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Fifa : Neue Bestechungsvorwürfe aus England

Freundschaft beendet? Lord Triesman (l.) attackiert die Fifa und schadet somit auch Präsident Blatter Bild: AFP

Lord Triesman nennt neue Namen und Fakten: Der ehemalige Präsident des englischen Fußballverbands und des WM-Bewerbungskomitees erhebt schwere Vorwürfe gegen einzelne Fifa-Exekutivkomitee-Mitglieder.Fifa-Chef Blatter verlangt Beweise.

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          Im Zuge der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Russland (2018) und Qatar (2022) sollen noch mehr Mitglieder der Exekutive des Weltverbandes (Fifa) bestechlich gewesen sein, als bislang vermutet. Lord Triesman, der frühere Präsident des englischen Fußballverbandes (FA), nannte am Dienstag die Namen von vier Fifa-Funktionären, die ihm persönlich gegenüber Andeutungen über Bestechungsgelder oder andere Vorteile gemacht hätten. Triesman sagte, die Anfragen der vier Betreffenden seien „unter aller Würde dessen, was ich ethisch für vertretbar hielte“, gewesen. Triesman sagte am Dienstag vor dem Sportausschuss des britischen Unterhauses aus. Er kündigte an, er wolle die Vorfälle jetzt auch gegenüber der Fifa zur Sprache bringen. Fifa-Präsident Blatter bat in einer ersten Reaktion um Beweise für die neuen Anschuldigungen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Triesman schilderte Begegnungen, die er mit vier der 22 Fifa-Exekutivmitglieder in der Zeit hatte, in der die Bewerbung Englands um die WM 2018 lief. Das Turnier wurde letztlich an Russland vergeben. Fifa-Vizepräsident Jack Warner (Trinidad und Tobago) habe ihn während eines Aufenthalts in London in sein Hotel gerufen und ihm dort auseinandergesetzt, er, Warner, sei sehr besorgt darüber, dass er für seinen karibischen Heimatstaat bislang noch gar keine fußballerische Hinterlassenschaft zusammengebracht habe.

          Triesman sagte, Warner habe ihm dann seine Vorstellungen genau beschrieben: Er denke an den Bau einer fußball-orientierten Schule, die auch die Büros des nationalen Fussballverbandes beherbergen solle. Das Geld dafür, ein Volumen von mehreren Millionen englischen Pfund, solle ihm zur Verfügung gestellt werden. Der FA-Präsident gab an, Warner habe ihn später nochmals mit einem Vorschlag angerufen, dabei habe es sich um den Erwerb von Fußball-Senderechten für das gerade von einem Erdbeben verwüstete Haiti gehandelt - Warner habe in diesem Fall die Zahlung von 500.000 Pfund ins Gespräch gebracht.

          Senderechte gegen Stimme

          Das Fifa-Mitglied Nicolas Leoz aus Paraguay habe bei einer Begegnung in Asuncion nicht über Geld gesprochen, dafür aber die Bitte nach einem englischen Ritterschlag geäußert. Der brasilianische Fifa-Funktionär Ricardo Teixeira fragte Triesman nach dessen Angaben bei einer Zusammenkunft in Qatar, was der Brite ihm anzubieten habe. Der thailändische Fifa-Repräsentant Worawi Makudi schließlich habe sich sehr für ein Freundschaftsspiel der englischen Nationalmannschaft gegen die thailändische Auswahl interessiert, allerdings unter dem Vorbehalt, dass ihm die Senderechte für die Ausstrahlung des Spieles in England zugesprochen würden.

          Brasiliens Fußballverbands-Chef Ricardo Teixeira hat rechtliche Schritte gegen den früheren englischen Verbandschef David Triesman angekündigt. Die Erklärungen Triesmans seien absurd, hieß es in einer am Dienstagabend vom brasilianischen Verband CBF veröffentlichten Stellungnahme. Die Äußerungen Triesmans dienten lediglich dazu, dessen Scheitern bei der Kandidatur Englands zu verbergen, das bei der Abstimmung Anfang Dezember außer seiner eigenen Stimme nur eine weitere bekommen habe.

          David Triesman war 2010 nach umstrittenen Äußerungen von seinem Amt als FA-Präsident und als Chef der englischen WM-Bewerbung für 2018 zurückgetreten. Nach einem Bericht der Zeitung „Mail on Sunday“ verdächtigte Triesman die Bewerber-Konkurrenten Spanien und Russland der Manipulation sowie einer möglichen Schiedsrichter-Bestechung bei der WM-Endrunde in Südafrika. Die schweren Vorwürfe hatte Triesman in einem vertraulichen Gespräch mit Melissa Jacobs, einer früheren Regierungsmitarbeiterin, geäußert.

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