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Fifa-Kongress : Ein bisschen Applaus

Der Name ist Programm: Joseph S. Blatter Bild: dpa

Immerhin wurde beim Fifa-Kongress auf Mauritius darüber gesprochen. Doch von einer offenen Auseinandersetzung ist die Reform-Diskussion im Weltfußball noch weit entfernt.

          Die geballte Anwesenheit der Compliance-Experten am Freitag beim Kongress des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) auf Mauritius gehörte einerseits zur großen Inszenierung des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. Schließlich tut der 77 Jahre alte Schweizer derzeit alles, um sich nach Jahrzehnten mit Skandalen und dunklen Machenschaften als treibende Reformkraft zu geben. Als Option gilt Blatter zudem noch immer, im Jahr 2015 zum fünften Mal als Oberhaupt des Weltfußballs gewählt zu werden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Andererseits zeigte sich, dass der Druck auf die Fifa erhalten bleibt, den Veränderungsprozess, der im Herbst 2011 begonnen hatte, weiterzuführen und ihm wichtige Punkte anzufügen. Schon vor dem Zusammenkommen der 209 Nationalverbände auf der Sonneninsel im Indischen Ozean war deutlich geworden, dass von einem Abschluss der Reformen gar keine Rede sein kann. Etwas Applaus erhielt sogar der Vorsitzende der unabhängigen Governance-Kommission, Mark Pieth, als er zu den Delegierten sprach.

          Die von ihm und seiner Gruppe ausgearbeiteten Vorschläge, die zwar bisher bei weitem nicht alle umgesetzt sind, aber in ihrer Konsequenz schon dazu geführt haben, dass fast ein Drittel des Fifa-Vorstandes wegen unterschiedlicher Verstöße gegen die neuen Ethikregeln ausgeschlossen wurde oder vor einer Verurteilung freiwillig das Weite suchte, sorgten in Teilen der sogenannten Fußballfamilie nämlich kaum für Begeisterung. Beim Kongress forderte der Schweizer Anti-Korruptionsexperte zwar weitere „klare Zusagen, dass die Reformen weitergehen“, stellte aber auch fest, erst am Beginn des Prozesses zu stehen. Vertagt wurde jedenfalls die Regelung für eine Amtszeitbeschränkung bei Funktionären.

          Pieth hat akzeptiert, dass ein solcher Prozess in Sportverbänden mit ihren unterschiedlichen Entscheidungsstrukturen anders als bei Wirtschaftskonzernen, die er ebenfalls in Compliance-Fragen berät, länger braucht. „Das kann nicht von einem auf den anderen Tag kommen“, sagte Pieth auf Mauritius. Hier musste er sich korrigieren. Genauso sehen es die anderen Experten, die von außen geholt wurden, um dem Skandalverband Fifa eine neue Glaubwürdigkeit zu geben. Zu denen gehört der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender Spruchkammer der Fifa-Ethikkommission und auch der neue Chefermittler Michael Garcia, ein ehemaliger Bundesanwalt aus den Vereinigten Staaten. Beide wurden vom Kongress in ihren Positionen bestätigt.

          Die Verbandsstatuten überarbeitet hat der ehemalige deutsche Fußballpräsident Theo Zwanziger im Fifa-Vorstand, der sich auf Mauritius für den „neuen Weg“ stark machte. Der Vorsitzende der neugeschaffenen Kommission für interne Revision und Compliance, Domenico Scala, der in Zukunft den Weg der Fifa zu einem integren Weltverband intensiv begleiten soll, sieht das Projekt ebenfalls nicht als gescheitert an. Der Wirtschaftsmann aus der Schweiz weist darauf hin, dass mit der Einsetzung einer schlagkräftigen Ethikkommission, den neuen Ethikregeln, der Prüfung des Entlohnungssystems für Fifa-Vorständler und der Offenlegung der Geldströme beim millionenschweren Entwicklungshilfeprogramm des Weltverbandes schon einige wichtige Reformen erreicht wurden.

          „Mich hat das Pensum überrascht, dass sich die Fifa vor knapp zwei Jahren selbst aufgab. Gemessen an den komplizierten Prozessen in einer solchen Organisation, in der die einzelnen Nationalverbände und Konföderationen die eigentlichen Machtfaktoren sind, kann man mit dem bisher Erreichten deshalb zufrieden sein. Das Glas ist halbvoll und nicht halbleer. Es ist ein fortlaufender Prozess, auch völlig unabhängig von den zukünftigen Perspektiven eines Herrn Blatter“, sagte Scala.

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          Zumindest wurde auf Mauritius über Reformen geredet - erstmals etwas ausgiebiger bei einem Fifa-Kongress. „Ja, wir mussten uns selbst hinterfragen. Und wir mussten für das Wohlergehen des Spiels gegen Widerstände in unseren eigenen Reihen kämpfen. Das hat geschmerzt“, sagte Blatter.

          Pieth bemängelte die Verschiebung bei der Frage einer Amtszeitbegrenzung und hält das Prozedere beim Integritätscheck, den die Kontinentalverbände für ihre Leute, die in den Fifa-Vorstand kommen, selbst ausführen wollen, für ungenügend. Auch müsste sich der Verband noch bei der Offenlegung der Vergütung seiner Funktionäre bewegen. Manche Themen seien wegen „politischer Entscheidungen“ nicht umgesetzt worden. Damit wies er auf den schwelenden Machtkampf zwischen Blatter und dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union, Michel Platini, der 2015 bei der Fifa möglicherweise gegen den Schweizer antreten will.

          Platinis Fußball-Europäer hatten sich im Vorfeld gegen einige wichtige Punkte aus Pieths Programm gestellt - zum Beispiel die Amtszeitbeschränkung für Mitglieder des Fifa-Vorstandes. So gesehen kam der Einwurf des deutschen Fußballpräsidenten Wolfgang Niersbach, ein Vertrauter Platinis, überraschend, der sich vor der Abstimmung zur Amtszeitbegrenzung zum Wortführer der Uefa-Delegierten aufschwang und sagte: „Es wäre ein gutes Signal für die Öffentlichkeit gewesen, wenn wir über einen Vorschlag abgestimmt hätten.“ Aber wollten er und die Uefa das wirklich? Von einer offenen Auseinandersetzung ist die Reformdiskussion im Weltfußball noch weit entfernt.

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