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Polizeiaktion in Zürich : Die nächsten Verhaftungen bei der Fifa

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Wohl eher Rote Karte statt Gelb für die Fifa-Funktionäre: Ein Polizeiauto verlässt das Hotel „Baur au Lac“, den Schauplatz der Verhaftungen Bild: AP

Die Fifa-Exekutive berät heute eigentlich über geplante Reformen des Fußball-Weltverbands. Aufmerksamkeit erregt aber ein anderer Vorgang: Im Morgengrauen wurden zwei weitere Fifa-Funktionäre in Auslieferungshaft genommen.

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          Sechs Monate nach den spektakulären Festnahmen mehrerer Fußball-Funktionäre hat es erneut eine Polizei-Aktion gegen Fifa-Funktionäre in dem selben Züricher Luxushotel „Baur au Lac“ gegeben. Die Schweizer Justiz bestätigte am Donnerstagmorgen die Festnahme von zwei Offiziellen des Fußball-Weltverbandes wenige Stunden vor der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees in Zürich. Es handelt sich dabei um die Vizepräsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit Banegas (Honduras) handeln. Sie seien auf Antrag der amerikanischen Justiz in Zürich in Auslieferungshaft genommen worden. Ihnen werde vorgeworfen, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben.

          Neu auf der internationalen Bühne

          Die beiden FIFA-Vizepräsidenten sind noch nicht lange im Amt. Sie übernahmen ihre Posten beim Fußball-Weltverband erst vor kurzem. Ihre Vorgänger Eugenio Figueredo aus Uruguay und Jeffrey Webb von den Kaimaninseln waren bei der ersten Verhaftung in Zürich im Mai unter den Festgenommenen. Napout kommt aus Paraguay. Er führt seit 2014 den südamerikanischen Fußball-Verband Conmebol - zunächst übergangsweise, bis er 2015 ohne Gegenkandidat für die nächsten vier Jahre gewählt wurde. Zuvor durchlief er verschiedene Stationen in Fußball-Organisationen seines Heimatlands. Der 57-Jährige gilt als Rechtsexperte, der die Fifa-Statuten mitreformierte. Eine Kandidatur für das Amt des Fifa-Chefs schloss er im Oktober aus. „Für mich ist es wichtig, hier aufzuräumen“, sagte der Fußballfunktionär damals, nachdem wegen des Korruptionsskandals bereits zwei ehemalige Conmebol-Präsidenten festgenommen worden waren. Die Aufhebung der Immunität des Verbandssitzes in der Nähe der paraguayischen Hauptstadt Asunción im Sommer befürwortete Napout. Dieser Schutz vor Ermittlungen hatte rund 20 Jahre gegolten.

          Banegas trat international dagegen bisher weniger in Erscheinung. Der 64-Jährige ist Präsident des nord- und mittelamerikanischen Kontinentalverbands Concacaf. Er führt zudem den nationalen Fußballverband von Honduras.

          Im Zuge der Korruptionsermittlungen beim Fußball-Weltverband waren auf Bitten der Vereinigten Staaten am 27. Mai in Zürich bereits sieben Fifa-Funktionäre festgenommen worden, darunter der ehemalige Vizepräsident Jeffrey Webb, der mittlerweile aus der Schweiz in die Vereinigten Staaten ausgeliefert wurde. Die Verhaftungen hatten damals den Fifa-Skandal in Gang gesetzt.

          Ersuchen der amerikanischen Justiz

          Die jetzt vorgenommenen Festnahmen erfolgten laut Schweizer Justiz aufgrund von Ersuchen des amerikanischen Justizministeriums vom 29. November. Nach Angaben der New Yorker Staatsanwaltschaft haben auch diese zwei „hochrangigen“ Fifa-Funktionäre „Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten“.

          Diese Straftaten seien „teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden“, heißt es in der Schweizer Mitteilung.

          Die Namen der Festgenommenen wurden zunächst nicht offiziell genannt. Die Fifa hatte nach eigenen Angaben „Kenntnis von den Aktionen, die heute vom US-Justizministerium durchgeführt wurden“, wie es in einer schriftlichen Stellungnahme hieß. Die „New York Times“ (Donnerstag/Online) hatte zuvor von Festnahmen im Züricher Hotel Baur au Lac berichtet. Die Polizei habe das Hotel um 6.00 Uhr am Morgen durch einen Seiteneingang betreten, berichtete die Zeitung. Nach Augenzeugenberichten wurden um kurz nach 6.00 Uhr mehrere Personen mit einer Limousine aus der Tiefgarage des Hotels gefahren.

          Zwei der sieben ehemaligen Fifa-Funktionäre, die am 27. Mai in Zürich im selben Hotel verhaftet worden waren, haben nach Angaben der Schweizer Justiz der Auslieferung zugestimmt. Webb und José Maria Marin wurden am 15. Juli beziehungsweise am 3. November den US-Behörden übergeben. Die anderen fünf Ex-Funktionäre, Eugenio Figueredo, Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas und Rafael Esquivel, widersetzen sich einer Auslieferung. Ihre Beschwerden gegen die Auslieferungsentscheide sind beim Schweizer Bundesstrafgericht anhängig.

          Verhaftungen im Mai leiteten Niedergang Blatters ein

          Zwei Tage nach der damaligen Razzia wurde Joseph Blatter als Fifa-Präsident wiedergewählt, kündigte jedoch kurz darauf seinen Rücktritt an und ist wegen einer anderen Angelegenheit seit dem 7. Oktober ebenso suspendiert wie Uefa-Chef Michel Platini.

          Silhouetten lassen Polizeiarbeit erahnen: Das Baur au Lac im Morgengrauen

          Blatter und Platini sind daher bei der aktuellen Sitzung nicht dabei. Das Treffen soll trotz der Festnahmen wie geplant fortgesetzt werden. Am Morgen um kurz nach acht Uhr wurden die verbliebenen Exko-Mitglieder, darunter der deutsche Vertreter Wolfgang Niersbach, in Limousinen vom Hotel Baur au Lac auf den Zürichberg in die Verbandszentrale gefahren. Auf der Tagesordnung der Fifa-Exekutive steht für Donnerstag unter anderem die Diskussion über den Reformkatalog für den Weltverband.

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