https://www.faz.net/-gtl-6mmdc

Fifa-Korruptionsskandal : Machtvakuum in der Karibik

  • -Aktualisiert am

Jack Warner genießt in seiner Heimat nach wie vor großes Ansehen Bild: dapd

In der Karibik herrscht Angst vor der Rückkehr des alten Fußballregimes. Jack Warner hat auch nach seinem Rücktritt noch Einfluss. Neue Strukturen müssen her.

          4 Min.

          Dem Fußballspiel in der Karibik haftet noch etwas Ursprüngliches an, denn es hat gewöhnlich nur wenig mit dem Kommerz in Europa und anderswo auf der Welt zu tun. Trotzdem bewegte die Karibik unter Jack Warner, dem berüchtigten Zampano aus Trinidad und Tobago, die große Fußballpolitik. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Denn die Statuten des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) statten jedes Mitglied, egal wie groß oder klein der nationale Verband ist, mit nur einer Stimme aus. Und die Caribbean Football Union (CFU) mit ihren 30 Mitgliedsverbänden wird der Fifa-Familie sehr viel wert bleiben, wenn sie ihre Stimmen wie bisher en bloc vergibt. Der karibische Umgang mit dieser Machtfülle in der Vergangenheit steht exemplarisch für die dunklen Seiten des Fußballs.

          Obwohl Jack Warner unter dem Druck der Enthüllungen selbst ging, herrscht weiterhin Angst vor der Rückkehr des alten Fußballregimes. Ein Insider des karibischen Fußballs, der nicht genannt werden will, sagt: „Die CFU wird es ohne die Hilfe der Fifa und der Concacaf schwer haben zu überleben. Aber vielleicht hat es auch etwas Gutes, und man lässt die CFU sterben und schafft etwas Neues für den karibischen Fußball ohne die alten Herren und deren Probleme.“ Bis zum Fifa-Skandal im Mai dieses Jahres war der 68 Jahre alte Warner Fifa-Vizepräsident, Chef der nordamerikanischen und zentralamerikanischen Fußball-Konföderation (Concacaf) sowie des karibischen Verbandes. Er galt als einer der wichtigsten Vertrauten des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter.

          Doch der zwielichtige Funktionär, der sich über den Fußball vom einfachen Schullehrer in höchste Positionen katapultierte und zum Teil auf zweifelhafte Weise zu seinem Reichtum kam, wechselte kurz vor der Präsidentenwahl die Seiten, um Blatters Herausforderer Mohamed bin Hammam aus Qatar zu unterstützen. Dies wurde Warner zum Verhängnis. Bei einem angeblich von ihm und Bin Hammam organisierten Treffen in einem Hotel in Port-of-Spain mit karibischen Fußballfunktionären soll diesen jeweils 40.000 Dollar für die spätere Wahl Bin Hammams angeboten worden sein. Der Stein kam ins Rollen und endete vorerst mit Sperren durch die Fifa-Ethikkommission - auch gegen Bin Hammam.

          Nun ist alles anders in der Karibik. Nicht nur Warner hat seine Positionen als Fußballfunktionär geräumt, um Strafen und Sanktionen der Fifa zu entgehen. Kurioserweise sind alle wichtigen Offiziellen aus der Karibik, die ihm hätten nachfolgen können, suspendiert worden - wie Lisle Austin aus Barbados oder Colin Klass aus Guyana. Und es werden wohl weitere in den kommenden Wochen folgen. Eine einmalige Situation in der Welt der Sportfunktionäre. Hinter Warner standen viele kleine Warners, die ihren persönlichen Nutzen aus unsauberen Fußballgeschäften zogen. Warner fiel immer wieder unangenehm auf: Er verkaufte schon begehrte WM-Tickets, die eigentlich dem Fußballverband seines Heimatlandes zustanden, über ein familieneigenes Reisebüro und machte damit mehrere Hunderttausend Dollar Profit.

          Weitere Themen

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Bayern retten sich ins Ziel

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.