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Fifa : Plan für 48er-WM in Qatar ist auf dem Weg

  • Aktualisiert am

Mann im Ballbesitz: Gianni Infantino setzt seine Pläne durch. Bild: Reuters

Die Fifa hofft weiter auf eine WM mit 48 Teilnehmern schon 2022 in Qatar. Es muss jedoch ein großes Problem gelöst werden. Fix ist dafür die Aufstockung der Klub-WM zu einem Großturnier - gegen den Willen Europas.

          Nach dreieinhalb Stunden im abgeschotteten Businessbereich des luxuriösen Ritz-Carlton-Hotels setzte Gianni Infantino sein Siegerlächeln auf. Gegen den heftigen Widerstand aus Europa hat das Council des Fußball-Weltverbands Fifa die Reform der Klub-WM beschlossen - selbst die Boykottdrohung der Spitzenklubs blieb wirkungslos. Auch die Aufstockung der WM 2022 in Qatar, ein weiteres Lieblingsprojekt des Fifa-Präsidenten, ist einen großen Schritt weiter. "Sie sehen einen glücklichen Fifa-Präsidenten", sagte Infantino, der sich trotz allem "nicht im Krieg" mit der Uefa sieht: "Ich bin immer glücklich, aber heute besonders. Nicht für mich, sondern für den Weltfußball. Wir haben einige wichtige Beschlüsse gefasst."

          Das Council um DFB-Präsident Reinhard Grindel traf in Miami die bedeutende Grundsatzentscheidung für die "Mega"-Endrunde in dreieinhalb Jahren. Wird ein passender Co-Gastgeber in der momentan allerdings krisengeschüttelten Region gefunden, soll der Fifa-Kongress im Juni die Aufstockung absegnen. Die Fifa-Administration wird nun zusammen mit dem Qatarischen WM-Organisationskomitee eine Beschlussvorlage erstellen.

          „Wir haben dem Council die Machbarkeitsstudie vorgelegt, in der wir zu dem Schluss kommen: Ja, es ist möglich, die WM 2022 von 32 auf 48 Teams auszuweiten - vorausgesetzt, dass einige Bedingungen erfüllt werden“, sagte Infantino nach der Sitzung der Fifa-Regierung. Eine endgültige Entscheidung müsse der Fifa-Kongress im Juni treffen. Knackpunkt bleibt die Suche nach einem Co-Gastgeber für Qatar.

          „Mein Eindruck ist, dass die politische Lage es völlig offen lässt, ob es zu einer Erweiterung der WM in Qatar kommt“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel der Deutschen Presse-Agentur.

          Problem mit den Nachbarn

          Als Ausrichter einiger der dann 80 WM-Spiele kommen geographisch vor allem die Nachbarn (Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) infrage, die sich mit Qatar seit 2017 aber in einer Art kaltem Krieg befinden. Die wirtschaftliche und politische Blockade gegen das Emirat müsste spätestens bis 2022 garantiert aufgehoben sein. Neutrale Partner in der Region wären aktuell Kuweit und Oman. Grindel bleibt deshalb noch skeptisch.

          "Nach meinem Eindruck führt die politische Lage dazu, dass es nicht absehbar ist, ob sich die Länder der Golfregion auf eine Erweiterung verständigen, die dann von der Fifa mitgetragen wird", sagte der 57-Jährige. Infantino hingegen betonte, dass "wir in der glücklichen Position sind, uns mit Fußball zu beschäftigen." Die XXL-Endrunde könnte laut der dem Council vorgestellten Machbarkeitsstudie im gleichen Zeitraum gespielt werden (21. November bis zum 18. Dezember 2022). Ursprünglich sollte erst die WM 2026 in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko mit 48 statt 32 Mannschaften ausgerichtet werden. Infantino hatte in den vergangenen Monaten aber massiv für die frühere Aufstockung geworben, die zuletzt auch kaum mehr Gegner hatte. "Das dürfen wir nicht nur durch die deutsche Brille sehen", sagte Grindel. Die europäische Sicht auf die Reform der Klub-WM war klar negativ - die sieben Uefa-Delegierten stimmten gegen die Reform.

          Europäer drohen mit Boykott

          Noch im Laufe der Council-Sitzung hatte die Klub-Vereinigung ECA bestätigt, dass die europäischen Spitzenklubs 2021 zum Boykott aufrufen wollen. "Ich gehe davon aus, dass es weitere Gespräche geben wird", sagte Grindel: "Es ist wichtig, auch die Interessen der Vereine in den Blick zu nehmen." Das, erklärte Infantino, sei aber geschehen. "Ich werde das nicht anheizen", sagte der Schweizer: "Ich verstehe die Position der Uefa. In Europa ist die Lage mit den Ligen und den Klubs komplizierter als anderswo. Wir sind aber im Fußball, nicht im Krieg. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir mit der Uefa und den europäischen Klubs gut zusammenarbeiten können."

          Das Turnier soll vom 17. Juni bis zum 4. Juli 2021 gespielt und dann alle vier Jahre ausgetragen werden. Der Ausrichter steht noch nicht fest, der Confed Cup wird dafür gestrichen. Die Uefa soll acht Klubs entsenden. Aus Deutschland dürfte (wen nicht boykottiert wird) Bayern München die besten Chancen auf eine Einladung haben - den Teilnehmern könnten Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe winken. Laut den Council-Dokumenten werden neben den acht Europäern jeweils drei Vereine aus Asien, Afrika sowie der Region Nord- und Mittelamerika/Karibik teilnehmen. Südamerika bekommt sechs Startplätze, die ozeanische Konförderation einen. Außer der Uefa hatten sich alle Kontinentalverbände im Vorfeld für die Reform ausgesprochen.

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