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Vorwürfe gegen Fifa-Präsident : „Für mich ist diese ganze Sache absurd“

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„Es ist legitim, seine Mitwirkung anzubieten, um diese Sachen aufzuklären“: Gianni Infantino Bild: dpa

In der Schweiz ist Gianni Infantino in eine Justizaffäre verwickelt. Es geht um drei nicht protokollierte Geheimtreffen mit Bundesanwalt Michael Lauber. Nun wehrt sich der Fifa-Präsident gegen Vorwürfe.

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          Gianni Infantino war bester Laune. Schließlich wollte sich der Fifa-Präsident am Donnerstagabend als großer Gönner loben lassen. Soeben hatte er ein 1,5 Milliarden Dollar schweres Hilfspaket für den Weltfußball in der Corona-Krise verkündet, dazu Australien und Neuseeland als Ausrichter der Frauen-WM 2023 präsentiert – nichts weniger als ein „Meilenstein“, wie er meinte. Doch plötzlich sah sich der mächtigste Fußballfunktionär der Welt schon wieder in die Ecke gedrängt.

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          Der leidige Justizskandal in seiner Schweizer Heimat kam zur Sprache, in den der 50-Jährige maßgeblich verwickelt ist. Es geht um drei nicht protokollierte Geheimtreffen zwischen Infantino und dem Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber (54), die 2016 und 2017 stattgefunden haben, der Vorwurf der möglichen Beeinflussung steht im Raum. Die Treffen sollen auf Wunsch Infantinos arrangiert worden sein – Lauber hatte zu diesem Zeitpunkt aber mehrere Verfahren im Bereich des Weltfußballs geleitet.

          „Für mich ist diese ganze Sache absurd“, sagte Infantino am Donnerstag, als er auf der Pressekonferenz nach der virtuellen Council-Sitzung des Weltverbandes auf die Causa Lauber angesprochen wurde: „Sich mit dem Bundesanwalt der Schweiz zu treffen, ist völlig legitim und legal.“

          Allzu korrekt dann aber doch nicht, gegen Lauber wurde inzwischen ein Amtsenthebungsverfahren „aufgrund des begründeten Verdachts einer schweren vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Amtspflichtverletzung“ eröffnet, wie die Gerichtskommission des Schweizer Parlaments im Mai mitteilte. Als Chefankläger hatte Lauber zunächst auch das Verfahren im Sommermärchen-Skandal um die WM-Vergabe 2006 nach Deutschland geleitet, das Ende April wegen Verjährung eingestellt wurde, dem die Fifa laut Infantino aber „selbstverständlich“ weiter nachgehen werde.

          „Es ist legitim, seine Mitwirkung anzubieten, um diese Sachen aufzuklären“, sagte Infantino weiter zu seiner Verteidigung, und sowieso: „Es kann nicht geheim sein, wenn man einen Staatsanwalt in einem zivilisierten Land trifft.“ Den Inhalt des Treffens im Juni 2017 wollen aber alle Beteiligten vergessen haben. Mehrmals sprach Infantino auf der Pressekonferenz von der „alten Fifa“ – die unter seinem Vorgänger Sepp Blatter also, in der Korruption und Mauscheleien tief verwurzelt waren. In der „neuen Fifa“, die er seit 2016 leitet, so Infantino, sei dies natürlich alles anders.

          „Man weiß von jedem Dollar, wo er hinging und woher er kam“, sagte er mit Verweis auf die Finanzberichte der Fifa. Dabei wurde auch dies zuletzt stark infrage gestellt, war Infantino doch wegen des Einsatzes eines Privatjets in Erklärungsnot geraten. Laut „Süddeutscher Zeitung“ ließ Infantino im April 2017 als Begründung für eine teure Rückreise per Privatflugzeug aus Surinam ein Treffen mit Uefa-Präsident Aleksander Ceferin angeben – das angeblich aber frei erfunden war. Alles habe laut Fifa aber den „Regeln und Vorschriften“ entsprochen. Es passt in eine Welt, in der eben auch Geheimtreffen mit Staatsanwälten „völlig legitim“ sind.

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