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Fifa-Klub-WM in Qatar : Testlauf mit Regen für die Weltmeisterschaft 2022

  • Aktualisiert am

Die Zeichen muss man deuten: Die Klub-WM ist ein Vorlauf für 2022. Bild: Reuters

Das kleine Qatar trägt in drei Jahren eines der größten Sportereignisse der Welt aus. Fans können einigen Komfort und kurze Wege erwarten. Doch bei der Klub-WM läuft noch nicht alles nach Plan.

          3 Min.

          Dieser 18. Dezember war für Qatar der wahrscheinlich wichtigste Tag des Jahres. Erst beging das kleine, aber reiche Emirat mit einer Parade und Feuerwerk an der Corniche in der Hauptstadt Doha seinen Nationalfeiertag. Dann lief wenige Kilometer entfernt Champions-League-Sieger FC Liverpool mit dem ägyptischen Superstar Mohamed Salah erstmals bei der Klub-WM in Qatar auf - ein weiterer Höhepunkt in der noch nicht so langen Sportgeschichte des Landes.

          Der 2:1-Halbfinalsieg des englischen Teams mit seinem deutschen Trainer Jürgen Klopp gegen die mexikanische Mannschaft CF Monterrey gab einen ersten Vorgeschmack auf die WM 2022, die in drei Jahren in Qatar ausgetragen wird. Bei der Klub-Weltmeisterschaft mit den Kontinentalmeistern und einem Qatarischen Team probt das Emirat erstmals den Ernstfall unter Echtbedingungen. Wenn auch viel kleiner als in drei Jahren: sieben Mannschaften statt 32. Ein paar Tausende ausländische Fans statt Hunderttausende Besucher. Zwei Stadien statt acht.

          Der Auftakt der Klub-WM lief nicht reibungslos. Weil das Education City Stadion nicht rechtzeitig für das Mini-Turnier fertig wurde, fiel es anders als geplant als Spielort aus. So müssen in dieser Woche alle Spiele in Dohas Khalifa International Stadion ausgetragen werden, was vor allem bei Klopp für Ärger sorgte, weil er schlechte Platzverhältnisse befürchtete. In Qatar angekommen nahm er seine Kritik jedoch zurück und sprach von „brillanten“ Bedingungen.

          Wenig los in der Fanzone: Ein paar Liverpool-Fans trinken Bier.

          Auch ansonsten gibt sich Qatar bei der Klub-WM alle Mühe, als guter Gastgeber aufzutreten. Die undurchsichtige FIFA-Vergabe der WM 2022 in das kleine Emirat war vor allem in westlichen Ländern über die Jahre massiv kritisiert worden. Berichte über gestorbene Gastarbeiter auf Qatars Baustellen schockierten die Öffentlichkeit. Der Gastgeber aber trieb die Vorbereitungen auf das Milliardenprojekt ungehindert voran.

          Arenen kommen voran

          Seit diesem Jahr etwa fährt auf drei Linien die neue Metro, die auch die Fußballfans zu den Spielen bringen soll und auch direkt zum Endspiel-Stadion Lusail führt - in führerlosen Waggons mit viel Platz, gepolsterten Sitzen und schnellem Internet. Dort, aber auch in und um das Stadion stehen alle paar Meter Helfer bereit, die Fans den Weg weisen. Qatar wirbt damit, eine WM mit viel Komfort und kurzen Wegen für Anhänger aus aller Welt zu organisieren. Bis auf eins stehen alle Stadien in Doha oder in unmittelbarer Nachbarschaft.

          Trotz der Stadion-Panne bei der Klub-WM macht auch der Bau der sieben neuen Arenen Fortschritte. Fast fertig ist etwa das Al-Bayt-Stadion im Norden der Halbinsel, das mitten in der Wüste am Rande der Stadt al-Chaur entsteht und von außen aussieht wie ein riesiges Beduinen-Zelt. Anfang 2020 soll es eröffnet werden. Die Organisatoren beteuern, spätestens 2021 seien alle Stadien fertig.

          Doch die Frage lautet: Wie wird das kleine Qatar mit nicht einmal drei Millionen Einwohnern mit einem der größten Sportereignisse der Welt fertig werden? In dieser Woche feierten Fans des brasilianischen Teams Flamengo in ihren blutrot-schwarzen Trikots in Dohas traditionellem Basaren-Viertel Suk Wakif, friedlich und fröhlich. Doch es waren nur einige Dutzende, nicht Zehntausende.

          Während der Spiele der Klub-WM gab es Bilder, die den Organisatoren gar nicht gefielen: Die als besonders fanatisch bekannten Fans von Esperánce Tunis hatten trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen Pyro-Technik ins Stadion geschmuggelt und zündeten diese an. Dicke Rauchwolken zogen über das Feld im Khalifa International Stadion.

          Bei der Stimmung in den WM-Stadien wird viel, wenn nicht alles von den ausländischen Fans abhängen. Qatar selbst ist fußballbegeistert, kennt aber keine ausgeprägte Fankultur wie in Europa oder Südamerika. Bei Liverpools Sieg gegen Monterrey saßen auf den Tribünen viele Fans aus der Region, aber auch aus China mit Trikots und Schals der Roten aus England - für die Stimmung unter den rund 45.000 Anhängern im nicht ganz ausverkauften Stadion aber sorgte allein der kleine Fanblock der Mexikaner, der 90 Minuten lang unaufhörlich sang.

          Fanzone außerhalb Dohas

          Auch Bier und anderer Alkohol ist in den Stadien verboten, völlig verzichten müssen Fans darauf aber nicht. Bei der Klub-WM werden in einer Fanzone neben Bier für umgerechnet rund 6,25 Euro pro halbem Liter auch Wein und Cider ausgeschenkt, wenn auch nicht Gin und Whiskey, wie es zunächst auf den Preisschildern stand.

          Die Fanzone liegt etwas außerhalb im Norden Dohas, am Rande eines Parks und mit Blick auf die Skyline. Am Nachmittag vor dem Liverpool-Spiel haben einige Hundert Fans den Weg hierher gefunden, doch es ist noch viel Platz frei. Während ein Sänger auf der Bühne mit Gitarre „Stand by me“ schrammelt, machen chinesische Liverpool-Fans Selfies. Die Atmosphäre ist entspannt, wie bei einem gemütlichen Sommerfest. Liverpool-Fan Andrew, der seit sechs Jahren in Qatar lebt, gefällt es: „Das ist perfekt“, sagt der 56-Jährige in rotem Trikot. „Die Zone führt dich aus Dohas teuren Zentrum raus.“

          Dass vor dem Spiel nicht mehr Fans gekommen sind, liegt vielleicht auch daran, dass an diesem Mittwoch in Qatar etwas recht Seltenes geschah: Ausgerechnet am Nationalfeiertag regnete es immer wieder.

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