des Präsidenten ist unmissverständlich. Erstens: Infantino hat immer recht. Und zweitens: Wer nicht spurt, fliegt. Damit kommt er durch, schließlich dirigiert er ja einen Kongress der Jasager. Ein Luxus, um den ihn sein Vordenker Trump beneiden dürfte.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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