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WM-Korruption : Informantinnen fordern Ermittlung gegen Fifa-Richter

Hand drauf? Garcia (l.) soll gegen Eckert ermitteln, fordert Phaedra Almajid Bild: AFP

Die Informantinnen Phaedra Almajid und Bonita Mersiades legen offiziell Beschwerde ein: Fifa-Ermittler Garcia solle eine Untersuchung wegen des Bruchs der Vertraulichkeit einleiten – gegen Ethikkommissionskollege Eckert.

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          Phaedra Almajid und Bonita Mersiades, die Whistleblowerinnen, die sich am Sonntag massiv über den Umgang der Fifa-Ethikkommission mit ihren Informationen und ihre Diskreditierung durch den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert beklagt hatten, fordern nun eine formale Untersuchung Eckerts durch den Fifa-Chefermittler Michael Garcia. Almajids Schreiben, das auf Sonntag, 16. November 2014, datiert ist, liegt FAZ.NET vor. Zunächst hatte es der britische Journalist James Corbett veröffentlicht.

          In dem Dokument heißt es, ihr sei von Garcia Vertraulichkeit garantiert worden. Für sie sei diese Vertraulichkeit angesichts ihrer Sorgen um ihre eigene Sicherheit und die ihrer beiden Söhne entscheidend für die Bereitschaft zur Kooperation gewesen, schreibt Almajid. Eckert habe die Vertraulichkeit gebrochen, indem er, obwohl er sie namentlich nicht nannte, in seinem Untersuchungsbericht eine Verbindung zu Äußerungen Almajids von vor drei Jahren herstellte, durch die sie leicht zu erkennen gewesen sei. Sie sei daraufhin binnen weniger Stunden von britischen und deutschen Medien identifiziert worden.

          Darüber hinaus sei Eckerts Darstellung ihrer Person – der Jurist hatte Almajid als nicht glaubwürdig bezeichnet – „plump, zynisch und fundamental fehlerhaft“. Sie teile Garcias Einschätzung, dass Eckerts Bericht zahlreiche Fehler aufweise und unvollständig sei, darüber hinaus verlangt Almajid, dass ihre Beschwerde gegen Eckerts Bericht als Verletzung des Abschnitts 16.1 des Fifa-Ethik-Codes akzeptiert werde. Dieser regelt den vertraulichen Umgang mit Informationen.

          „Schweigen wird belohnt“

          Eckert hatte seinen Bericht zu Korruptionsvorwürfen rund um die Weltmeisterschaftsvergaben an Russland (2018) und Qatar (2022) am Donnerstag vorgestellt und anschließend als „Zwischenstand“ bezeichnet. Eine vollständige Veröffentlichung seines Berichts hatte er in der Vergangenheit stets mit Verweis auf die Vertraulichkeitsbestimmungen des Ethik-Codes abgelehnt. Garcia, der die Ermittlungen geleitet hatte, auf denen Eckerts Schlussfolgerungen beruhen, hatte den Bericht unmittelbar nach seinem Bekanntwerden scharf kritisiert.

          Almajid, die einst für die qatarische WM-Bewerbung gearbeitet hatte, verweist, wie zuvor im Interview mit der britischen Zeitung „Mail on Sunday“ darauf, dass sie mit ihren Aussagen ein hohes persönliches Risiko eingegangen sei. Nun sei sie, weil sie den Mut aufgebracht habe, Informationen weiterzugeben, verraten und verleumdet worden. Das verrate vieles über den Umgang bei der Fifa. Schweigen werde belohnt; wer sich zu Wort melde und das System in Frage stelle, werde dagegen selbst der Schutz des Ethik-Codes entzogen.

          Bonita Mersiades, die, wie Almajid durch Eckerts Bericht identifizierbar geworden, ebenfalls Beschwerde gegen den deutschen Richter einlegte, veröffentlichte zudem am Montag einen Beitrag für den Londoner „Guardian“ über die Fifa, Eckert und dessen Bericht, in dem sie grundlegende Veränderungen im Internationalen Fußballverband fordert.

          „Ich wurde vom Richter Hans-Joachim Eckert verleumdet“, schreibt Mersiades, die bis 2010 PR-Chefin der australischen WM-Bewerbung für 2022 war. Sie fordert in ihrem Beitrag, die Fifa brauche einen Neuanfang. „Regierungen, Sponsoren und Fernsehsender sollten eine Interimsverbandsführung verlangen. Diese sollte von hochangesehen Person geführt werden, der ein umfängliches Mandat für die Entwicklung eines neuen Fifa-Statuts, neuer Verbandsführungsregeln und der Auftrag Neuwahlen zu organisieren, an die Hand“ gegeben wird.“

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