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Korruption bei der Fifa : „Totalitär und lächerlich“

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Fifa-Präsident „bis jemand etwas dagegen tut“: Bernstein über Blatter Bild: Reuters

Der frühere englische Verbandschef Bernstein bringt einen WM-Boykott durch die Europäer ins Spiel. Ein Thema für das Treffen in Frankfurt, zu dem der DFB andere europäische Fußballverbände einlädt?

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          Der Deutsche Fußball-Bund als Gastgeber und weitere europäische Fußballverbände werden bei einer Tagung am 1. und 2. Dezember in Frankfurt die Turbulenzen bei der Fifa besprechen. Es seien Diskussionen über Wettbewerbe der Nationalteams und „allgemeine fußballpolitische Angelegenheiten“ zu erwarten, teilte die Europäische Fußball-Union Uefa mit.

          Es steht das „lange geplante“ siebte sogenannte Top-Executive-Programm-Meeting an, teilnehmen werden die Präsidenten und Generalsekretäre aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Israel, Liechtenstein, Luxemburg, Polen und der Schweiz. Bei dem Treffen dürfte es wohl auch um den umstrittenen Untersuchungsbericht der Fifa-Ethikkommission zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gehen, auch wenn dieses Thema nicht speziell auf der Agenda steht.

          Die Diskussionen seien informelle Gespräche über strategische Fragen im Fußball und es stünden keine Entscheidungen an, hieß es von der Uefa weiter.

          Es gilt jedoch als selbstverständlich, dass die Krise der Fifa dort Thema ist, zumal der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball eine Trennung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) für den Fall erwägt, dass die Fifa weiterhin nicht zu einem konsequenten Vorgehen gegen die Korruption unter Fußball-Funktionären findet.

          Unterdessen hat der frühere englische Fußball-Verbandschef David Bernstein hat einen Boykott der Weltmeisterschaft durch europäische Länder ins Gespräch gebracht, sollte der Weltverband keine wirkungsvollen Reformen auf den Weg bringen. In einem Interview der BBC sagte Bernstein, es sei Zeit für drastische Maßnahmen gegen die Fifa. Nach Ansicht des 71-Jährigen könne eine WM ohne die großen europäischen Teams nicht stattfinden, allerdings ist mit Russland ein Uefa-Mitglied der nächste Gastgeber der Weltmeisterschaft. 

          Ein solcher Boykott hätte die Unterstützung der englischen Öffentlichkeit, betonte Bernstein, der inzwischen aus der Anti-Diskriminierungs-Kommission der Fifa zurückgetreten ist. Dieses Gremium nannte er ineffektiv.  Die Fifa bezeichnete Bernstein als „totalitär“ und „lächerlich“. Sie erinnere ihn als das ehemalige Sowjet-Regime. Die Glaubwürdigkeit des Fußballs habe unter der jetzigen Verbandsführung erheblich gelitten.

          Die Wahl Qatars zum WM-Gastgeber 2022 bezeichnete Bernstein als „die lächerlichste Entscheidung in der Sportgeschichte“. Joseph Blatter werde so lange an der Spitze der Fifa stehen, „bis jemand etwas dagegen“ tue. „England allein kann das nicht beeinflussen, ein Land allein kann das nicht. Aber innerhalb der Uefa hat England zweifellos die Macht, etwas zu bewirken. Und dafür muss man auch einen Rückzug von der nächsten WM in Betracht ziehen, sollte die Fifa keine richtige Reform durchführen“, führte Bernstein aus. Dies schließe auch ein, dass es für Blatter keine fünfte Amtszeit als Fifa-Präsident gebe.

          Bernstein reagierte mit seinen Äußerungen auf die weltweit kritisierte Ermittlungen der Fifa-Ethikkommission zu den WM-Vergaben 2018 und 2022 an Russland und Qatar. Darin war den beiden Ausrichtern kein gravierendes Fehlverhalten bescheinigt worden.

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