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Fifa-Präsident Infantino : Ist der Ruf erst ruiniert

Alles wie gehabt? Fifa-Präsident Gianni Infantino. Bild: Reuters

Fifa-Chef Gianni Infantino wollte als Nachfolger von Joseph Blatter den Weltfußball erneuern. Getan hat er aber etwas ganz anderes. Es ist die Geschichte einer Verschwörung.

          Als der Schweizer Sportfunktionär Gianni Infantino am 26. Februar im Züricher Hallenstadion von der Mehrheit der Nationalverbände zum neuen Präsidenten der Fußballweltorganisation gewählt wurde, erklärte er die Krise der durch Korruptionsvorwürfe beschädigten Fifa für beendet. Er wolle eine neue Ära einläuten, sagte der Blatter-Nachfolger. Dann stellte der drahtige, stets sportlich auftretende Mittvierziger noch eine Forderung an die Öffentlichkeit: „Jetzt muss uns wieder der Respekt entgegengebracht werden, der dem Fußball gebührt.“ Infantino – der Erneuerer der Fifa?

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Davon kann keine Rede sein. Drei Monate nach seinem selbstbewussten Auftritt wird die Fifa wieder von Turbulenzen erfasst. Schon die jüngsten Rücktritte, die überraschende fristlose Entlassung des geschäftsführenden Generalsekretärs Markus Kattner am vergangenen Montag und die anhaltenden Ermittlungen von Staatsanwälten zeugen von Infantinos Schwierigkeiten, den schlechten Ruf des Verbandes loszuwerden. Nun liegen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Informationen vor, die den Präsidenten, aber auch das fast dreißig Mitglieder umfassende Fifa-Council als höchstes Gremium des Weltverbandes schwer belasten.

          Aussagen und Gedächtnisprotokolle von Teilnehmern zweier Council-Sitzungen am 10. und 13. Mai in Mexiko-Stadt, wo gleichzeitig der Fifa-Kongress mit Teilnehmern aus allen Nationalverbänden stattfand, stellen die Integrität, die Glaubwürdigkeit, das immer wieder postulierte Fairplay-Prinzip und die Reformbereitschaft der Topfunktionäre in Frage. Denn die Auswertung der Quellen ergibt ein desaströses Bild – trotz des Rückzuges und der sechsjährigen Sperre des Patrons Joseph Blatter.

          Nachweisen lässt sich das am Umgang mit dem Chefkontrolleur Domenico Scala. Bei den Sitzungen in Mexiko-Stadt, das belegen die der F.A.Z. vorliegenden Quellen, ging es auch darum, die neuen unabhängigen Aufsichtsgremien entscheidend zu schwächen und sie unter die Kontrolle der Fifa-Führung zu bekommen – zumindest vorübergehend. Der vor vier Jahren eingesetzte Scala, der sich stets für ein sauberes Geschäftsgebaren einsetzte, sollte aus der Organisation gedrängt werden. Denn Scala ist unbequem. Er ging den Verfehlungen auf den Grund: Einigen Nationalverbänden vornehmlich in Mittel- und Südamerika, gegen deren Verbandsführung die Justiz in den Vereinigten Staaten wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt, hatte er den Geldfluss aus der Zentrale sperren lassen. Das sorgte unter Council-Mitgliedern für Unmut. Es gebe Menschen, so äußerte sich Infantino auf einer der Sitzungen, die das Leben kompliziert machten. Man sei „die Geisel“ einer Situation, die keiner gut finden könne. Scala musste weg.

          „Überall legen Leute Fallen aus“

          Die der F.A.Z. vorliegenden Aussagen legen den Schluss nahe, dass im Fifa-Council in den Tagen von Mexiko-Stadt eine Verschwörung gegen die weitere Umsetzung einer transparenten und integren Verbandskultur geplant wurde, den Umbau der Fifa zu einem vorbildlich geführten Sportverband nach den Skandalen der Vergangenheit. Die zuletzt wegen der Verhaftungen und Ermittlungen arg gebeutelte „Fußballfamilie“ schwört auf Solidarität und bedingungslosen Zusammenhalt. Nach außen hin sprechen die Funktionäre salbungsvoll von der Notwendigkeit der Regeltreue und einer guten Verbandsführung.

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