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Fifa-Kommentar : Blatters Kontrollverlust

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Joseph Blatter ist schon ziemlich lange bei der Fifa - doch irgendwann kommt auch für ihn der Schlusspfiff Bild: dpa

Mit dem Angriff auf das deutsche Sommermärchen hat sich Joseph Blatter selbst getunnelt. Er konnte nicht ablenken von der Schande der Mitwisserschaft im Fifa-Skandal. Angesichts seines Kontrollverlustes gilt auch für ihn: Irgendwann kommt für jeden der Schlusspfiff.

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          Auf dem Fußballplatz ist es so einfach: Wenn ein Spieler zu viele Sünden auf dem Kerbholz hat, muss er das Feld verlassen. In der Sportpolitik ist das anders, wie man am Fußball-Weltpräsidenten Joseph Blatter sieht. Ist ein Mann einmal im Amt, bekommt ihn so schnell niemand mehr weg.

          Seit 1981 arbeitet Blatter für die Fifa, erst 17 Jahre als Generalsekretär und seit 1998 als Präsident, und an diesem Stuhl klebt er seitdem wie Pech und Schwefel. Es ist anzunehmen, dass ihm gerade sein Wissen um die schamlose Alimentierungs-Mentalität seiner Mitfunktionäre immer wieder geholfen hat, sich dort zu halten. Wer um die Geheimnisse der anderen weiß, braucht sich bei Abstimmungen keine Sorgen mehr zu machen.

          Die genauen Umstände, unter denen Blatter es geschafft hat, seinen Konkurrenten Mohamed Bin Hammam kurz vor der vergangenen Präsidentenwahl zum Rückzug zu zwingen, werden wahrscheinlich im Dunkeln bleiben, aber eines steht fest: Das Mittel, das der erfahrene Schweizer in der Hand hatte, muss wirksam gewesen sein und hat wahrscheinlich irgend etwas mit der skandalösen Vergabe der Fußball-WM 2022 an Bin Hammams Heimatland Qatar zu tun.

          Ein Elefantengedächtnis ist ein gutes Rüstzeug für einen Machtmenschen. Und so hat Blatter auch nicht vergessen, wie Deutschland ihm im Jahr 2000 eine Niederlage beigebracht hat. Damals wollte er die WM seinen Freunden auf dem schwarzen Kontinent zuschanzen, doch bei der Abstimmung der Exekutive fiel der Neuseeländer Charles Dempsey um und verließ den Raum. Andernfalls hätte Blatter mit seiner Präsidentenstimme die Wahl entscheiden können.

          Blatter hat sich selbst getunnelt

          Wie es gelang, Dempsey zur Enthaltung zu bewegen, kann ihn niemand mehr fragen - er ist gestorben. Aber Blatter hat den Augenblick der Niederlage nicht vergessen und ihn so lange gespeichert, bis er glaubte, er könnte ihm nützlich sein. Bis zum Sonntag genau, als er die Deutschen für ihre Kritik an seiner Rolle in der grausigen Schmiergeld-Affäre bestrafen wollte - und für den Anruf des Liga-Vorsitzenden Reinhard Rauball, der seinen Rücktritt forderte.

          Aber diesmal hat Blatters bewährte Strategie nicht funktioniert. Die deutschen Funktionäre sind nicht zurückgezuckt vor seinem drohenden Raunen. Und er hat nicht ablenken können von der eigenen, gerichtlich bescheinigten Schande der Mitwisserschaft. Wieso nicht? Sollte - was er offenbar nicht beweisen kann - tatsächlich nicht alles sauber abgelaufen sein bei der Vergabe des Sommermärchens, wäre er der verantwortlicher Dulder untragbarer Zustände gewesen. Blatter hat sich selbst getunnelt. Das heißt nicht, dass er sich jetzt in Frage stellte. Doch angesichts seines Kontrollverlusts tritt ein Fußballgesetz in den Blick, das auch für Weltpräsidenten gilt: Irgendwann kommt für jeden der Schlusspfiff.

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