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Fifa-Korruptionsskandal : Machtvakuum in der Karibik

  • -Aktualisiert am

Jack Warner genießt in seiner Heimat nach wie vor großes Ansehen Bild: dapd

In der Karibik herrscht Angst vor der Rückkehr des alten Fußballregimes. Jack Warner hat auch nach seinem Rücktritt noch Einfluss. Neue Strukturen müssen her.

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          Dem Fußballspiel in der Karibik haftet noch etwas Ursprüngliches an, denn es hat gewöhnlich nur wenig mit dem Kommerz in Europa und anderswo auf der Welt zu tun. Trotzdem bewegte die Karibik unter Jack Warner, dem berüchtigten Zampano aus Trinidad und Tobago, die große Fußballpolitik. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Denn die Statuten des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) statten jedes Mitglied, egal wie groß oder klein der nationale Verband ist, mit nur einer Stimme aus. Und die Caribbean Football Union (CFU) mit ihren 30 Mitgliedsverbänden wird der Fifa-Familie sehr viel wert bleiben, wenn sie ihre Stimmen wie bisher en bloc vergibt. Der karibische Umgang mit dieser Machtfülle in der Vergangenheit steht exemplarisch für die dunklen Seiten des Fußballs.

          Obwohl Jack Warner unter dem Druck der Enthüllungen selbst ging, herrscht weiterhin Angst vor der Rückkehr des alten Fußballregimes. Ein Insider des karibischen Fußballs, der nicht genannt werden will, sagt: „Die CFU wird es ohne die Hilfe der Fifa und der Concacaf schwer haben zu überleben. Aber vielleicht hat es auch etwas Gutes, und man lässt die CFU sterben und schafft etwas Neues für den karibischen Fußball ohne die alten Herren und deren Probleme.“ Bis zum Fifa-Skandal im Mai dieses Jahres war der 68 Jahre alte Warner Fifa-Vizepräsident, Chef der nordamerikanischen und zentralamerikanischen Fußball-Konföderation (Concacaf) sowie des karibischen Verbandes. Er galt als einer der wichtigsten Vertrauten des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter.

          Doch der zwielichtige Funktionär, der sich über den Fußball vom einfachen Schullehrer in höchste Positionen katapultierte und zum Teil auf zweifelhafte Weise zu seinem Reichtum kam, wechselte kurz vor der Präsidentenwahl die Seiten, um Blatters Herausforderer Mohamed bin Hammam aus Qatar zu unterstützen. Dies wurde Warner zum Verhängnis. Bei einem angeblich von ihm und Bin Hammam organisierten Treffen in einem Hotel in Port-of-Spain mit karibischen Fußballfunktionären soll diesen jeweils 40.000 Dollar für die spätere Wahl Bin Hammams angeboten worden sein. Der Stein kam ins Rollen und endete vorerst mit Sperren durch die Fifa-Ethikkommission - auch gegen Bin Hammam.

          Nun ist alles anders in der Karibik. Nicht nur Warner hat seine Positionen als Fußballfunktionär geräumt, um Strafen und Sanktionen der Fifa zu entgehen. Kurioserweise sind alle wichtigen Offiziellen aus der Karibik, die ihm hätten nachfolgen können, suspendiert worden - wie Lisle Austin aus Barbados oder Colin Klass aus Guyana. Und es werden wohl weitere in den kommenden Wochen folgen. Eine einmalige Situation in der Welt der Sportfunktionäre. Hinter Warner standen viele kleine Warners, die ihren persönlichen Nutzen aus unsauberen Fußballgeschäften zogen. Warner fiel immer wieder unangenehm auf: Er verkaufte schon begehrte WM-Tickets, die eigentlich dem Fußballverband seines Heimatlandes zustanden, über ein familieneigenes Reisebüro und machte damit mehrere Hunderttausend Dollar Profit.

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