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Fifa-Kommentar : Krähen unter sich

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Applaus? Bei der Fifa um Joseph Blatter (links) und Theo Zwanziger gibt es nur ein Reförmchen Bild: dpa

Ein Feuerwerk der Reformen hatte die Fifa angekündigt - ein paar Funken bleiben übrig. Und ausgerechnet die Uefa, die Repräsentantin der aufgeklärten, demokratischen Welt, entwickelt die größte Löschwirkung.

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          Eigentlich müsste an dieser Stelle ein Posaunenchor spielen, und das nicht, weil der ehemalige deutsche Fußballpräsident Theo Zwanziger manchmal einen Hang zum Pastoralen hat. Aber es sieht ganz so aus, als machte sich die große, internationale Fußball-Funktionärsgesellschaft langsam, aber zielsicher auf zu einer Beerdigung - und zwar der Reformen ihres Weltverbandes.

          Das, was die Generalsekretäre und die Juristen der Kontinentalverbände unter Zwanzigers Leitung am Dienstag festgelegt haben, nennt der Mann aus Altendiez zwar in seinem Interview auf der Fifa-Homepage teilweise noch „Tendenz“, an anderer Stelle sagt er, dass sich die Kontinentalverbände „übereinstimmend geeinigt“ hätten. Doch es sieht ganz so aus, als wäre den Würdenträgern aller Erdteile der entscheidende Schritt schon gelungen, um die bombastisch angekündigte Läuterung der Fifa abzuwürgen.

          Die Exekutive, deren Verfehlungen eine lange Skandal-Chronik ergeben, könnte danach ohne Einschränkung weiter regieren. Und die von Fifa-Präsident Joseph Blatter mit Verve angekündigte Integritätsprüfung von Top-Funktionären soll nun quasi von ihnen selbst übernommen werden.

          Der nächsten Exekutivsitzung im März oder dem Kongress im Mai will Zwanziger nicht vorgreifen. Aber er sagt: „Wir liegen voll auf Kurs.“ Vielleicht kann Blatter, angefeuert vom Compliance-Experten Mark Pieth, den Kontinentalfürsten noch ein paar Zugeständnisse abtrotzen - wobei erst am Ende des Prozesses zu erkennen sein dürfte, welche Ziele der erfahrene Machtmensch an der Fifa-Spitze in Wahrheit die ganze Zeit verfolgt hat.

          Skandal hätte eine Chance sein können

          Wenn aber im Kongress abgestimmt wird, dann möglichst über mehrheitsfähige Anträge. Ein „Ja“ zu einer Schrumpf-Reform finden die Herren immer noch besser als ein „Nein“ zu kühnen Schritten. Im ersten Fall kann sich Joseph Blatter immer noch als der starke Kapitän in wilder See feiern lassen. Im anderen wäre er gescheitert, und das ist undenkbar für den Herrn im Home of Fifa.

          Übrig bleiben von den großen Erneuerungsplänen wird die Verlagerung der WM-Vergabe von der Exekutive auf den Kongress. Dass Russland und Qatar vom Fifa-Spitzengremium vor gut zwei Jahren unter dubiosen Umständen die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zugesprochen wurden, war schließlich der Auslöser des angeblichen Umdenkens gewesen. Der Skandal hätte eine Chance sein können, ein in seinen Grundlagen verfilztes und im Gerangel um Macht und Geld moralisch heruntergekommenes System in eine bessere Zukunft zu führen. Aber so?

          Platini braucht keinen Heiligenschein

          Von einem tollen Feuerwerk bleiben ein paar kleine Funken übrig. Und ausgerechnet die Europäische Fußball-Union, die Repräsentantin der aufgeklärten, demokratischen Welt, entwickelt die größte Löschwirkung. Ihr Präsident Michel Platini, nach dem vor zwei Jahren die Reformer in der Fifa noch gerufen haben, hat entscheidend zur Reformverwässerung beigetragen.

          Er hat sich für die weitgehende Schonung der diskreditierten Entscheider in der Exekutive eingesetzt. Auch die Achtzigjährigen sollen bleiben dürfen. Und zwar ohne Begrenzung der Amtszeit. Der Franzose braucht schließlich keinen Heiligenschein. Sondern Stimmen für seine Kandidatur als Fifa-Präsident 2015.

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