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Fifa fordert Sperre : Niersbach spricht von „Berufsverbot“

Und nun? Wolfgang Niersbach droht eine Sperre durch die Fifa. Bild: AFP

Die Fifa-Ermittler beantragen eine Sperre von zwei Jahren für Wolfgang Niersbach. Der frühere DFB-Präsident wehrt sich prompt – streitet die Vorwürfe gegen ihn aber nicht ab.

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          Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, hat das Strafmaß scharf kritisiert, das im Verfahren der Fifa-Ethikkommission gegen ihn beantragt wurde. Die Vorwürfe gegen Niersbach, die am Freitag bekannt gemacht wurden, stritt er dagegen nicht ab. Er soll wegen Verstößen gegen Ethikregeln im Zuge des deutschen WM-Skandals zwei Jahre vom Fußball ausgeschlossen werden und 30.000 Franken zahlen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Sanktionsvorschlag der Untersuchungskammer sei nicht nachvollziehbar, besonders im Vergleich zu Urteilen, bei denen es um Korruption gegangen sei. „Auch angesichts der Tatsache, dass ich mit meinem Rücktritt als DFB-Präsident im November 2015 bereits politische Verantwortung übernommen habe, steht meines Erachtens eine Sperre, die faktisch einem weltweiten Berufsverbot im Fußball gleichkommt, sowie die Höhe der beantragten Geldstrafe in keinem Verhältnis zu dem mir gemachten Vorwurf“, teilte Niersbach mit. Er wolle sich mit allen Rechtsmitteln wehren.

          Nach der Vorarbeit der Fifa-Ermittlungsinstanz um den ehemaligen Schweizer Staatsanwalt Cornel Borbély, hat die rechtssprechende Kammer der Fifa-Ethikkommission jetzt offenbar genug Substanz in dem Fall gesehen, um ein Verfahren gegen Niersbach zu eröffnen. Niersbach behauptete, dass sich der Antrag der Ermittlungskammer lediglich auf den Vorwurf stütze, die Ethikkommission nicht frühzeitig über die ihm im Sommer 2015 sukzessive zur Kenntnis gelangten Vorgänge im Zusammenhang mit der WM 2006 informiert zu haben.

          Die Spruchkammer führte vier Artikel im Ethik-Kodex an, gegen die Niersbach verstoßen haben soll. Darin geht es um glaubwürdiges und integres Verhalten, Loyalität, Rechenschafts- und Anzeigepflichten. Geführt wird das Verfahren nicht vom Kammervorsitzenden Hans-Joachim Eckert. Er trat als Deutscher von dem Fall zurück. Es übernahm sein Stellvertreter Alan Sullivan (Australien).

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          Der neue DFB-Chef Reinhard Grindel wünschte sich in einer Reaktion eine zügige Entscheidung, damit der DFB Rechtssicherheit habe. Ligachef Reinhard Rauball ließ mitteilen, dass die Forderungen der Untersuchungskammer mit Blick auf das Strafmaß im Vergleich zu anderen Fällen sehr drastisch wirkten. Aber Niersbach habe jetzt die Gelegenheit, selbst vor der rechtsprechenden Kammer seine Position darzulegen.

          Der 65 Jahre alte Niersbach ist weiterhin Mitglied der höchsten Gremien der Fifa und des europäischen Fußballverbandes und erhält dafür eine sechsstellige Vergütung – allein vom Weltverband 300.000 Dollar im Jahr. Im vergangenen Herbst war er über den WM-Skandal und eine dubiose Zahlung der deutschen WM-Organisatoren um Franz Beckenbauer in Höhe von 6,7 Millionen Euro gestürzt. Beim Verband wurde nach der Untersuchung durch die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer von „Verschleierung“ gesprochen.

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          Monatelang informierte Niersbach die Kollegen im DFB-Präsidium nicht über den Vorgang und aufkommende Fragen. Nur ein kleiner Kreis war eingeweiht. Unterlagen wurden zurückgehalten, Aktenordner in der DFB-Zentrale verschwanden. Von den Freshfields-Anwälten gab es in der Schlussbetrachtung teils erhebliche Bedenken, ob Niersbach nicht schon Jahre früher über die kaschierte Zahlung von 2005 im Bilde war. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in Frankfurt wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung auch gegen Niersbach.

          Interessant wird sein, ob die Fifa-Ethikkommission ihre Verfahren weiterhin weisungsungebunden und unabhängig vom Fifa-Council führen kann. Beim Kongress vergangene Woche war auf Betreiben des neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ein fragwürdiger Artikel zur Abschaffung der Gewaltenteilung beschlossen worden, wonach vorerst das Fifa-Council als höchstes Verbandsgremium die Vollmacht erhält, Mitglieder der Kontrollgremien eigenmächtig zu entlassen. Daraufhin war der Governance-Chef der Fifa, Domenico Scala, zurückgetreten.

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