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Fifa : Noch mehr Korruption?

Die Fifa: Mal wieder geht es um dunkle Machenschaften Bild: dpa

Michael Garcia sorgt für Furore: Der Fifa-Chefermittler kündigt die Enthüllung weiterer Fälle von Korruption im Weltfußballverband an.

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          Der Chefermittler des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Michael Garcia, hat angedeutet, dass seine Untersuchungen der obskuren ISL-Akte ausweiten könnten. „Es gibt viele Fälle in diesem Report“, sagte der frühere amerikanische Staatsanwalt in einem Interview mit dem französischen Magazin „France Football“. Erste Ergebnisse seiner Nachforschungen zu Schmiergeldzahlungen sollen Mitte nächster Woche bei einer Fifa-Vorstandssitzung in Zürich bekannt gegeben werden. Gegen beschuldigte Funktionäre müsste dann der deutsche Richter Joachim Eckert, als Vorsitzender der Spruchkammer der Ethikkommission, ein Verfahren einleiten. Mehrere hochkarätige Fifa-Offizielle sollen einst von der ehemaligen Sportrechteagentur ISL bestochen worden sein.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die bisher für die Öffentlichkeit geheim gehaltene Gerichtsakte könnte die intern um Reformen ringende Fifa vor eine neue Zerreißprobe stellen. Vereinzelt wurden in der Vergangenheit schon Namen bekannt - wie der des Fifa-Vorständlers Hayatou oder des Fifa-Ehrenpräsidenten Havelange. Zugleich appellierte Garcia an den gesamten Fifa-Apparat, bei der Aufklärung der Korruptionsfälle mit ihm zu kooperieren. „Wer etwas zu sagen hat, soll zu mir kommen und reden“, sagte der Amerikaner, der trotz seiner Zugehörigkeit zur Fifa-Struktur seine unabhängige Rolle betonte. Er werde den Schutz dieser Informanten garantieren.

          Garcia sieht seine Kommission allerdings nicht als zuständig an, Konsequenzen zu ziehen, falls sich herausstellen sollte, dass WM-Vergaben etwa an Russland (2018) oder Qatar (2022) nicht sauber abgelaufen sind. „Unsere Gerichtsbarkeit richtet sich auf einzelne Personen. Das einzige, was wir sagen können ist: ,Du, Funktionär, hast gegen den Ethikkodex verstoßen und wirst dafür bestraft‘“, sagte Garcia. Das heißt: Wäre eine WM-Wahl durch unlautere Mitteln beeinflusst worden, könnte die Ethikkommission nicht über den Entzug befinden.

          Nichts will die Fifa derzeit zu den Ermittlungen gegen ihr Vorstandsmitglied Vernon Manilal Fernando sagen. Der Funktionär aus Sri Lanka wurde von der Ethikkommission am Montag für 90 Tage suspendiert. Wie der Spruchkammervorsitzende Eckert auf Anfrage bestätigte, geht es in den laufenden Untersuchungen darum, ob gegen den Asiaten ein Verfahren wegen Verstoßes gegen den Ethikkodex eingeleitet wird. Zu den Hintergründen des Ausschlusses wollte sich Eckert nicht äußern.

          Womöglich gibt es einen Zusammenhang zu Berichten im Jahr 2011, als Journalisten aus Sri Lanka behaupteten, dass Entwicklungshilfegelder der Fifa, die nach der Tsunami-Katastrophe an den Fußballverband Sri Lankas geflossen waren, von Fußballfunktionären veruntreut worden seien. Untersucht wurden die Vorwürfe von der Fifa nie. Fernando, ein Geschäftsmann und Rechtsanwalt, kontrolliert seit drei Jahrzehnten den Fußball in dem Inselstaat und hält enge Bande zu den einflussreichsten Sportfunktionären in Asien. Dazu gehörte einst auch der inzwischen von der Fifa lebenslang gesperrte Qatarer Mohamed Bin Hammam.

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