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Probleme vor Fußball-WM : Fifa kümmert sich erst seit 2015 um Qatar

Tausende Arbeiter sind in Qatar, um die Stadien für die WM 2022 zu bauen. Bild: dpa

2010 wurde die Fußball-WM an Qatar vergeben. Bald gab es erste Todesfälle auf den Baustellen. Nun gibt der Fußball-Weltverband zu, dass er sich zu spät um die Belange der Arbeiter gekümmert hat.

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          Die Fifa hat sich zu spät um die Belange der Arbeiter auf den Stadionbaustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Qatar gekümmert. Das hat Maurizio Addiechi, Leiter der Abteilung des Internationalen Fußballverbands für die „soziale Verantwortung des Unternehmens“ (corporate social responsibility), am Rande einer Regionalkonferenz der Vereinten Nationen zu Menschenrechten in der qatarischen Hauptstadt Doha am Mittwoch gesagt. „Ja, es stimmt, wir waren spät dran mit Bezug auf die Menschenrechtslage und die qatarische Bewerbung für 2022“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Addiechi.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Man habe sich erst im Mai 2015 für die Bedingungen auf den Stadionbaustellen verantwortlich gefühlt, sagte der Fifa-Funktionär demnach. Die Weltmeisterschaft war im Dezember 2010 an das Emirat am Persischen Golf vergeben worden. Die Diskussion um die Arbeits- und Lebensbedingungen, zahlreiche Todesfälle auf qatarischen Baustellen und die rechtliche Situation der durch das Kafala-System an ihre Arbeitgeber gebundenen Arbeitsmigranten, die meist aus Nepal und Südostasien nach Qatar kommen, hatte in der Zwischenzeit international wieder und wieder Schlagzeilen gemacht und war Thema der Sitzungen der Fifa-Exekutive.

          Am Donnerstag besuchte Fifa-Präsident Gianni Infantino die Baustelle des künftigen „Khalifa-Stadions“. Dabei nahm er den Gastgeber der übernächsten WM in die Pflicht. Die bisher unternommenen Schritte zur Sicherung fairer Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 gingen „in die richtige Richtung“, sagte der neue Chef des Weltverbandes nach einem Treffen mit dem Emir Tamim Bin Hamad al-Thani und Premierminister Abdullah bin Nasser al-Thani am Donnerstag.

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          „Ich habe allerdings auch sehr klar gemacht, dass die qatarischen Behörden dafür sorgen müssen, dass das Land alle internationalen Normen zum Umgang mit Arbeitskräften erfüllt und dass die Umsetzung der versprochenen Maßnahmen weiterhin mit Hochdruck vorangetrieben werden muss“, sagte Infantino auf der Fifa-Internetseite.

          Die Ausrichtung der WM 2022 in dem Wüstenstaat sei „eine große Chance, die Messlatte für nachhaltige und faire Arbeitsbedingungen für alle Arbeiter in Qatar hoch zu legen“, führte Infantino nach einer Inspektion der Baustelle des Khalifa International Stadiums aus. Er werde die katarischen Behörden beim Wort nehmen. Erst im vergangenen Monat hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Zustände in Qatar angeprangert. Auf WM-Baustellen sei es abermals zu Fällen von Zwangsarbeit gekommen.

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