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Fifa-Kommentar : Unter Reformdruck

  • -Aktualisiert am

Ist und bleibt der Spielmacher: Sepp Blatter Bild: AFP

Der Reformkongress von Zürich spiegelte viel von dem Hinterhof- und Hinterzimmerklima, das die Aura des Fußball-Weltverbandes bestimmt. Doch in Zukunft wird von außen genauer als bisher auf die Mächtigen der Fifa geschaut.

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          Das Wahlergebnis sah nach schöner heiler Fifa-Welt aus und ließ den alten Häuptling des Internationalen Fußballverbandes noch einmal im milden Glanz der Abendsonne erscheinen. 186 von 203 Delegierten beim Züricher Fifa-Kongress hoben „ihren“ Sepp Blatter zum vierten Mal auf den Präsidentenschild des neben dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mächtigsten Sportverbandes der Welt. Das war eindeutig, zeigte aber auch nicht mehr, als dass die Fifa-Großfamilie sich noch einmal um ihren Boss geschart hatte, der zuerst die volle Amtszeit von vier Jahren auskosten will, ehe er 2015, mit 79, in den Ruhestand tritt.

          Bis dahin will Blatter die Zeit nutzen, an seinem jüngsten Projekt zu arbeiten: als Chefreformer einer Welt, die dringend der Veränderung, einer neuen Transparenz und einer besseren Geschäftsmoral bedarf. Die Fifa, wie sie sich seit der ominösen Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Qatar präsentiert hat, wirkt befremdlich bis abstoßend auf alle, für die Begriffe wie Sauberkeit, Anstand und Glaubwürdigkeit keine Worthülsen sind. Es war deshalb richtig und verständlich, dass der neu in die Fifa-Exekutive gewählte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, die von vielen als denk- und merkwürdig zugleich empfundene WM-Nominierung Qatars noch einmal „auf den Prüfstand“ gestellt sehen will.

          Vier Topsponsoren haben sich besorgt geäußert

          Blatter wird, schlau und wendig wie er ist, wissen, dass der Reformdruck auf seine Organisation vor allem von außen wachsen wird. Einer wie geschmiert laufenden Geldmaschine vorzustehen, wird als einziges Legitimationsprinzip auf Sicht nicht mehr genügen, zumal auch die vielen großzügigen Gaben der Fifa an ihre Mitglieder nie weit von der Bitte um Wiederwahl entfernt scheinen. Jenseits der von Blatter gehüteten Fifa-Welt wird in Zukunft genauer als bisher auf das Handeln der Mächtigen in diesem steinreichen Verband geschaut. Vier der Topsponsoren haben sich dieser Tage besorgt über das geschäftsschädigende Klima innerhalb ihres Fußball-Partnerunternehmens geäußert. Auch beim IOC, den mächtigen Profiklubs mit ihren geldwerten Eigeninteressen und Vereinigungen wie Transparency International wird man ab sofort sehr genau darauf sehen, wie die Fifa aus ihrer tiefen Krise, die mit dem Wort Korruption gebrandmarkt ist, herauskommt. Das IOC hat mit der Aufarbeitung des Skandals um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 an Salt Lake City ein Musterbeispiel dafür gesetzt, wie eine Weltmacht des Sports selbstkritisch an Substanz und Glaubwürdigkeit gewinnen kann.

          Davon ist die Fifa, der es im Gegensatz zum IOC an Persönlichkeiten mit scharfem Profil fehlt, noch weit entfernt. Auch der Reformkongress von Zürich spiegelte viel von dem Hinterhof- und Hinterzimmerklima, das noch immer die Aura des in vielem provinziellen Fußball-Weltverbandes bestimmt. Bis aus Blatters Forderungen gelebte Überzeugung wird, ist der Weg weit. Vielleicht ist in Zürich aber ein Anfang gemacht worden – das zumindest wäre schon mal was.

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